ErklärtWohnschutz, Parkplätze und eine neue Tramlinie: Darüber stimmen die Zürcherinnen und Zürcher am 14. Juni abDie wichtigsten Informationen zu den kantonalen und städtischen Vorlagen auf einen Blick. Und die jeweilige Haltung der NZZ.NZZ-Redaktion Zürich17.05.2026, 05.03 Uhr6 LeseminutenDie gelben Sugus-Wohnblöcke haben Ende 2024 nationale Bekanntheit erlangt. Die Wohnschutzinitiative will Leerkündigungen stoppen.Michael Buholzer / KeystoneInhaltsverzeichnisVolksinitiative «Stopp Prämien-Schock»Kantonale WohnschutzinitiativeKantonale WohnungsinitiativeKantonale WohneigentumsinitiativeVolksinitiative «Parkplatz-Kompromiss Ja»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kantonale VorlagenVolksinitiative «Stopp Prämien-Schock»Die Krankenkassenprämien dürfen in der Steuererklärung vom Einkommen abgezogen werden. Der Maximalbetrag liegt im Kanton Zürich jedoch weit unter den tatsächlichen Kosten. Die Initiative «Stopp Prämien-Schock» der SVP verlangt nun, dass der Abzug erhöht und regelmässig der Durchschnittsprämie angepasst wird.Die NZZ unterstützt das Anliegen. Der Abzug ist wenigstens eine kleine Entlastung angesichts der stark steigenden Gesundheitskosten und ist für den Kanton Zürich und seine Gemeinden finanziell tragbar.Kantonale WohnschutzinitiativeDie Wohnschutzinitiative, die vom Mieterinnen- und Mieterverband eingereicht wurde, soll erreichen, dass es in Zürich weniger Leerkündigungen gibt. Das Mittel dazu: Gemeinden erhalten das Recht, Bewilligungspflichten für Sanierungen und Ersatzneubauten zu erlassen. Sie sollen auch die Mieterhöhung deckeln dürfen, die auf eine Sanierung folgt. Die Umwandlung in Stockwerkeigentum soll begrenzt werden.Die NZZ empfiehlt die Ablehnung der Initiative, weil sie Renovationen und effiziente Ersatzneubauten verhindern würde. So würden weniger Wohnungen entstehen statt mehr – genau das Gegenteil von dem, was gebraucht wird.Ein Gegenvorschlag geht auf das Anliegen ein, kurzfristige Leerkündigungen zu verhindern. So sollen Eigentümer verpflichtet werden, ein Kündigungskonzept auszuarbeiten, wenn sie mehr als zwanzig Mietparteien gleichzeitig kündigen. Ausserdem müssen sie die Mieterschaft mindestens zwölf Monate im Voraus über die Kündigung informieren. Die NZZ unterstützt den Gegenvorschlag.Kantonale WohnungsinitiativeMit der Wohnungsinitiative verlangen die Grünen, dass der Kanton eine eigene Wohnbaugenossenschaft gründen soll. Diese soll mit 500 Millionen Franken Startkapital Wohnungen bauen, vermieten, verwalten und gemeinnützige Bauträger unterstützen.Die NZZ empfiehlt die Initiative zur Ablehnung. Der Kanton würde mit seiner Wohnbaugesellschaft zu einem zusätzlichen Konkurrenten auf dem Markt und dürfte so die Wohnungspreise weiter nach oben treiben.Mit einem Gegenvorschlag soll in der Verfassung verankert werden, dass sich Kanton und Gemeinden für gute Rahmenbedingungen beim Bauen einsetzen. Ausserdem sollen sie gemeinnützigen Wohnungsbau und selbstgenutztes Wohneigentum fördern. Die NZZ unterstützt den Gegenvorschlag.Kantonale WohneigentumsinitiativeDer Hauseigentümerverband (HEV) fordert mit seiner Wohneigentumsinitiative, dass der Kanton nicht mehr nur Mietwohnungen fördern soll, sondern zu gleichen Teilen auch Eigentumswohnungen. Die Wohnungen sollen von den Eigentümern selbst bewohnt werden und dürfen dreissig Jahre lang nicht mit Gewinn verkauft werden.Die NZZ empfiehlt auch diese Vorlage zur Ablehnung. Zwar ist die Förderung von Wohneigentum grundsätzlich ein wichtiges Anliegen, der HEV setzt mit seiner Initiative aber auf die falsche Strategie: Statt mehr Regulierung sollte es weniger geben – damit es wieder attraktiver wird, Eigentumswohnungen zu bauen.Stadtzürcher VorlagenVolksinitiative «Parkplatz-Kompromiss Ja»Die Initiative will verhindern, dass die Stadt im grossen Stil Parkplätze in den Quartieren abbaut. Wird sie angenommen, darf die Stadt Parkplätze auf öffentlichem Grund nur noch aufheben, wenn sie im selben Quartier Ersatz schafft. Damit soll die Zahl der öffentlich zugänglichen Parkplätze auf dem Stand vom 1. Januar 2025 eingefroren werden.Die NZZ sagt Ja zur Initiative. Quartierbewohner und Gewerbe sind auf Parkplätze in der blauen Zone angewiesen. Ein punktueller Abbau zugunsten von Velowegen oder Baumpflanzungen wäre nach wie vor möglich.Parolen der Parteien. Ja: Mitte, FDP, SVPNein: SP, Grüne, GLP, ALVolksinitiative «EWZ-Bonus für alle»Die Volksinitiative der Alternativen Liste verlangt, dass das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) allen Haushalten in der Grundversorgung einen einmaligen Bonus ausbezahlt. Vom Gewinn aus dem Jahr 2024 sollen 80 Millionen oder 340 Franken pro Haushalt «zurückgegeben» werden, dies zur Stärkung der Kaufkraft.Die NZZ empfiehlt die Initiative zur Ablehnung. Das EWZ steht vor enormen Investitionen, unter anderem in den Ausbau der Fernwärme, und ist auf Finanzmittel angewiesen.Parolen der Parteien.Ja: ALNein: Mitte, FDP, GLP, Grüne, SP, SVPVerlängerte Zwischennutzung der ZentralwäschereiDie Stadt Zürich will die Zwischennutzung der Zentralwäscherei im Kreis 5 für knapp acht Millionen Franken verlängern. In dem Bau sind ein Kulturzentrum, eine Sporthalle, Ateliers, mehrere Werkstätten und Arbeitsräume untergebracht. Ab 2035 wird auf dem Areal ein neuer Stadtteil gebaut.Die NZZ empfiehlt ein Nein. In der Stadt Zürich gibt es ein vielfältiges Kulturangebot – und zwar nicht nur in staatlich subventionierten Häusern. Es leuchtet nicht ein, weshalb die Stadt weitere Millionen für eine Institution spricht, die in der Vergangenheit mehrfach und trotz gegenteiligen Beteuerungen extremistischen Anlässen eine Bühne geboten hat.Verordnung über die Umsetzung von § 49bErhalten Bauherren durch Auf- oder Umzonungen oder im Rahmen von Planungsinstrumenten wie einem Gestaltungsplan eine grössere Ausnützung auf ihrem Grundstück, kann bei Neu- oder Ersatzbauprojekten mehr Wohnraum entstehen. Der Artikel 49b im kantonalen Planungs- und Baugesetz (PBG) erlaubt es den Gemeinden, im Gegenzug für die Mehrausnützung preisgünstigen Wohnraum einzufordern.Die Stimmbevölkerung entscheidet über die Regeln, nach denen diese Wohnungen vermietet werden sollen. Die Vorgaben orientieren sich am Vermietungsreglement der Stadt Zürich, so sind etwa Belegungsvorschriften vorgesehen.Strittig ist die Frage, inwiefern das Einkommen eine Rolle spielen und wie oft es kontrolliert werden soll. Die Verordnung sieht eine Einkommenslimite vor, diese soll aber nur bei Mietbeginn relevant sein und danach nicht mehr kontrolliert werden. FDP, GLP und SVP ist das zu wenig. Sie lehnen die Vorlage deshalb ab.Die NZZ empfiehlt ebenfalls ein Nein. Preisgünstiger Wohnraum ist ein rares Gut. Entsteht dieser auf Initiative des Staats, muss er Menschen mit kleinem Portemonnaie zugutekommen. Wer gut verdient, soll seine preisgünstige Wohnung deshalb abgeben.Festlegung der Taxen in den AlterszentrenDie Zürcher Stadtregierung hat 2024 erstmals seit neun Jahren die Preise der städtischen Alterszentren angehoben, dies wegen gestiegener Kosten. Das Stadtparlament intervenierte, da es die durchschnittliche Erhöhung um 6200 Franken pro Jahr zu hoch fand. Das Parlament entschied in diesem Zug, in Zukunft selbst anstelle der Stadtregierung die Preise festzusetzen. Dieser Beschluss kommt nun zur Abstimmung.Dass er eine Reihe problematischer Folgen hat, hat sich bereits erwiesen: Erstens werden die Preise der städtischen Zentren mit öffentlichen Geldern künstlich tief gehalten. Zweitens geraten diese dadurch in einen Vorteil gegenüber den gemeinnützigen privaten Heimen, die fast die Hälfte aller Plätze in der Stadt bereitstellen. Und drittens versucht die linke Mehrheit im Parlament dieses Folgeproblem zu lösen, indem sie künftig auch die privaten Zentren finanziell stützen will. Die NZZ empfiehlt darum ein Nein.Tram Affoltern, Ausgaben von 159,1 Millionen FrankenAffoltern ist eines der letzten Zürcher Quartiere ohne Tramverbindung – und gleichzeitig eines, das mitunter am schnellsten wächst. Das vier Kilometer lange Tramtrassee auf der Wehntalerstrasse soll die bisweilen stark beanspruchten Buslinien entlasten: Das Tram wird 50 Prozent mehr Kapazität haben. Andererseits wird Affoltern damit besser und zuverlässig an die Innenstadt angebunden. Die Umgestaltung der Wehntalerstrasse – sie wird um rund 6 Meter verbreitert – bringt keine Reduktion des Autoverkehrs mit sich und ermöglicht künftig Velostreifen. Die Bevölkerung stimmt über den Baukredit von 159,1 Millionen Franken ab.Die NZZ unterstützt das Projekt. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs in einem stark wachsenden Quartier wie Affoltern ist sinnvoll. Das Tram erhöht nicht nur die Kapazitäten, sondern ist zuverlässiger als der Bus. Es ist damit ein sinnvolles Infrastrukturprojekt für kommende Generationen.Ökologische Ersatzmassnahmen im Stadtzürcher SeebeckenEnde 2026 laufen kantonale Konzessionen für mehrere städtische Hafenanlagen aus. Neue Konzessionen gibt es nur, wenn für die ökologischen Beeinträchtigungen dieser Anlagen woanders unter Wasser geeignete Ersatzmassnahmen getroffen werden. Die Stadt Zürich will in diesem Zusammenhang für 69 Millionen Franken Flachwasserzonen und somit neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen. Geschehen soll dies durch sogenannte Seeschüttungen und Aufwertungen der Uferzonen.Die NZZ lehnt das Vorhaben ab. Die betreffenden Hafenanlagen bestehen zum Teil seit über hundert Jahren. Es ist völlig unklar, wofür welche Ersatzmassnahmen zu treffen wären. Das Projekt ist zu teuer und zu wenig transparent. Ein Nein würde die Chance auf eine bessere Vorlage eröffnen.Passend zum Artikel