ErklärtFakten und Argumente vor dem Urnengang über die Parkplatzkompromissinitiative.27.05.2026, 05.00 Uhr4 LeseminutenIn den nächsten Jahren dürfte die Zahl der Parkplätze in der blauen Zone um rund ein Drittel sinken. Die Initiative möchte dem Einhalt gebieten.Michael Buholzer / KeystoneWorüber wird abgestimmt?Die Volksinitiative «Parkplatz-Kompromiss Ja» will verhindern, dass die Stadt Zürich im grossen Stil Parkplätze in den Quartieren abbaut. Wird sie angenommen, darf sie Parkplätze auf öffentlichem Grund nur noch aufheben, wenn sie im selben Quartier Ersatz schafft. Damit soll die Zahl der öffentlich zugänglichen Parkplätze auf dem Stand vom 1. Januar 2025 eingefroren werden. Auch Abstellplätze für Velos und Motorräder sollen erhalten bleiben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Einen Zürcher Parkplatzkompromiss – gab es das nicht schon einmal?Ja, einen solchen Kompromiss gab es, und er hielt 25 Jahre lang, von 1996 bis 2021. Geschlossen wurde er zwischen der City-Vereinigung und der Verkehrskommission des Gemeinderats, damals unter Führung der SP. Die Zahl der Parkplätze wurde auf dem Stand von 1990 eingefroren. Oberirdisch abgebaute Parkplätze mussten fortan unterirdisch ersetzt werden.Diesem Kompromiss ist es unter anderem zu verdanken, dass der Sechseläutenplatz autofrei wurde sowie Limmatquai, Rennweg und Münsterhof umgestaltet werden konnten. Mit dem neuen Verkehrsrichtplan von 2021 kündigten die linken Parteien den Kompromiss auf, da sie ihn als einschränkend empfanden.1996 ging es einzig um Parkplätze in der Innenstadt, die jetzige Initiative zielt auf die Quartiere. Gleich ist das Prinzip: Die Zahl der Parkplätze soll erhalten bleiben, ein Abbau soll aber möglich sein, sofern anderweitig Ersatz geschaffen wird.Was sagen die Befürworter?Das Initiativkomitee will vor allem dem grossflächigen Abbau von Parkplätzen der blauen Zone in den Quartieren ein Ende setzen. Der Abbau führe dazu, dass Leute aus der Stadt verdrängt würden, weil sie aus beruflichen oder privaten Gründen auf das Auto angewiesen seien. Und weil die Stadt auch nach einer Annahme der Initiative Parkplätze streichen dürfe, sofern sie sie anderswo ersetze, seien der Bau von Velowegen oder die Strassenbegrünung nach wie vor möglich.Was sagen die Gegner?Der rot-grün dominierte Stadtrat und der Gemeinderat lehnen das Ansinnen ab. Der öffentliche Strassenraum werde für andere Nutzungen gebraucht, die wichtiger seien als Parkplätze: Fuss- und Veloverbindungen, Aufenthaltsflächen, Bäume zur Hitzeminderung. Durch die Initiative werde es deutlich schwieriger, diese Aufgabe zu erfüllen. Zudem sind gemäss Stadtrat heute ausreichend Parkplätze vorhanden.Ist die Zahl der öffentlichen Parkplätze in der Stadt Zürich denn gesunken?Ja. Die Statistik weist für die vergangenen Jahre klar eine Abnahme aus. In der blauen Zone sind in den letzten zehn Jahren rund 4000 Parkplätze verschwunden. Allein in diesem Frühjahr hat die Stadt mehrere Tiefbauprojekte angekündigt, bei denen Parkplätze jeweils flächendeckend abgebaut werden.Die Stadt schreibt im Abstimmungsbüchlein von 9000 bis 11 000 oberirdischen Parkplätzen, die in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren «umgenutzt» würden. In erster Linie ist dabei erfahrungsgemäss die blaue Zone betroffen. Dort würde die Zahl der Parkplätze von heute über 30 000 auf etwas über 20 000 sinken. Dies bei einer seit Jahren konstanten Zahl von rund 130 000 in der Stadt Zürich zugelassenen Autos.Ist es ein Problem, wenn die Stadt Tausende Parkplätze tilgt?Das ist umstritten. Die Stadt schreibt, es seien «genug Parkplätze vorhanden». Dies widerspricht dem Eindruck vieler Automobilisten, aber auch von Quartierbewohnern, die über Suchverkehr in ihren Quartieren klagen.Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen öffentlich zugänglichen und privaten Parkplätzen. Die Stadt hat die Gesamtzahl der Parkplätze auf Stadtgebiet im Blick, und hier machen die privaten Tiefgaragenplätze unter Siedlungen den Löwenanteil aus. Diese Zahl hat gemäss Stadt zugenommen.Aus Sicht der Initianten ist eine andere Zahl entscheidend, nämlich jene der öffentlich zugänglichen Parkplätze. Leute, die in der Stadt mit dem Auto unterwegs seien, seien auf solche angewiesen. Diese Zahl geht klar zurück.Die Stadt sagt, auch das sei kein Problem. Denn der Druck auf die blaue Zone werde mit der neuen Parkkartenverordnung abnehmen. Anwohner erhalten derzeit nämlich nur noch dann eine Jahreskarte für die blaue Zone, wenn sie nachweisen können, dass sie keinen privaten Parkplatz mieten können. Folglich würden sich Fahrzeuge aus der blauen Zone in Tiefgaragen verschieben. Dadurch gebe es Platz in der blauen Zone, weshalb auch ein weiterer Abbau gut machbar sei.Die Initianten sehen es anders: Der Parkplatzabbau werde allfällige dank der neuen Parkkarte erzielte Verbesserungen sogleich wieder zunichtemachen.Gemäss den Initianten sollen künftig abgebaute Parkplätze anderswo im Quartier ersetzt werden. Ist das im engen Zürcher Strassenraum wirklich realistisch?Nein, sagt die Stadt. Im Strassenraum habe es keinen Platz. Und neue Parkhäuser in den Quartieren zu bauen, sei nur schon aus finanziellen Überlegungen unrealistisch.Ja, sagen die Initianten. Sie fordern von der Stadt mehr kreative Ersatzlösungen, etwa in privat betriebenen, öffentlich zugänglichen Parkhäusern. Bei Parkhäusern von Grossverteilern zum Beispiel sei dies gut denkbar. Doch die Stadt habe dies gar nicht geprüft, weil sie das Ziel eines Parkplatzabbaus so oder so vorantreiben wolle.Für Gewerbetreibende hat die Stadt flexible Parkplatzlösungen beschlossen. Weshalb setzen sie sich trotzdem für die Initiative ein?Die neue Parkkartenverordnung erlaubt Gewerbetreibenden das Parkieren auch auf dem Trottoir. Doch der Stadtzürcher Gewerbeverband nennt dies eine unvollständige Lösung. Erstens sei sie nur bei speziell breiten Trottoirs anwendbar. Zweitens umfasse sie viele Formen der Anlieferung nicht. Drittens würden Gewerbetreibende ihr Fahrzeug in der Regel nach Feierabend mit nach Hause nehmen und seien dort auf einen Platz in der blauen Zone angewiesen. Und viertens wurde die Parkkartenverordnung zwar letzten Herbst an der Urne angenommen, sie ist aber auf unbestimmte Zeit blockiert. Fussgängerorganisationen wehren sich rechtlich gegen das Parkieren auf dem Trottoir.Die linken Parteien sprechen konsequent von einem «SVP-Diktat». Ist das gerechtfertigt?Nein. Die SVP steht zwar hinter dem Anliegen, dies aber gemeinsam mit der FDP und der Mitte. Im Initiativkomitee dominiert eine andere Gruppe: Mehr als die Hälfte sind Gewerbetreibende ohne politisches Mandat.Die Haltung der ParteienDie Position der NZZDie NZZ empfiehlt die Initiative zur Annahme. Der Parkplatzabbau in den Quartieren hat Ausmasse angenommen, die jenen, die auf ein Auto angewiesen sind, den Alltag erschweren. Ein Ja würde verhindern, dass weiterhin im grossen Stil und ohne Not Parkplätze gestrichen werden. Der Gestaltungsspielraum der Stadt für den Bau von Velowegen und dergleichen bliebe aber erhalten.Passend zum Artikel
Soll der Parkplatzabbau in Zürich gebremst werden? Die Vorlage auf einen Blick
Fakten und Argumente vor dem Urnengang über die Parkplatzkompromissinitiative.






