Die Vorbereitungen für die Gespräche liefen seit Monaten. Auch nachdem ein erster Versuch Mitte Mai von Kiew kurzfristig abgesagt wurde, ließ Serbien von der Idee nicht ab, den ukrainischen Präsidenten Selenskyj nach Belgrad einzuladen. Warum diese Hartnäckigkeit?Innenpolitisch ist der Besuch für Serbiens Präsident Vučić kein Vorteil, denn bei seiner russophilen Klientel kommen die Bilder seiner Umarmung Selenskyjs nicht gut an. In der serbischen Opposition ist die Befürchtung zu hören, Vučić wolle sich damit in der EU einen Blankoscheck für innenpolitische Regelverstöße holen. Wenn das stimmt, hängt es von der EU ab, diesen Scheck nicht auszustellen.Moskau dürfte verärgert seinImmerhin: Vučić ist das Risiko einer Verärgerung Moskaus eingegangen, was Gespräche über neue Gaslieferabkommen nicht erleichtern wird. Das ist ein Zeichen politischen Mutes, das gewürdigt werden sollte.Doch sollte dies die EU nicht davon abhalten, genau auf das zu schauen, was sich in Serbien innenpolitisch abspielt. Vučić hat die Hoffnung auf eine serbische EU-Mitgliedschaft längst aufgegeben, sieht aber noch Chancen für die Aufnahme Serbiens in den europäischen Binnenmarkt. Das ist eine gute Idee. Aber auf dem Weg dahin muss Serbien wie alle anderen Kandidaten die nötigen politischen Bedingungen erfüllen. Einen Selenskyj-Rabatt darf es nicht geben.