Die Lega dei Ticinesi ringt im Skandal um ihren fehlbaren Staatsrat Claudio Zali um eine StrategieClaudio Zali steht nach diversen Vorwürfen vor dem politischen Aus und bringt auch seine Partei in Bedrängnis. Am kommenden Freitag trifft sich die Lega zur Parteiversammlung.Gerhard Lob, Bellinzona28.07.2026, 19.39 Uhr3 LeseminutenSieht sich immer stärker mit Rücktrittsforderungen konfrontiert: der Tessiner Lega-Staatsrat Claudio Zali.Francesca Agosta / TI-Press / KeystoneDie Spitze der Lega dei Ticinesi hat am Dienstag eine Marathonsitzung absolviert, um über die politische Zukunft des Tessiner Regierungspräsidenten Claudio Zali zu beraten. Am Treffen waren nebst Zali auch der Staatsrat Norman Gobbi zugegen sowie der Koordinator Daniele Piccaluga und sein Stellvertreter, wie RSI berichtete. Bis 19 Uhr teilte die Lega allerdings keine Ergebnisse des Krisengipfels mit.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Affäre um den 64-jährigen Staatsrat und ehemaligen Strafrichter Zali dominiert seit einer Woche das politische Geschehen im Tessin. Nachdem bekanntgeworden war, dass die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen Zali wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch und versuchter Nötigung eröffnet hat, entzog ihm die Gesamtregierung die Verantwortung für die Dossiers Gerichtswesen und Polizei. Zali hatte sich persönlich für einen 14-jährigen Jugendlichen eingesetzt, den Sohn einer Freundin, der sich in Untersuchungshaft befand und in einen Fall von Gewalt und Freiheitsberaubung gegen einen anderen Jugendlichen verwickelt war.Für die grösste öffentliche Empörung sorgte allerdings die Publikation von Mitschnitten aus Telefonaten von 2022, in denen Zali angeblich einer Freundin rät, eine gemeinsame Bekannte und mutmassliche Stalkerin zu verprügeln. Schliesslich tauchte noch ein E-Mail-Wechsel aus 2020 auf, in dem Zali beim Direktor des kantonalen Spitalamtes, einem Parteifreund, insistierte, eine Freundin einzustellen. Dafür könne man einen Grenzgänger entlassen. Es handelt sich offenbar um die gleiche Frau, die im Telefonat zu hören ist.Diese drei Episoden sorgten für einen politischen Wirbelsturm. Praktisch alle Parteien fordern Zalis Rücktritt. Der Staatsrat selbst hat bislang keine Stellung zu den Vorwürfen bezogen, aber mit einer Anzeige gegen seine politischen Gegner, insbesondere die Parteipräsidenten von FDP, Mitte und SP, gedroht.Lega-Sprachrohr entsagt Zali die UnterstützungDer Druck auf Zali wird auch in den eigenen Reihen immer grösser. Am Sonntag hat der «Mattino della Domenica» den Lega-Staatsrat fallen gelassen. Die Sonntagszeitung ist das inoffizielle Sprachrohr der Lega dei Ticinesi. «Wenn der Inhalt eines solchen Telefongesprächs nicht dementiert wird, müssen wir leider davon ausgehen, dass es keine Fake News ist», schrieb die Zeitung. Zudem erklärte die Herausgeberin Antonella Bignasca, dass der «Mattino» Zali nicht mehr unterstützen werde. Als Grund nennt sie allerdings nicht die öffentlich gewordenen Verfehlungen, sondern seine politische Positionierung. Zali hatte in einem Interview erklärt, sich den Grünen näher zu fühlen als der SVP.Just die SVP hatte wegen dieser Stellungnahme Zalis und seiner Ankündigung, 2027 erneut kandidieren zu wollen, die langjährige Zusammenarbeit mit der Lega aufgekündigt. Stattdessen wolle man bei den kommenden Kantonswahlen mit einer eigenen Liste anzutreten, so die SVP-Spitze.Nun könnte es sein, dass die Listenverbindung doch wieder zustande kommt, falls Zali demissioniert oder nicht mehr antritt. Denn nur mit einer gemeinsamen Liste erreichten Lega und SVP politische Stärke und zwei Mandate im Staatsrat. Für Freitag hat die Lega eine Parteiversammlung mit der Verabschiedung der Listen angesetzt.Entzieht der Gesamtstaatsrat Zali das Amt?Auch Tadel an der Kantonsregierung mehrt sich. Staatsrätin Marina Carobbio (SP) seht im Kreuzfeuer der Kritik, weil sie die mutmasslichen Prügelattacken Zalis nicht klar genug verurteilt haben soll. In einer Medienmitteilung von vergangener Woche habe Carobbio den Druck Zalis zur Einstellung einer Bekannten beim Spitalamt nur in der Form kritisiert, nicht aber in der Substanz, so der Vorwurf.Am Mittwochabend findet in Bellinzona eine Kundgebung statt, die das Frauenkollektiv «Io l‘8 ogni giorno» einberufen hat und von vielen weiteren Organisationen unterstützt wird. Auch da wird Zalis Rücktritt gefordert.Offenbar will auch der Tessiner Gesamtstaatsrat am Mittwoch zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammenkommen, um sich mit der institutionellen Krise zu befassen. Möglich ist, dass die Regierung Claudio Zali dabei das Amt als Regierungspräsident entziehen wird.Passend zum Artikel