KommentarDie linken Zürcher Parteien haben sich in der Parkplatzfrage völlig versteift – jetzt braucht es einen neuen KompromissRot-Grün kennt im Umgang mit dem Autoverkehr nur noch das Prinzip piesacken. Das muss sich ändern.06.06.2026, 05.00 Uhr3 LeseminutenDer Parkplatz Mythenquai soll ersatzlos gestrichen werden: In den nächsten fünfzehn Jahren plant die Stadt den Abbau von rund 10 000 Parkplätzen.Christian Beutler / KeystoneVor ein paar Jahren hatte das Tiefbauamt der Stadt Zürich eine Idee. Warum nicht die Kinder der Stadt fragen, was sie sich für den Verkehr der Zukunft wünschen? Die Antworten dürften die Stadtplaner glücklich gemacht haben, denn sie entsprachen genau dem, was sie selbst im Kopf hatten: mehr Bäume, mehr Tempobeschränkungen, mehr Spielstrassen. All das passte wunderbar in die Politik von Rot-Grün: hier die Stadtbewohner, die sich mehr Grün wünschen – da das böse Auto, das diesen Wünschen entgegensteht. So klingt es auch jetzt wieder in der linken Propaganda, da die Parkplatzkompromiss-Initiative versenkt werden soll, welche am 14. Juni an die Urne kommt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Grau gegen Grün – es ist ein Gegensatz, den es so gar nicht gibt. Alle wünschen sich mehr Grün, niemand freut sich über mehr Autoverkehr. Aber die Gesellschaft braucht Mobilität. Die richtige Frage würde deshalb lauten, wie man die verschiedenen Bedürfnisse am besten in Einklang bringt. Aber daran hat Rot-Grün kein Interesse. Die Anti-Auto-Propaganda lässt sich viel besser verkaufen.Zwei Drittel weniger Parkplätze – aber gleich viele AutosUnbestritten ist beispielsweise, dass Zürichs prognostiziertes Bevölkerungswachstum nicht mit zusätzlicher Infrastruktur fürs Auto aufgefangen werden kann. Dafür braucht es einen leistungsfähigen öV. Konsens herrscht auch darüber, dass der Durchgangsverkehr von den Quartieren fernzuhalten ist, weil hier das Wohnen Priorität haben soll. Nur: Bei den Parkplätzen in den Quartieren geht es gerade nicht um Durchgangsverkehr, sondern um Anwohnerinnen und Anwohner. Um Handwerker, die tagsüber in der Stadt Montagen ausführen und ihr Gefährt abends am Wohnort parkieren. Und auch um Leute, die auf ihr Auto angewiesen sind. Dennoch baut Rot-Grün gerade in den Quartieren Parkplätze radikal ab.Die Zahl der öffentlich zugänglichen Parkplätze ist bereits deutlich zurückgegangen. Sie dürfte in der blauen Zone in den nächsten fünfzehn Jahren von 30 000 auf 20 000 sinken. Weil die Zahl der zugelassenen Autos in der Stadt Zürich konstant ist, ist es absehbar: Die Parkplatzsuche wird noch mühsamer werden. Rot-Grün macht auch hier keine Anstalten zur Problemlösung, sondern setzt alleine auf das Prinzip Umerziehung: so lange piesacken, bis die Leute ihr Auto verkaufen.Lösungsorientiert ist hingegen der Vorschlag der Macher der Parkplatzkompromiss-Initiative, lanciert vom Gewerbe und von den bürgerlichen Parteien. Parkplätze dürften nach wie vor abgebaut werden, sie müssten aber durch Plätze anderswo im Quartier ersetzt werden. Auch unterirdische Lösungen wären denkbar. Die Stadt Kopenhagen, von Rot-Grün gerne als Velostadt und Vorbild gepriesen, hat dieses Modell im grossen Stil umgesetzt. Dort gibt es über ein Dutzend Quartierparkhäuser mit Tausenden von Stellplätzen. In Zürich wäre immerhin eine Zusammenarbeit mit privaten Parkhäusern denkbar. An solchen Ansätzen hat die linke Stadtregierung bis anhin aber keinerlei Interesse gezeigt.Die Zürcher Initiative hätte neben einer Verlagerung einen zweiten Effekt: Die städtischen Planer würden Parkplätze nicht mehr unbesehen abbauen, sondern Alternativen erwägen. Die Entsiegelung von Flächen beispielsweise, wichtig mit Blick auf die Hitzeminderung, lässt sich mit entsprechendem Oberflächenbelag auch ohne Parkplatzabbau erreichen.Der erste Kompromiss war ein voller ErfolgFür das Anliegen der Initianten spricht schliesslich der Erfahrungswert. 25 Jahre lang galt der historische Parkplatzkompromiss in der Innenstadt, bevor ihn die linke Mehrheit des Stadtparlaments 2021 aufkündigte. Oberirdisch abgebaute Parkplätze mussten unterirdisch ersetzt werden. Dank diesem Kompromiss gibt es heute einen freien Sechseläutenplatz und einen freien Münsterhof. Und das Parkhaus an der Sihl konnte abgebaut werden – ein Schandfleck, an den sich viele bereits nicht mehr erinnern.Möglich wurde dies, weil linke Parteien und das Gewerbe ein gemeinsames Ziel erkannten: gute Aufenthaltsqualität und autofreie Plätze. Dies sind keineswegs linke Anliegen – solange sie nicht mit dem ideologischen Beharren auf Parkplatzabbau verknüpft sind. In Zürich ist dies leider der Fall. Hier haben sich die linken Parteien völlig versteift.Ein neuer Kompromiss kann nur guttun.Passend zum Artikel