Wer hätte gedacht, dass sich Kühle und Kultur so einfach verbinden lassen? Wer genug hat von der heissen Stadtwohnung, kommt an diesen Orten in den Genuss nicht nur angenehmer Temperaturen, sondern auch eines spannenden kulturellen Angebots.Design im Industriegebäude: Toni-Areal, Museum für GestaltungIn einer der heissesten Gegenden Zürichs, die voller Asphalt, Stahl- und Zementarchitektur ist und in der jüngst an der Hardturmstrasse Rekordtemperaturen gemessen wurden, befindet sich derzeit einer der coolsten Orte, um sich abzukühlen: das Toni-Areal. Beim Besuch am Samstagnachmittag um 16 Uhr schwelt die Sonne im urbanen Stadtteil bei 34 Grad. Nachdem man sich die Betonstufen hinaufgeschleppt und die zwei schweren Türen mit letzter Kraft aufgestossen hat, befindet man sich auf einmal in einer angenehmen Kühle.Nicht umsonst sind in der riesigen Eingangshalle zahlreiche Studierende an den Tischreihen zu finden. Hier lässt es sich tatsächlich länger verweilen. Wer etwas erleben will, betritt das Museum für Gestaltung. Schon von weitem signalisieren die schwarzen Langarmpullis des Personals, dass es hier gar noch kühler sein muss. Tatsächlich: In der Swiss Design Collection fühlt es sich tatsächlich ein bis zwei Grad kühler an. Dass die Dauerausstellung bei unserem Besuch praktisch leer ist, verstärkt das Frischeerlebnis. Industriell: das riesige Foyer in der ehemaligen Milchfabrik Toni-Areal. Kim Dang In Vitrinen und Schubladen sind rund 2000 Objekte aus den Bereichen Grafik, Typografie, Plakatgestaltung, Textil, Produktdesign und Kunstgewerbe ausgestellt. Kim Dang Gleich im Anschluss stösst man auf eine der derzeit coolsten Ausstellungen: «Pling! Design hören» ist noch bis 20. September zu sehen. Gezeigt werden Kunstwerke, Alltagsobjekte und digitale Medien, bei denen sich alles um Sound, Klänge und das entsprechende Design dreht. Nostalgische Gefühle werden durch einen alten Revox-Plattenspieler, Anzeigen für die ersten iPods oder «Erlaubt ist, was nicht stört»-Plakate der Stadt Zürich aus den frühen 2000er Jahren geweckt. Zwischendurch spielt Winfried Ritschs Klavierautomat Etüden, die für Menschenhände unspielbar sind, oder ein Wandtelefon aus den 1990er Jahren klingelt durch den Ausstellungsraum. Cooles «UG»: das Möbelarchiv der Swiss Design Collection. Museum für Gestaltung Weiter geht es zu einem der coolsten Orte Zürichs: dem Möbel-Schaulager der Swiss Design Collection im Untergeschoss. Es wurde Anfang 2025 eröffnet. Drei Gänge mit Vitrinen voller Designklassiker und Raritäten stehen im Dunkeln zum Entdecken bereit und erhellen sich wie von Geisterhand bei jedem Schritt. Der Inbegriff von Coolness und Eleganz ist die Interieurinstallation von Trix und Robert Haussmann: modern, zeitlos und mit einer Prise Surrealismus. Ein tolles Erlebnis für Designfans bei angenehm tiefen Temperaturen.Informationen: Das Museum für Gestaltung im Toni-Areal ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, donnerstags von 10 bis 20 Uhr.Text: Kim DangSabine Marcelis im Engadin: Eine Ausstellung in 1815 Meter HöheWer der Hitze entkommen will, fährt vielleicht ins Engadin. In Maloja auf 1815 Metern wartet derzeit nicht nur kühlere Luft, sondern auch eine Ausstellung über ein Wetterphänomen, das im Hochsommer viele gerne öfter erleben würden: Im neuen Ausstellungsraum «The Barn» der Kopenhagener Galerie Etage Projects zeigt Sabine Marcelis die Ausstellung «Maloja Fog». Die neuen Arbeiten der niederländischen Designerin gehen vom sogenannten Maloja-Schlangennebel aus, einer schlangenförmigen Wolkenformation, die sich am Pass bildet und langsam bis zum Stazersee bei St. Moritz schlängelt. «Maloja Fog» in «The Barn» in Maloja läuft bis 12. September 2026 und kann nach Voranmeldung besucht werden. Ivan Erofeev Marcelis, eine der gefragtesten Gestalterinnen der Gegenwart, übersetzt dieses Verschwinden und Auftauchen etwa in grossformatige Spiegel aus Farbglas, deren klare Reflexion nach und nach in Unschärfe übergeht, oder «Soap Tables» mit matten, weissen Harzoberflächen. Gerade in Maloja, wo sich Wetter und Licht wegen der Passlage oft innerhalb kurzer Zeit verändern, entfalten die Werke eine Wirkung, wie sie in städtischen Ausstellungsräumen wohl kaum möglich wäre.Informationen: «Maloja Fog» von Sabine Marcelis in «The Barn», Capolago 63, Maloja, Engadin, bis 12. September 2026.Text: Sonja SiegenthalerFührung in mittelalterlichem Gemäuer: Das Zürcher GrossmünsterDicke Steinmauern und hohe Decken machen Kirchen hitzeresistenter als manch andere Gebäude. Das ist ein guter Anlass, um bei den andauernden Sanierungsarbeiten im Zürcher Grossmünster vorbeizuschauen. Faule Holzbalken im Dach werden entfernt, Risse in der Steinmauer geflickt, die Chorfenster von Augusto Giacometti gereinigt. Die Gerüstverkleidung mit der Collage der Künstlerin Shirana Shahbazi kündigt es von aussen und von weitem an.Genau hinsehen kann man während der wöchentlichen Führungen, die im Auftrag der städtischen Baudirektion stattfinden (jeden Montagabend bis 10. August 2026). Während eineinhalb Stunden erfährt man, wie Fachleute die zwischen 1100 und 1210 erbauten Gemäuer instand setzen. Ein wenig Hitze gehört dennoch dazu: Bei gutem Wetter besteigt man gemeinsam das Baugerüst, um den Steinmetzen bei der Arbeit zuzuschauen. Die berühmten Doppeltürme des Grossmünsters sind noch bis 2028 von einem Gerüst verborgen. Herrscht bei der Führung gutes Wetter, betritt man es gemeinsam. Lorena La Spada 90-minütige Führungen zur Instandsetzung des Zürcher Grossmünsters, Zwingliplatz 7, finden am 20. und 27. Juli, am 3. und 10. August und am 14. September 2026 statt. Tickets sind online erhältlich.Text: Jana Schibli Kunstgeschichte in schicken Ledersesseln: Die Bibliothek im Landesmuseum ZürichWährend des Studiums war dieser Ort für mich immer eher negativ behaftet. Denn ich besuchte ihn ausschliesslich in den Wochen der Lernphase. Nun, da mein Uni-Abschluss schon bald zwei Jahre zurückliegt, entschied ich mich kürzlich dazu, ihm wieder eine Chance zu geben. Es waren in erster Linie die schrecklich hohen Temperaturen, die mich zu dem Entschluss bewogen, meinen freien Nachmittag in der Bibliothek des Landesmuseums Zürich zu verbringen. Denn was ich neben dem zähen Auswendiglernen aus dieser Zeit noch bestens in Erinnerung hatte: Sie verfügt über eine Klimaanlage. Seit 2016 ergänzt ein Erweiterungsbau des Architekturbüros Christ & Gantenbein das Landesmuseum Zürich. Schweizerisches Nationalmuseum Die Museumsbibliothek befindet sich im vom Architekturbüro Christ & Gantenbein entworfenen Erweiterungsbau, einem meiner absoluten Lieblingsgebäude in Zürich, und ist öffentlich zugänglich. Die Einrichtung in der Bibliothek ist so wie der Flügel selbst modern und schlicht, die Atmosphäre ruhig und friedlich – schliesslich sind nicht wenige der Besucher lernende Studentinnen und Studenten, so wie ich damals. Der kühle Lesesaal . . . Schweizerisches Nationalmuseum . . . und der grosszügige Balkon mit Blick auf den Platzspitz. Schweizerisches Nationalmuseum Im Gegensatz zu früher aber, als ich mich um acht Uhr morgens schlecht gelaunt an einen der Tische schleppte, meinen Laptop aufklappte und mich den schier endlosen Vorlesungsfolien zu widmen begann, machte ich es mir nun mit einem Buch und ein paar Zeitschriften auf einem der schicken schwarzen Ledersessel im Lesesaal gemütlich – die Bibliothek stellt neben Werken mit den Schwerpunkten Kulturgeschichte, Geschichte und Kunstgeschichte auch aktuelle Ausstellungskataloge und neueste Zeitschriftenhefte zur Verfügung. Schweifte mein Blick hin und wieder vom Gelesenen ab, fiel er durch die kugelrunden Fenster auf die Limmat und den Platzspitz. Für eine Pause an der frischen Luft verfügt die Bibliothek sogar über einen grosszügigen Balkon.Seitdem verbringe ich immer wieder Zeit in den angenehmen Räumlichkeiten, auch wenn es nur für eine halbe Stunde ist, um die Wartezeit am Hauptbahnhof zu überbrücken. Wenn die Temperaturen am Abend wieder sinken und ich den kühlen Bibliothekssaal verlasse, gönne ich mir in der Bar Spitz meist noch einen kühlen Negroni – ein Glück, bin ich nicht mehr in der Lernphase. Wer keine Lust auf Alkohol hat, holt beim Glacewagen auf dem Platzspitz ein kaltes Gelato. Christoph Ruckstuhl / NZZ Die Bibliothek des Schweizerischen Nationalmuseums ist von Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags schliesst sie um 19 Uhr.Text: Nina FehrDas ganze Jahr erfrischende 10 Grad: Die Grotten von VallorbeWer im Sommer das Bedürfnis hat, die Badehose zur Abwechslung mit einem langärmligen Sweatshirt oder langen Hosen auszutauschen, plant am besten einen Besuch in einer Grotte. Denn dort herrschen konstant tiefe Temperaturen. In den Grotten von Vallorbe beispielsweise sind es jahrein, jahraus 10 Grad, meist in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit, denn der Fluss Orbe, der die Höhlen einst formte, verläuft unterirdisch durch die Grotten.Doch auch unabhängig von der Temperatur ist das Abtauchen in den Untergrund ein Erlebnis. Schmale Gänge führen zu grösseren Höhlen, Stalaktiten durchbohren die Lufträume, bis sie durch die Zeit geformt wieder den Boden berühren. Und das Tosen des Flusses erzeugt im Höhlensystem einen angenehmen Soundteppich. Im Feen-Tresor, dem kleinen Museum der Grotte, können 350 seltene Mineralien und Kristalle aus aller Welt bestaunt werden. Bevor man die Kühle der Grotte wieder verlässt, sollte man noch einen kurzen Stopp im Shop einlegen, denn dort sind nicht nur funkelnde Kristalle erhältlich, sondern auch Käse, Wein oder Whisky, die in der Grotte gereift sind. Mit fast 35 Metern Höhe eröffnet sich mit der «Kathedrale» ein riesiger Raum. Durch eine Licht- und Tonshow wird die Grösse der felsigen Höhle besser wahrnehmbar. PD Wer nicht gerade in der Westschweiz unterwegs ist – die Grotten von Vallorbe sind zirka 45 Autominuten von Lausanne entfernt –, kann in den Höllgrotten bei Baar im Kanton Zug ebenfalls etwas Abkühlung erleben. Auf Anfrage werden auch Märchen-/Sagenführungen (für Kinder und/oder Erwachsene) oder Designführungen mit dem Fokus Licht angeboten.Wer noch etwas mehr Abenteuer sucht, fährt ins Muotatal zum Höllloch, einer der grössten Höhlen der Schweiz. Das Höllloch kann nicht nur auf eigene Faust entdeckt, sondern auch in geführten Touren besichtigt werden. In kurzen Touren oder Mehrtagestouren mit Übernachtung und Fondue dringt man etwas tiefer in die (bisher erforschte) 207 Kilometer tiefe Höhle ein. PD Märchenhaft: die Höllgrotte in Baar. Informationen: Die Grotten von Vallorbe befinden sich an der Chemin de la Résurgence 1, in 1337 Vallorbe.Text: Tania Villiger Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.