Der Tessiner Staatsrat Claudio Zali soll in einem illegal aufgenommenen Telefongespräch zu hören sein. Darin wird geraten, eine Frau zu verprügeln. Zali steht auch wegen weiterer Vorfälle zunehmend unter Druck.Peter Jankovsky, Bellinzona24.07.2026, 12.15 Uhr4 LeseminutenWill wieder in die Kantonsregierung, sieht sich aber mit immer mehr Vorwürfen konfrontiert: der Tessiner Staatsrat Claudio Zali.Elia Bianchi / Ti-press / KeystoneSeit Wochen macht der Tessiner Regierungspräsident Claudio Zali negative Schlagzeilen. Die regionalen Medien ziehen sein korrektes Verhalten als Magistrat, zuständig für das Umweltdepartement sowie das Justiz- und Polizeiwesen, in Zweifel. Nun gibt es neue Vorwürfe, die Zali ins Wanken bringen. So sind auf einem anonymen Instagram-Konto Ausschnitte eines Telefongesprächs aufgetaucht: Auf den Aufnahmen von schlechter akustischer Qualität ist eine Männerstimme zu hören, die zur Gewalt gegen eine Frau rät. Sie soll an einigen Stellen jener von Zali gleichen. Zudem wird der Mann mit «Claudio» angesprochen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gemäss RSI-Recherchen sind die Tonaufnahmen echt. Sie sollen vor mehreren Jahren ohne Zalis Wissen aufgezeichnet worden sein und sind somit illegal. Dennoch hat RSI die Aufnahmen veröffentlicht, denn es handle sich um eine Person des öffentlichen Interesses. Auf den Aufnahmen spricht der Mann, der angeblich Zali ist, mit einer Bekannten über eine dritte weibliche Person.Diese habe die Gesprächspartnerin des Mannes belästigt. Laut RSI fordert daher die Männerstimme auf den Aufnahmen seine Bekannte auf, die Frau zu verprügeln. Zudem erklärt der Mann, er selbst habe dies bereits getan, als die Stalkerin bei ihm zu Hause erschienen sei. Ob sich der geschilderte Vorfall tatsächlich ereignet hat, bleibt unklar.FDP und Mitte fordern Zalis SuspendierungDer Fall hat in der Tessiner Politik heftige Reaktionen ausgelöst. Die Präsidenten der grossen Parteien FDP, Mitte und SP verlangen von Regierungspräsident Zali eine öffentliche Stellungnahme. In einer gemeinsamen Mitteilung verweisen sie auf den möglichen Bezug zur Gewalt gegen Frauen und sprechen von einem Vorgang, der das Vertrauen in die staatlichen Institutionen erschüttere.Eine erste Konsequenz hat der 64-jährige Zali bereits gezogen: Die Tessiner Regierung hat am Donnerstagabend bekanntgegeben, sie habe Zalis Antrag entsprochen, die politische Verantwortung für Justiz und Kantonspolizei bis zum Abschluss der Ermittlungen vorübergehend abzugeben. Daraufhin reagierten FDP und Mitte noch einmal in einer separaten Mitteilung und forderten Zalis Suspendierung von allen Ämtern als Staatsrat. Die Entscheidung der Tessiner Gesamtregierung reiche nicht aus, um die Glaubwürdigkeit der staatlichen Institutionen wieder herzustellen.Zali selbst beklagt in einem Communiqué eine gezielt herbeigeführte Verletzung seiner Privatsphäre. Sollten die mehrere Jahre alten Aufnahmen tatsächlich von ihm stammen, seien sie ohne sein Wissen entstanden und würden damit das Ergebnis einer Straftat darstellen. Zugleich wirft Zali den Präsidenten von Mitte, FDP und SP vor, aus wahltaktischen Gründen rechtswidrig beschafftes Material zu verwenden, um Druck auf ein Mitglied der Kantonsregierung auszuüben. Er werde gegen alle Beteiligten rechtlich vorgehen, einschliesslich der drei Parteipräsidenten. Weiter kündigte Zali an, in den kommenden Tagen die Einleitung eines Strafverfahrens zu beantragen, in dem er als Anzeigeerstatter und Geschädigter auftrete.Politische Konkurrenz dramatisiert VorwürfeZalis Hinweis auf wahltaktische Gründe kommt nicht von ungefähr. Im April 2027 sind im Tessin kantonale Wahlen, und kürzlich ist das langjährige Listenbündnis zwischen der grossen rechtspopulistischen Lega und der kleinen kantonalen SVP zerbrochen.Letztere macht dafür auch Zali verantwortlich: Er spotte über die SVP und vertrete Positionen, die zu grün seien. Und er habe erklärt, am liebsten ohne Unterstützung der SVP zur Wiederwahl anzutreten. Im Übrigen steht Zali allgemein in der Kritik wegen einer verwirrlichen Ämterrochade, die er vor einem Jahr mit Lega-Regierungsrat Norman Gobbi vereinbarte.Doch ohne Listenverbindung sinken die Chancen des rechten Lagers, während die Erzgegnerin FDP und andere Parteien auf Zugewinne hoffen. Zali ist also willkommener Anlass für die politische Konkurrenz, die Vorwürfe gegen ihn zu dramatisieren. Das könnte die Position der Lega als zweitstärkste Kraft im Grossen Rat ins Wackeln und den zweiten Lega-Sitz in der fünfköpfigen Tessiner Regierung gefährden.Weitere Vorwürfe gegen den Tessiner StaatsratDerweil gerät Zali, der sich in seiner Freizeit als Hobbyrennfahrer betätigt, wegen weiterer Vorgänge unter Druck. Laut der Zeitung «La Regione» ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und versuchter Nötigung. Anlass ist Zalis bekannt gewordene Intervention zugunsten des 14-jährigen Sohnes einer Bekannten, der vorübergehend zur Untersuchungshaft ins Erwachsenengefängnis La Farera bei Lugano gesteckt wurde. Zali soll hohe Beamte und die zuständige Jugendrichterin eindringlich zu den Haftbedingungen befragt und sich nach Alternativen erkundigt haben.RSI machte zudem einen weiteren Fall publik. Demnach soll sich Claudio Zali 2020 mit Nachdruck für die Anstellung einer Frau beim Kantonsspital eingesetzt haben – angeblich derselben Frau, deren Stimme in den nun veröffentlichten Tonaufnahmen zu hören ist. In einer E-Mail an die damalige Spitalleitung soll Zali eine rasche Anstellung verlangt und angeregt haben, nötigenfalls einen Grenzgänger zu entlassen. Wenige Tage später erhielt die Frau ein Vorstellungsgespräch und anschliessend zwei Stellenangebote. Am Ende entschied sie sich aber für eine Stelle in einem privaten Altersheim. Zali hat sich zu diesen neusten Vorwürfen noch nicht geäussert.Passend zum Artikel
Tessiner Regierungspräsident Claudio Zali unter Druck: Telefonmitschnitt entfacht neue Kritik
Der Tessiner Staatsrat Claudio Zali soll in einem illegal aufgenommenen Telefongespräch zu hören sein. Darin wird geraten, eine Frau zu verprügeln. Zali steht auch wegen weiterer Vorfälle zunehmend unter Druck.











