Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erstmals während seiner Amtszeit Serbien besucht. Die Staatsvisite gilt als bemerkenswert, da Serbiens Regierung als moskautreu gilt. Russland überzieht die Ukraine im seit mehr als vier Jahre andauernden Krieg täglich mit brutalen Angriffen. Trotzdem möchten beide Länder enger zusammenarbeiten. Darüber sprach der serbische Präsident Alexander Vucic mit Selenskyj. Es ging auch um den künftigen Weg beider Länder in die EU.Eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine war kein Thema, wie Vucic bei einer Pressekonferenz betonte. Er verneinte, dass Serbien zusammen mit der Ukraine Drohnen bauen wolle. Eine derartige Kooperation sei allerdings mit Israel geplant, sagte Vucic. Vertreter der beider Länder unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Kooperation in Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit. Ein Freihandelsabkommen solle bis Ende des Jahres ausgearbeitet werden, sagte Selenskyj. Er dankte auch humanitäre Hilfe Serbiens für den Medizin- und Energiebereich in der Ukraine.

Belgrad und Kyjiw erkennen Kosovo nicht anVucic erklärte, dass sein Land die territoriale Integrität der Ukraine unterstütze. Er dankte Kyjiw dafür, im Fall Serbien dasselbe zu tun: »Wir sind der Ukraine dankbar für die Unterstützung der territorialen Integrität Serbiens«, sagte er. Dabei erwähnte Vucic die frühere serbische Provinz Kosovo nicht, die 2008 nach einem blutigen Krieg ihre Unabhängigkeit erklärt hat – zielte aber offensichtlich darauf ab. Die meisten EU-Staaten erkennen diese Abspaltung Kosovos an, nicht aber Serbien – und auch nicht die Ukraine. Kyjiw will keinen Präzedenzfall schaffen, mit dem sich die Abspaltung des von Russland reklamierten Donbass und der Halbinsel Krim rechtfertigen ließe.