„Eine Republik – wenn ihr sie bewahren könnt.“ Als Benjamin Franklin 1787 gefragt wurde, was für eine Regierungsform der Konvent geschaffen habe, war seine Antwort keine Garantie, sondern eine Mahnung. Die Amerikaner haben die Republik erhalten. Am 4. Juli feiern sie 250 Jahre Unabhängigkeit – und die stete Erneuerung aus einem Fundus derselben grundlegenden Werte.
Die Alte Welt verweist gern hämisch darauf, dass manches Fachwerkhaus älter sei als die USA. Doch in Wahrheit, so zeigt Moritz Eichhorn auf Seite 4, ist Amerika der Großvater am Tisch der Demokratien – und Europa der aufgeregte Enkel, der bei Krisen nicht renoviert, sondern gleich die ganze Statik infrage stellt.
Immerhin: Die Verfassung der Vereinigten Staaten gilt ununterbrochen seit 1789. Frankreich durchlief seither die revolutionäre Republik, das Kaiserreich, die restaurierte Monarchie, noch eine Republik, Vichy und weitere Republiken. Deutschland fand erst über Bismarck, Weimar, Diktatur und Teilung zum Grundgesetz von 1949 – und zur vereinigten Bundesrepublik 1990.
Und darin liegt der Unterschied. Amerika baut und baut. Sklaverei, verweigertes Frauenwahlrecht, Rassentrennung – all das gehörte zur Gründung. Doch die USA reformieren ihr Haus, statt es abzureißen. Europa hat die Selbstkritik bis zur Selbstzerstörung perfektioniert; Amerika gewann daraus die Kraft zur Erneuerung.










