Es war ein Besuch mit hoher politischer Sprengkraft. Erstmals seit seiner Wahl zum ukrainischen Präsidenten 2019 ist Wolodymyr Selenskyj zu einem offiziellen Besuch nach Serbien gereist. In Belgrad empfing ihn Präsident Aleksandar Vucic mit militärischen Ehren. Für Serbien ist stets um einen außenpolitischen Spagat bemüht. Einerseits pflegt Belgrad traditionell enge Beziehungen zu Moskau, andererseits will Serbien seinen europäischen Kurs nicht aufgeben.

Vucic versuchte deshalb, bei seinem Treffen mit Selenskyj mehrere Botschaften gleichzeitig zu senden. Serbien unterstütze die territoriale Integrität der Ukraine und werde Kiew auf dem Weg in die Europäische Union helfen. Eine direkte Verurteilung Russlands oder einen Beitritt zu den EU-Sanktionen gegen Moskau stellte der serbische Präsident allerdings weiterhin nicht in Aussicht.

Vucic: Kein „Aber“ bei der territorialen Integrität

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz in Belgrad betonte Vucic ausdrücklich, Serbien stehe zur territorialen Unversehrtheit der Ukraine. „Wir unterstützen die UN-Charta, die UN-Resolutionen. Das bedeutet die territoriale Integrität aller UN-Mitglieder, also auch die territoriale Integrität der Ukraine“, sagte Vucic. Zugleich habe Serbien der Ukraine dafür gedankt, dass Kiew seinerseits die territoriale Integrität Serbiens unterstütze. Vucic betonte dabei ungewöhnlich nachdrücklich: „Wir werden diese prinzipielle Politik fortsetzen. In dieser Frage gibt es keinerlei ‚Aber‘.“