KommentarSchon vor 250 Jahren musste es die alte Welt auf die harte Tour lernen: Es ist unmöglich, die Amerikaner zu ignorieren. Ganz zu schweigen davon, sie zu unterschätzenOb es einem trägen Europäer gefällt oder nicht: Auch ein Vierteljahrtausend nach ihrer Gründung gehen die Impulse von den USA aus. Die Vereinigten Staaten sind und bleiben eine Erfolgsgeschichte.04.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDie USA haben in ihrer Geschichte schon viele Härtetests durchlaufen – und sich noch immer behauptet.Newsday LLC / Newsday RM / GettyDer «Reflecting Pool» in Washington ist ein grüner Tümpel, in der Strasse von Hormuz stauen sich die Schiffe. Im Grossen wie im Kleinen, so drängt sich gegenwärtig der Eindruck auf, bekommt Amerika kaum noch etwas auf die Reihe. Nicht nur droht Donald Trump, um im Bild zu bleiben, im Mittleren Osten zu versumpfen, auch innenpolitisch sieht er die Felle davonschwimmen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zum 250. Geburtstag ihres Landes ist vielen Amerikanern nicht zum Feiern zumute. Die Umfragewerte des Präsidenten sind tief, die Benzinpreise hoch. In weiten Teilen der Welt ist der Ruf ramponiert. Eine Erhebung von Gallup zeigt, dass der Stolz, Amerikaner zu sein, selten so verhalten war.Dazu hat eine politische Linke Zulauf, die den Feiertag vom 4. Juli am liebsten abschaffen würde. Eher, so fordern Progressive selbstgeisselnd, solle man das Jahr 1619 würdigen, als die ersten Sklaven in die damaligen Kolonien gekommen seien. Doch die USA haben in ihrer Geschichte schon viele Härtetests durchlaufen.Der Leuchtturm für die FreiheitIm Bürgerkrieg brach das Land beinahe auseinander, bevor Präsident Abraham Lincoln in seiner berühmten Rede in Gettysburg die Geburt einer neuen Freiheit und das Überleben einer Regierung «aus dem Volk, durch das Volk und für das Volk» verkündete.Viele Jahrzehnte später haben sich die USA im Kollaps der Weltwirtschaft während der Grossen Depression nicht dem Faschismus verschrieben, sondern sich im New Deal neu erfunden. Im Kalten Krieg war Amerika unter Ronald Reagan als «shining city upon a hill» der Leuchtturm für Freiheit und Demokratie im Kampf gegen den Kommunismus. Oder im Watergate-Skandal stellte der Staat seine Checks and Balances unter Beweis.Noch jedes Mal haben sich die USA behauptet. Bei allen Unkenrufen ist auch heute evident, was schon die Briten 1776 auf die harte Tour lernen mussten: Es ist unmöglich, die Amerikaner zu ignorieren. Ganz zu schweigen davon, sie zu unterschätzen.Ob es einem trägen Europäer gefällt oder nicht: Selbst ein Vierteljahrtausend nach ihrer Gründung gehen die wesentlichen Impulse in der Politik, aber auch in der Wissenschaft und der Kultur von den USA aus. Die Vereinigten Staaten sind und bleiben eine Erfolgsgeschichte.Produktiver Grössenwahn«Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich, dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräusserlichen Rechten ausgestattet sind; dass zu diesen das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören»: Die amerikanischen Gründerväter begingen Hochverrat gegenüber der britischen Krone, sie riskierten ihr Leben für diese Worte, mit denen Thomas Jefferson vor 250 Jahren die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten erklärt hat. Ihre Risikobereitschaft schuf die DNA des Landes. In der neuen Welt prägten die Rebellen einen Patriotismus, wie er der alten vollkommen fremd geblieben ist.Und es war dann, nicht zuletzt, der amerikanische Nationalstolz, der die Niederlage Hitlers besorgte. Er nährte die mächtigste Armee der Welt. Er übersetzte sich in einen produktiven Grössenwahn, der gewaltigen Wohlstand brachte. Nobelpreise, Hollywood, die Mondlandung, das Silicon Valley.Während angesichts der besorgten geo- und innenpolitischen Wasserstandsmeldungen die historischen Errungenschaften gerne vergessengehen, darf man sich in diesen Tagen an die Durchschlagskraft der ältesten beständigen Verfassungsordnung erinnern. So wies der Supreme Court den Präsidenten mit seinem Urteil zum Geburtsrecht in die Schranken, nachdem er schon seinen Zollkrieg durchkreuzt hatte. Die Institutionen der Gründungszeit, die geschaffen wurden, um auch selbstherrliche politische Führer zu überstehen, beweisen sich gerade in der Krise.Die USA, so bringt es die konservative Zeitung «National Review» auf den Punkt, seien ein Land, das «nicht nur in der Theorie, nicht nur an manchen Tagen», sondern so, wie es hier und heute existiere, am 4. Juli 2026, «ein Wunder für die Ewigkeit» darstelle.Passend zum Artikel
Schon vor 250 Jahre musste es die alte Welt auf die harte Tour lernen: Es ist unmöglich, die Amerikaner zu ignorieren
Ob es einem trägen Europäer gefällt oder nicht: Auch ein Vierteljahrtausend nach ihrer Gründung gehen die Impulse von den USA aus. Die Vereinigten Staaten sind und bleiben eine Erfolgsgeschichte.













