Pilates-Studios gibt es in Zürich inzwischen viele, doch der Fokus ist je nach Studio unterschiedlich gewählt. Studio Xoxo Reformer-Pilates ist allgegenwärtig – auch in Zürich. Wir haben drei Studios getestet, die die Sportart ganz unterschiedlich interpretieren.Wer derzeit durch Instagram scrollt, kommt an einer Sportart kaum mehr vorbei: Reformer-Pilates. Influencerinnen gleiten in perfekt abgestimmten Activewear-Sets scheinbar mühelos elegant über Geräte. Doch der Schein trügt.Reformer-Pilates gehört zu jenen Sportarten, deren Schwierigkeitsgrad sich erst beim Mitmachen offenbart. Von aussen wirken die Bewegungen klein, beinahe unspektakulär. Auf dem Gerät selbst zeigt sich jedoch schnell, wie viel Kraft, Konzentration und Ausdauer jede einzelne Übung erfordert. Der Schwierigkeitsgrad von Reformer-Pilates zeigt sich erst beim Mitmachen. Getty Images Vor allem die tiefliegende Rumpfmuskulatur arbeitet nahezu durchgehend mit. Spätestens nach ein oder zwei Tagen, wenn der Muskelkater einsetzt, wird einem bewusst, wie intensiv das Training tatsächlich ist.Die erste StundeTrainiert wird auf einem sogenannten Reformer, einer beweglichen Plattform mit individuell einstellbarem Federwiderstand. Je nach Studio werden auch Elemente aus dem klassischen Pilates oder Yoga integriert. Häufig kommen zusätzlich Hilfsmittel wie Pilates-Bälle, Blöcke, Therabänder oder kleine Gewichte zum Einsatz. Je mehr Elemente, desto komplizierter das Reformer-Pilates. Getty Images Vorkenntnisse braucht es keine, auch was die Bekleidung anbelangt, müssen keine Extrakosten getragen werden – auch wenn Instagram einen dies gerne glauben lässt. Bequeme Sportkleidung reicht völlig aus. Einzig rutschfeste Socken gehören in den meisten Studios zur Grundausstattung.Die Herausforderung liegt in der Koordination zwischen Gerät und der eigenen Bewegung. Gerade zu Beginn lohnt es sich deshalb, ein Studio mit kleineren Klassen zu wählen. Trainieren sechs bis acht Personen gleichzeitig, bleibt den Coaches meist genügend Zeit für Erklärungen, Korrekturen und individuelle Fragen.Aus diesem Grund bieten viele Studios spezielle Einstiegsklassen an. Wenn man die Grundlagen einmal verinnerlicht hat, findet man sich später auch in komplexeren Stunden schnell zurecht.Fokus auf AtmungMit dem Reformer-Pilates-Boom sind die Studios zahlreicher geworden. Viele begeistern mit durchdachtem Design und einer Ästhetik, die direkt aus einem Pinterest-Board stammen könnte. Doch schöne Räume allein machen noch keine gute Klasse.Entscheidender als das Interieur ist die Frage, wie Pilates vermittelt wird. Für Laura Breuss, Gründerin des Zürcher Studios Xoxo, beginnt gutes Reformer-Pilates bei der Atmung: «Die Atmung ist das Herzstück jeglicher Variante von Pilates. Bevor man ins Work-out startet, sollte man spüren, wie man sich bewegt und welche Muskulatur arbeitet.» Eine gute Stunde beginne deshalb nicht direkt mit den ersten Übungen, sondern mit Körperwahrnehmung und einer bewussten Verbindung von Atmung und Bewegung.Diese Grundlagen teilen viele Reformer-Pilates-Studios. Die Schwerpunkte könnten jedoch unterschiedlicher kaum sein. Mal stehen Achtsamkeit und Körpergefühl im Mittelpunkt, mal eine starke Körpermitte oder möglichst viele Endorphine.Wir haben drei Zürcher Studios besucht, die ganz unterschiedliche Bedürfnisse ansprechen.1. Für mehr Achtsamkeit: Studio XoxoIm Zürcher Studio Xoxo stehen gerade einmal sechs Reformer. Entsprechend persönlich ist die Atmosphäre. Die Gründerin Laura Breuss ist ausgebildete Physiotherapeutin und legt grossen Wert auf eine präzise Ausführung der Übungen. Gleichzeitig nimmt sie sich Zeit für individuelle Bedürfnisse, sei es bei Rückenschmerzen oder beim noch gezielteren Aufbau der Körpermitte nach einer Schwangerschaft.Das Studio wirkt wie eine kleine Ruheinsel mitten in der Stadt. Alles ist reduziert und auf das Wesentliche konzentriert. Eine Atmosphäre, die perfekt zum Konzept passt: weniger Hektik, mehr Körpergefühl. Das Studio Xoxo bietet Reformer-Pilates an, strahlt aber die Ruhe eines Yogastudios aus. Studio Xoxo Laura Breuss steckt viel Herzblut in ihr Studio. Studio Xoxo Wer im Training nicht nur Kraft, sondern auch einen bewussten Ausgleich zum Alltag sucht, dürfte sich hier speziell wohlfühlen. Im Studio Xoxo wird besonders spürbar, weshalb so viele Menschen von Pilates schwärmen. Nach der Stunde fühlte ich mich nicht nur gestärkt und beweglicher, sondern auch angenehm geerdet.Besonders spannend ist die Klasse «Mindful Reformer». Hier wird der achtsame Ansatz des Studios noch einmal intensiviert. Atemübungen nehmen mehr Raum ein, die Bewegungsabfolgen sind ruhiger und noch bewusster gestaltet.2. Für eine starke Körpermitte: The Core CollectiveSchon in der ersten Stunde wird mir klar, dass der Name nicht zufällig gewählt wurde. Die Bauchmuskulatur liefert dafür noch einige Tage lang den Beweis.Im Mittelpunkt des Studios steht konsequent die Körpermitte. Wie dieser Fokus umgesetzt wird, hängt jedoch von der gewählten Klasse ab. Während im «Mobility Lab» fliessende Bewegungen und Beweglichkeit im Vordergrund stehen, richtet sich das «Power Lab» an alle, die es etwas dynamischer mögen. Im The Core Collective ist der Name Programm. The Core Collective Trotz dem klaren Trainingsfokus wirkt das Studio überraschend unkompliziert. Die Klassen sind bewusst klein gehalten, entsprechend entspannt ist die Stimmung. Schnell entsteht das Gefühl, nicht nur für eine Stunde vorbeizukommen. Dazu tragen auch die Functional Drinks bei, die nach dem Training zum Verweilen einladen.3. Für mehr Endorphine: FS8 EngeAustralien hat schon so manchen Fitnesstrend hervorgebracht. Auch FS8 stammt von dort. Das merkt man sofort. Wer beim Wort Reformer-Pilates an ruhige Musik und langsame Bewegungen denkt, wird hier überrascht. Die Musik ist laut, die Energie ansteckend, die Coaches feuern die Klasse an. Die Musik im FS8 Enge sorgt für zusätzliche Energie und trägt durch das Work-out. FS8 Enge Wer mag, kann nach dem Training im kleinen Shop nach ausgewählter Activewear stöbern. FS8 Enge Neben dem Reformer kommen regelmässig weitere Trainingsgeräte wie kleine Gewichte zum Einsatz. Im Vordergrund stehen bei FS8 Enge Dynamik und jede Menge Endorphine, also Glückshormone, die nach dem dynamischen Training in besonders grossen Mengen ausgeschüttet werden.Trotz den grösseren Gruppen geht niemand in der Masse unter. Die Coaches korrigieren regelmässig, und die Bildschirme an jedem Reformer helfen dabei, die Übungen jederzeit im Blick zu behalten.Wer sein Work-out gerne mit einer Extraportion Energie mag, dürfte sich hier besonders wohlfühlen. Das Training ist intensiv, die Stimmung ansteckend, und die Zeit vergeht erstaunlich schnell. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.