Wo stehen die USA 250 Jahre nach ihrer Gründung? Vier prominente Experten widersprechen den UntergangsprophetenDie Kulturwissenschafterin Elisabeth Bronfen, der Politikwissenschafter Kishore Mahbubani, der Ex-Diplomat Thomas Borer und die Historikerin Anne Applebaum analysieren den Zustand der Vereinigten Staaten.21.06.2026, 05.30 Uhr11 LeseminutenIllustration: Simon Tanner / NZZElisabeth Bronfen, Kulturwissenschafterin, lehrte an den Universitäten Zürich und New York und sagt: «Die USA können wie kein anderes Land die Kraft des Imaginären mobilisieren.»«Sobald ich in Zürich aus dem Haus trete, spüre ich Ordnungswut. Sie heisst blaue Zone und ist gerade am Verschwinden, jetzt, da meine Strasse in eine Gartenallee mit Veloweg verwandelt werden soll. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich schätze die Schweiz gerade für ihre Verlässlichkeit, für die Ruhe und Ordnung. Aber die blaue Zone ist eben auch eine Chiffre für die helvetische Enge: Solange du dein Auto exakt ins Blau manövrierst, deinen Müll richtig trennst, ist alles gut.Und dann lande ich in New York. Die Strassen haben Löcher, alles ist ein bisschen schmutzig, dysfunktional gar. Alles ist anstrengend. Und ich? Ich atme auf. Weil ich weiss, dass für die Zeit meiner Gastprofessur gilt: Anything goes.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kulturwissenschafterin Elisabeth Bronfen, fotografiert in ihrem Arbeitszimmer zu Hause in Zürich, am 12. August 2020.Severin Bigler / CH-MediaIch habe das Privileg, zwischen diesen beiden Welten zu pendeln, in beiden heimisch zu sein. Als Tochter eines US-Soldaten bin ich in Bayern aufgewachsen und habe amerikanische Schulen besucht. Glauben Sie mir, der europäische Antiamerikanismus ist nichts Neues. Persönlich kenne ich ihn seit meinen Jugendjahren. Ich erinnere mich gut an die Zeit der Friedensbewegung Anfang der achtziger Jahre. Man ging gegen den amerikanischen Imperialismus auf die Strasse und trug dabei selbstredend Jeans und Sneakers.Darin liegt der fast tragikomische Widerspruch unserer Beziehung zu diesem Land. Heute ist die Amerikanisierung unseres Alltags so total, dass wir sie kaum mehr bemerken. Wir laufen mit Pappbechern voller Kaffee durch die Gassen, feiern Halloween, schauen Netflix. Wir mögen amerikanische Inhalte ablehnen, ihre Form aber haben wir übernommen. Bis hin zu den Diskursen: Wenn Schweizer Politiker sich heute im Bundeshaus Unflätigkeiten an den Kopf werfen, die vor zehn Jahren undenkbar gewesen wären, dann ist das ein ungefilterter Import von Donald Trump.Vielleicht erklärt die Gleichzeitigkeit von Adaption und Ablehnung die gegenwärtige Enttäuschung. Und ich nutze das Wort «Enttäuschung» ganz im Sinne von Sigmund Freud: als ein Aufwachen aus einer Täuschung, die oft mit einer narzisstischen Kränkung verbunden ist.Die erste Täuschung war die Idealisierung Amerikas als Spielwiese unserer Phantasien. Die zweite Täuschung war, dass wir Amerika, den grossen, reichen Weltpolizisten, der Europa unter seine Fittiche nimmt, einfach für gegeben hingenommen haben.Nun sind wir erwacht und müssen feststellen: Wir interessieren uns brennend für Amerika – aber Amerika interessiert sich kaum noch für uns. Früher orientierten sich viele Amerikaner noch an ihren europäischen Wurzeln – man war Italo-Amerikaner oder irischer Amerikaner. Die tonangebenden jüngeren Amerikaner von heute sind Kinder von Einwanderern aus Südostasien, Indien oder Lateinamerika. Wenn ein JD Vance oder ein Donald Trump poltert, die Europäer bekämen es ohnehin nicht auf die Reihe, dann sprechen sie nur brutal aus, was Obama und Clinton bereits elegant angedeutet haben: Europa hat für die amerikanische Zukunft an Vitalität und Relevanz verloren.Die amerikanische Vitalität, ich nenne sie gern «audacious fantasy», speist sich aus der Fähigkeit, sich etwas vorzustellen, etwas zu wagen, im Wissen darum, dass es auch schiefgehen könnte. Sie ist eng verbunden mit dem amerikanischen Promise – dem grossen, fast religiösen Versprechen auf Vervollkommnung und Glück.Doch das gemeinsame Narrativ, das die Nation nach 9/11 noch als «United we stand» zusammenhielt, ist erodiert. Es herrscht eine abgründige Lust an Empörung und Zersplitterung.Was ist Amerika, wenn seine Vision zerbröselt? Noch fehlt die Antwort auf diese Frage. Doch abschreiben sollte man die USA nicht. Kein Land kann die Kraft des Imaginären politisch besser mobilisieren. Obamas «Yes we can» oder Martin Luther Kings «I have a dream» sind bloss zwei Beweise unter vielen.»Kishore Mahbubani, Politikwissenschafter und Diplomat aus Singapur, schreibt: «Es wäre ein grosser Fehler, Amerika zu unterschätzen.»Die Amerikaner werden am 4. Juli viel zu feiern haben. Kein anderes Imperium hat so viel Macht – Hard Power und Soft Power – angehäuft wie die USA. Weder das Römische Reich noch das British Empire hätten es mit der Reichweite und dem globalen Einfluss Amerikas aufnehmen können.Der singapurische Politikwissenschafter Kishore Mahbubani.Maurice Haas für NZZTheoretisch sind die USA kein Imperium. Praktisch gesehen sind sie es doch. Die USA sind die einzige Militärmacht, die jedem Winkel der Welt den Krieg erklären kann. Noch mächtiger aber als ihre Flugzeugträgerflotten ist der allmächtige US-Dollar. Kein Land kann es sich leisten, davon abgeschnitten zu sein. Deshalb haben amerikanische Sanktionen eine so durchschlagende Wirkung. Die Länder halten sich daran.Es steht ausser Frage, dass die amerikanische Soft Power in letzter Zeit nachgelassen hat. Eine Umfrage nach der anderen bestätigt dies. Doch man sollte bei der Beurteilung des amerikanischen Einflusses auf die Welt die lange Sicht im Auge haben. Vor über zwei Jahrzehnten schrieb ich in «Beyond the Age of Innocence»: «Amerika hat dem Rest der Welt mehr Gutes getan als jede andere Grossmacht. Diese Aussage ist sicherlich unbestreitbar.» In den achtzig Jahren seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben amerikanische Initiativen wie der Marshall-Plan in Europa sowie der offene Zugang zu amerikanischen Märkten den Aufstieg vieler neuer Wirtschaftsmächte beflügelt, unter ihnen: China und Indien, Südkorea und Singapur. Die wohlwollende, auf Regeln basierende Ordnung von 1945, die Amerika garantierte, hat für die grössten Fortschritte in der Geschichte der Menschheit gesorgt.Die Nachrichten vom Tod dieser Ordnung sind übertrieben. Der kanadische Premier Mark Carney hatte recht, als er im Januar 2026 sagte, es habe einen «Bruch» in der Weltordnung gegeben. Doch es ist ebenso wahr, dass das globale System sich als widerstandsfähig erwiesen hat, da das globale Wirtschaftswachstum stabil blieb und die globalen Handelsströme selbst 2025 auf ein Allzeithoch von über 35 Billionen US-Dollar stiegen.Dennoch steht die amerikanische Gesellschaft vor zahlreichen Herausforderungen, sowohl intern als auch extern. Intern ist Amerika faktisch zu einer Plutokratie, einer Herrschaft der Reichen geworden. Das oberste 1 Prozent hat einen rasanten Anstieg seines Vermögens erlebt. Die unteren 50 Prozent hingegen haben eine Stagnation ihres Lebensstandards erlebt, wie Angus Deaton und Anne Case gezeigt haben. Im Gegensatz dazu haben die unteren 50 Prozent in China gerade die besten 40 Jahre an sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung in der 4000-jährigen chinesischen Geschichte erlebt. Extern hat Amerika wertvolle Ressourcen für unnötige «ewige Kriege» verschwendet. Im Gegensatz dazu hat China ein Wunder vollbracht, indem es sich in fast 50 Jahren ohne einen grösseren Krieg zu einer Grossmacht entwickelt hat. Präsident Trump hat dies anerkannt, als er sagte: «Ist es nicht unglaublich, dass sie so mächtig geworden sind, ohne einen Schuss abzufeuern?» Da sich der Wettbewerb zwischen Amerika und China beschleunigt, müssen beide Seiten ihre jeweiligen Stärken und Schwächen besser verstehen.Präsident Trump hatte daher absolut recht, als er sagte, Amerika solle aufhören, «ewige Kriege» zu führen. Wenn der Iran-Krieg vorbei ist, sollte Amerika davon absehen, weitere Kriege zu führen, schon allein deshalb, weil jeder Krieg, in den Amerika verwickelt wird, ein geopolitisches Geschenk an seinen Hauptkonkurrenten China ist.Auch wenn Amerika vor vielen ernsten Herausforderungen steht, wäre es ein grosser Fehler, es zu unterschätzen. Für die meisten Länder haben politische Auseinandersetzungen und Chaos negative Auswirkungen. In der amerikanischen Gesellschaft scheinen sie jedoch das Gefüge der amerikanischen Gesellschaft zu stärken und bemerkenswert starke Individuen hervorzubringen.Es ist kaum zu glauben, dass am Ende des Kalten Krieges 1991 von den «Magnificent 7» – den Unternehmen Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Nvidia und Tesla – nur Apple und Microsoft schon gegründet waren. Die USA haben in den letzten 35 Jahren, selbst wenn einige davon schwierig und herausfordernd waren, enorme Fortschritte gemacht und Unternehmensgiganten hervorgebracht, welche die globale Wirtschaft dominieren. Kurz gesagt: Trotz der kurzfristigen Schwierigkeiten werden sein langfristiges politisches Genie und seine Widerstandsfähigkeit Amerika stark halten und es in die Lage versetzen, die Welt anzuführen.Thomas Borer, ehemaliger Botschafter und Chef der Task-Force «Schweiz – Zweiter Weltkrieg», sagt: «Strittige Wahlen sowie Korruption sind weiss Gott keine neuen Phänomene der amerikanischen Geschichte.»Für die wichtigste Aufgabe in seiner Karriere verwandelte sich der ehrgeizige Diplomat aus dem Solothurner Schwarzbubenland 1996 kurzerhand in einen Amerikaner. Thomas Borer leitete damals die Task-Force «Schweiz – Zweiter Weltkrieg» im Konflikt mit den USA um nachrichtenlose Vermögen auf Schweizer Banken. Später schrieb er, es sei vor allem darum gegangen, sich «amerikanischen Gepflogenheiten anzupassen». Sein Motto: «Manage your reputation or it will manage you.»Amerikanische Verhandlungstaktik zählt zu seinen Spezialitäten. Borer ist bis heute Schweizer Rekordhalter für Hearing-Teilnahmen vor dem US-Kongress, später hat er eine Kampfscheidung mit einer früheren texanischen Schönheitskönigin hinter sich gebracht, und auch jüngst, im Zollstreit der Schweiz mit den USA, hat der Mann, der sein Geld längst als privater Berater verdient, nicht gegeizt mit guten Ratschlägen. Thomas Borer, 68, sagt, er habe ein realistisches Bild von Amerika.Thomas Borer, einst Botschafter und Chef der Task-Force «Schweiz – Zweiter Weltkrieg», heute selbständiger Berater.Joël Hunn für NZZUnd? Wo stehen die USA 250 Jahre nach ihrer Gründung? Sind sie wirklich im Niedergang begriffen, wie viele sagen? Also am allgemeinen «Trump-Derangement-Syndrom» leide er nicht, sagt Borer. Er plädiert für die lange Sicht: «Ich interessiere mich für die USA, seit ich etwa 15 Jahre alt bin – und schon damals, während des Vietnamkriegs zu Beginn der siebziger Jahre, befand sich das Land angeblich im Abstieg.» Auch zu seiner Zeit in Washington, während der neunziger Jahre, sei teilweise von Niedergang die Rede gewesen, ebenso später im Irak-Krieg oder während der Finanzkrise. «Aber Amerika hat sich immer wieder aufgefangen, es liegt noch immer an der Weltspitze, militärisch und wirtschaftlich.» Obwohl doch laut den Prognosen aus den neunziger Jahren China die USA längst hätte überholt haben müssen. «Hat es aber nicht.»Auch einen politischen Niedergang oder gar ein bevorstehendes Ende der Demokratie kann Thomas Borer nicht erkennen. Die USA seien nie die Musterdemokratie gewesen, wie sie sich viele Europäer phantasiert hätten. Er sieht die amerikanische Mentalität aus dem 19. Jahrhundert, als man den Westen eroberte, noch immer sehr lebendig. Auch in der Politik. US-Präsidenten hätten schon länger mit Executive Orders zuweilen recht autoritär regiert, bei Regierungswechseln sei es entsprechend ruppig und volatil zu und her gegangen. «Und strittige Wahlen sowie Korruption sind weiss Gott keine neuen Phänomene der amerikanischen Geschichte, sondern eher Konstanten.» Man solle sich doch nur kurz an die Wahl von 2000 erinnern, als in Florida so lange gezählt worden sei, bis Bush gewonnen habe. Oder wie es möglich sei, dass Joe Biden als Senator von Delaware mit einem Gehalt von rund 150 000 Dollar jährlich nach ein paar Jahrzehnten auf 40 bis 50 Millionen Dollar Vermögen komme, also jeden Börsenhändler schlage?Geht es um die USA, mag es Borer pragmatisch. Das hat ihn wohl 1996 auch für die Leitung der Task-Force prädestiniert. Als manch bürgerlicher Politiker in Bern das Problem noch sträflich unterschätzte, von «Sister Republics» und einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen den beiden alten Demokratien träumte, riet Thomas Borer ihnen zu Hardball: Man müsse nicht beliebt sein wollen, dürfe keineswegs schon von Anfang an den Kompromiss anvisieren, solle im PR-Krieg mitspielen und sich beim Lobbying nötigenfalls auch von lokalen Profis beraten lassen. «Die freundlichen Schweizer dachten, es sei ein Fussballspiel nach europäischen Regeln, die Amerikaner hingegen spielten American Football.»Auch Niederlagen dürfe man dabei keinesfalls fürchten. Die USA seien ein Land des Comebacks, Trump selbst liefere das aktuellste und beste Beispiel dafür: «Nach seiner Wahlniederlage 2020 und dem anschliessenden Sturm aufs Capitol hätte doch niemand mehr 10 Franken auf sein Comeback gewettet, oder?»Thomas Borer mag die USA, insbesondere deren ungebrochenen Optimismus, aber er idealisiert sie nicht und sieht die riesigen Probleme des Landes durchaus. Oder anders gesagt: «Die USA waren früher nicht ganz so glänzend, wie viele dachten. Und heute nicht so mies dran, wie viele fürchten.»Anne Applebaum, amerikanische Historikerin und Publizistin, prognostiziert: «Die Menschen, gerade in Europa, werden Amerika wahrscheinlich nie mehr so vertrauen wie früher.»Es ist das Gezänk kleiner Kinder, das Anne Applebaum daran erinnert, wieso sie Amerika noch liebt: «Ihre Streitereien enden oft mit dem gleichen Satz: ‹Das ist ein freies Land›», schmunzelt sie. Diese fundamentale Idee, dass Amerikaner frei seien, bilde den Kern ihrer Identität und zugleich Anfang und Basis jeder Konversation über das eigene Land.Die Historikerin und Publizistin Anne Applebaum 2024 an der Universität Zürich.Karin Hofer / NZZDie Historikerin und Autorin ist derzeit eine der gefragtesten Kommentatorinnen, denn eines ihrer Spezialgebiete sind Autokratien. Geboren in Washington, lebt die Amerikanerin seit 20 Jahren in Polen. Es ist früher Abend, und sie ist etwas unter Zeitdruck, denn ihr Mann, der polnische Aussenminister Radoslaw Sikorski, empfängt in den anderen Zimmern gerade Gäste. Und während ihr Haushalt gerade ebenso kopfsteht wie ihre alte Heimat, sagt sie per Videocall: «Ich schätze Amerikas Fähigkeit, sich in schwierigen Zeiten um eine gemeinsame Idee zu versammeln. Sie gehört zur Essenz, auch wenn dies umstrittener ist denn je.»Sei es die Zeit des Unabhängigkeitskriegs, aber auch der Kampf gegen die Sklaverei unter Abraham Lincoln oder die Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren: Immer wieder ist die Nation nach schwierigen Momenten hinter Werten wie Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit zusammengerückt. Hier liegt für sie der Unterschied zu vielen anderen Ländern: Die Vereinigten Staaten seien auf gemeinsamen Idealen gebaut und definierten sich nicht über die Zugehörigkeiten zu einer Ethnie oder die geografische Herkunft.Es klingt eigentümlich, genau diese Ideale im derzeit so polarisierten Amerika zu loben. Applebaum meint denn auch nicht Donald Trump, sondern die «No Kings»-Bewegung, die von Kalifornien bis Maine gegen den US-Präsidenten mobilisiert und sich auf die Werte der amerikanischen Republik beruft. Diese habe es mit einem Gegner zu tun, den das Land bei allen Krisen so noch nie gesehen habe. Sie sagt: «Zum ersten Mal haben wir eine Regierung, die von Leuten geführt wird, die weder an diese gemeinsamen Ideale glauben noch das grundsätzliche Wohlergehen und die Freiheit der Amerikaner im Auge haben, sondern einzig ihre persönlichen und finanziellen Interessen.»Applebaum führt sowohl das Chaos im Innern als auch den Zickzackkurs in der US-Aussenpolitik auf die derzeit fehlenden Werte der Regierung, vielleicht sogar des Landes, zurück. Die Vereinigten Staaten hätten immer so getan, als sei die Demokratie ihr grosszügiges Geschenk an die Welt. Dabei hätten sie selber am meisten profitiert. So schrieb sie kürzlich in ihrem Blog: «Indem wir die Demokratie ins Zentrum unserer internationalen Identität gestellt haben, haben wir auch unser eigenes politisches System gestärkt. Amerikaner auf verschiedenen Seiten des tiefen kulturellen Grabens glaubten an eine gemeinsame Sache.»Ist dieses Zeitalter des amerikanischen Leuchtfeuers, an dem sich die freie Welt orientiert, vorbei? Schliesslich gerät einiges ins Wanken, wenn die Allianzen mit anderen Demokratien nicht mehr zur Identität der USA gehören. «Nach den aktuellen Erfahrungen mit der Regierung Trump werden die Menschen, gerade in Europa, Amerika wahrscheinlich nie mehr so vertrauen wie früher», sagt Applebaum.Als Erforscherin von Diktaturen weiss sie aber auch, dass die USA nicht zwangsläufig in die Autokratie abrutschen müssen. Sie kennt die Unterschiede zum Leben in brutalen Willkürherrschaften. «Wir haben noch viele Möglichkeiten, uns zu engagieren und den Kurs zu ändern. Wir können uns frei äussern, uns als Kandidaten aufstellen lassen, wählen. Wir werden in den Zwischenwahlen sehen, ob das System hält. Verglichen mit Leuten, die ich aus Russland oder Iran kenne, sollte es uns möglich sein, optimistisch zu bleiben.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel