In Zürich gibt es im Sommer viele kulturelle Veranstaltungen, die draussen stattfinden. Getty Images Im Sommer verschiebt sich das Leben nach draussen. Parks und Badis werden zu Bühnen, Kinos und Lesesälen. Fünf Veranstaltungen in Zürich, bei denen man Kultur draussen erleben kann.Im Sommer ist das Leben ein bisschen besser. Sobald die Sonne strahlt, zieht es die Menschen nach draussen. Plötzlich sind die Aussenplätze in Restaurants und Bars nicht mehr nur von Rauchenden besetzt, auf dem Fahrrad winkt man einer vorbeifahrenden Freundin zu, am Pingpongtisch im Quartier wird um jeden Punkt gekämpft, bevor man sich im Fluss oder See abkühlt.Wer nebst Sommerbräune etwas geistigen Input sucht, kommt in Zürich ebenfalls auf seine Kosten. Diese Kulturveranstaltungen finden unter freiem Himmel statt.«Serenaden im Park» bei der Villa SchönbergGleich hinter dem Museum Rietberg liegt die Villa Schönberg. Eine rote Backsteinvilla, in der einst für kurze Zeit der Komponist Richard Wagner lebte und an seinem Werk «Tristan und Isolde» schrieb. Im Sommer kehrt etwas Musik zurück in den prächtigen Garten des Anwesens. Ab heute finden hier an fünf Mittwochabenden und einem Sonntagmorgen die Serenaden im Park statt. Musik im Park: So erlebt man die Villa Schönberg im Sommer. Daniela Valentini Dieses Jahr treten vor allem jüngere Ensembles auf. Zum Beispiel das 2022 gegründete «Pampinea». Mit Blockflöte, Tambour und Organetto – einer mittelalterlichen, tragbaren Orgel – versetzen die Stücke des fünfköpfigen Ensembles das Publikum musikalisch zurück in die Zeit des Mittelalters und der Renaissance.Auch Filmisches ist auf dem Programm. An einem Mittwochabend wird der Film «Moonlight on the Eiffel Tower» gezeigt, der vom französischen Illustrator Grégoire Pont animiert wurde. Klavier und Violine untermalen das visuelle Werk mit Live-Musik des Komponisten Achille-Claude Debussy.Serenaden im Park, vom 8. Juli bis 5. August, jeweils am Mittwochabend und einmal am Sonntagmorgen, dem 12. Juli, Tickets sind für 20 Franken online erhältlich.«Literaturfestival» im Alten Botanischen GartenWas macht Verlust mit uns? Warum sind wir uns nie genug? Wird es morgen besser? Grosse Fragen, die im Rahmen des diesjährigen Literaturfestivals mit prominenten Gästen diskutiert werden. Das Setting draussen im Alten Botanischen Garten sorgt dafür, dass die Köpfe trotz komplexen Fragen kühl bleiben. Neben Denkanstössen liefert das Festival bestimmt auch Inspiration für die nächste Sommerlektüre.Auf der Gästeliste steht unter anderem Sibylle Berg, die für ihren Roman «GRM – Brainfuck» mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde. Am Literaturfestival inszeniert sie das letzte Werk ihrer Romantrilogie «PNR – La Bella Vita» als Leseperformance mit Film.Die Kinderbuchautorin Cornelia Funke ist ebenfalls vor Ort, deren Bücher «Tintenherz», «Die wilden Hühner» oder «Drachenreiter» die Kindheit vieler bereicherten. Gemeinsam mit der Kulturjournalistin Nicola Steiner spricht Funke über die Frage, ob Phantasie die Welt verändern kann.Literaturfestival Zürich, vom 6. bis 12. Juli im Alten Botanischen Garten, ab 19 Uhr, Tickets sind online erhältlich.«The Zurich Archipelago – Recreating Common Ground»Noch bis zum 12. Juli findet man an öffentlichen Orten der Stadt Zürich insgesamt zehn verschiedene Installationen und Performances, die im Rahmen des Kunstfestivals «The Zurich Archipelago – Recreating Common Ground» stattfinden. Das Festival will Begegnungsorte schaffen, an denen Gemeinschaft und Austausch stattfinden.So zum Beispiel beim Platzspitz, wo das Kollektiv «Britto Arts Trust» aus Dhaka das Pavillon «Pakghor – The Social Kitchen» errichtet hat. Dort wird während sechs Tagen pro Woche Mittagessen zubereitet und mit allen geteilt, die vorbeikommen möchten. «Pakghor» ist in Bangladesch die Wohnküche der Familie – ein Ort des Zusammenkommens. Im Pavillon «Pakghor – The Social Kitchen» beim Platzspitz wird Mittagessen geteilt. Peter Baracchi Wer lieber einfach zuschaut, findet bei der Rentenwiese die Installation des feministischen Kollektivs Hulda Zwingli. Mit roten Lettern verwandelte dieses die Inschrift eines leerstehenden Sockels von «Vaterland nur dir» zu «Mutterland nur dir». Wer möchte, kann dank einem Gerüst auf den Sockel steigen und sich selbst als Statue auf einem Foto verewigen. Damit regt das Kollektiv an, sich kritisch mit Denkmälern auseinanderzusetzen, die so gut wie immer Männern Ehre zollen.«The Zurich Archipelago», noch bis zum 12. Juli an diversen Orten in der Stadt, Eintritt gratis.«Filmfluss» im Unteren LettenDer Letten ist das Epizentrum des Zürcher Badi-Sommers. Hier springen Waghalsige von der Kornhausbrücke, bunte, aufblasbare Gummitiere treiben flussabwärts und braungebrannte Stammgäste vertiefen sich Seite für Seite in ihre Sommerlektüre. Ab heute werden im Unteren Letten vom Mittwoch- bis Sonntagabend die Badetücher gegen Kinositze getauscht. Statt Badenden strömen Filminteressierte ins Flussbad. Das Open-Air-Kino «Filmfluss» beginnt wieder. Im Sommer verwandelt sich das Flussbad Unterer Letten alljährlich in ein Open-Air-Kino. Filmfluss An jedem Abend wird ein anderer Film gezeigt. Die Schweizer Komödie «Die Nachbarn von oben» von Sabine Boss macht den Start. Internationale Werke stehen auch auf dem Programm. Etwa die letztes Jahr erschienene Buchverfilmung «22 Bahnen» von Mia Maariel Meyer; Caroline Wahl erzählt im Buch die Geschichte der Mathematikstudentin Tilda (Luna Wedler), die wegen der Suchterkrankung ihrer Mutter die Verantwortung für ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier) übernimmt. Oder die Action-Komödie «Hit Man» von Richard Linklater, die vom Undercover-Polizisten Gary Johnson (Glen Powell) handelt, der Auftraggeber von Auftragsmorden entlarvt.Filmfluss, 8. Juli bis zum 26. Juli, Türöffnung um 20.30 Uhr, Filmstart 21.30 Uhr, Tickets sind an der Abendkasse erhältlich.«Live am Mittwuch» in der BarfussbarOb Open-Air-Kino, Live-Konzert-Location oder Bar – Zürichs Badis sind längst mehr als Orte zum Schwimmen. So auch die Frauenbadi neben dem Bauschänzli. Im Sommer wird sie abends zur Barfussbar, die – ihrem Namen entsprechend – nur ohne Schuhe betreten wird.Mittwochs findet hier die Konzertreihe «Live am Mittwuch» statt, bei der junge Künstlerinnen und Künstler aus der Region Zürich auftreten. Etwa das Trio Personne. Im März veröffentlichten sie ihre EP «Attention Economy», auf der sie zu Klängen von Bass, Piano und Schlagzeug über Gefühle von Machtlosigkeit und Überforderung singen. Im September, am letzten Konzert der Reihe, tritt gleich ein ganzes Orchester auf. Das Konkolo Orchestra dürfte für ganz viel Groove sorgen und das Publikum barfuss zu den Afrobeats tanzen lassen.Live am Mittwuch, noch bis zum 9. September immer mittwochs, Türöffnung um 20 Uhr, Eintritt frei, Kollekte. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.