Die Stadtzürcher Stimmberechtigten wollen die Zahl der Parkplätze einfrieren. Und sie entscheiden sich dagegen, sich per EWZ-Dividende selbst zu beschenken.14.06.2026, 20.05 Uhr4 LeseminutenDie Stadt Zürich streicht die Zahl der Parkfelder in der blauen Zone ziemlich rabiat zusammen – eine Mehrheit der Stimmberechtigten stört das aber nicht.Michael Buholzer / KeystoneWer sich heute bei der Parkplatzsuche in der Stadt Zürich ärgert, dürfte dies künftig noch deutlich häufiger tun. In den Quartieren ist der Abbau in vollem Gange, und in den nächsten fünfzehn Jahren will der Stadtrat weitere 10 000 Parkfelder streichen. Doch jene Wählergruppe, die sich daran stört, ist statistisch zu wenig relevant, als dass sie Abstimmungen für sich entscheiden könnte. Dies zeigte sich am Sonntag: Die Stimmberechtigten haben eine Vorlage, die den Parkplatzabbau stoppen wollte, mit 59,2 Prozent Nein-Stimmen-Anteil abgelehnt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Hoffen auf «Rücksicht» durch den StadtratDie Stadt sollte Parkplätze auf öffentlichem Grund nur noch dann aufheben dürfen, wenn sie im selben Quartier Ersatz geschaffen hätte. Die Tiefbauvorsteherin Simone Brander (SP) sagte am Sonntag: «Es wäre kein Kompromiss gewesen, sondern ein Korsett, mit dem vieles nicht mehr möglich gewesen wäre.» Nun werde man «weiter vorwärtsmachen», um den Strassenraum «sicherer und attraktiver zu machen».Die Initianten hatten stets betont, grüne Umgestaltungen würden weiterhin möglich bleiben. Klar ist aber, dass Branders Tiefbaudepartement bei Abbauten in den Quartieren mit deutlich mehr Bedacht hätte vorgehen müssen.Nun, da das Volksbegehren gescheitert ist, sei «leider zu befürchten, dass sich der Stadtrat ermutigt fühlt, noch radikaler vorzugehen», sagte der SVP-Gemeinderat Stephan Iten. Man könne nur hoffen, dass der Stadtrat Rücksicht auf jene 40 Prozent nehme, die für die Initiative gestimmt hätten: «Vielleicht werden es die Leute anders sehen, wenn in zehn Jahren 10 000 Parkplätze weg sind.» Man werde im Stadtparlament «jeden Parkplatz verteidigen».Die bürgerlichen Parteien hadern damit, dass ein weiteres Mal eine nationale Vorlage die linken Wählerinnen und Wähler in Scharen an die Urne getrieben hat. Bei den Wahlen im Frühling war dies die SRF-Halbierungsinitiative gewesen, nun war es die SVP-Initiative gegen die 10-Millionen-Schweiz. Dies hat in beiden Fällen zu einer hohen Stimm- und Wahlbeteiligung auch bei den kommunalen Geschäften geführt – am Sonntag lag sie bei 61 Prozent. «Andernfalls wäre das Resultat deutlich knapper ausgefallen», sagt der FDP-Präsident Përparim Avdili.Ebenfalls ein Faktor dürfte gewesen sein, dass die Gegner die Parkplatzinitiative als SVP-Vorlage brandmarkten. Der VCS hat dies bewusst getan, im Wissen darum, dass FDP und Mitte sowie der städtische Gewerbeverband die Initiative gleichermassen unterstützt haben. Die VCS-Co-Geschäftsführerin Gabi Petri sagte, die Ablehnung der SVP sei eine Klammer, die im linken Zürich am besten funktioniere. Und weil die SVP ja mit von der Partie gewesen sei, sei das Branding «nicht falsch» gewesen.Bevölkerung verzichtet auf DividendeBei der zweiten gewichtigen Vorlage, der EWZ-Dividende, hätte man sich auch ein knapperes Resultat vorstellen können. Nach dem Ja für ein VBZ-Abo für 365 Franken im September hatte die Stadtzürcher Stimmbevölkerung am Sonntag ein weiteres Mal Gelegenheit, sich selber zu beschenken: Nach dem Willen der Alternativen Linken hätten 80 Millionen Franken aus dem Gewinn des städtischen Elektrizitätswerks (EWZ) an Haushalte und kleinere Betriebe ausbezahlt werden sollen – EWZ-Kundinnen und -Kunden hätten so ein Zückerchen von 340 Franken pro Haushalt oder Betrieb erhalten.Doch 72,3 Prozent sagten Nein. Selbst die beiden «Arbeiterkreise» 11 (68,4 Prozent) und 12 (64,3 Prozent) lehnten das Volksbegehren deutlich ab. Der Stadtrat und die übrigen Parteien im Gemeinderat hatten offenbar erfolgreich darauf hingewiesen, dass diese 80 Millionen dem EWZ für Investitionen fehlen würden.Für Michael Baumer, den FDP-Vorsteher der Industriellen Betriebe, war am Sonntagabend klar: Das Nein zur Initiative sei ein Ja zu einem nachhaltigen EWZ – auch bezüglich Finanzen.Zentralwäscherei kann weitermachenProblemlos angenommen wurde gleichzeitig ein Rahmenkredit in Höhe von 2,26 Milliarden Franken, mit dem das EWZ seine Fernwärmenetze stark ausbauen soll (80,7 Prozent Ja-Stimmen). Bis 2040 sollen so rund 60 Prozent der Stadt Zürich mit Fernwärme versorgt werden.Vergleichsweise knapp fiel die Abstimmung bei der Altersheimtaxen-Vorlage aus: 52,7 Prozent sagten Ja zur Vorlage, nach welcher künftig der Gemeinderat über die Gebühren in städtischen Altersheimen zu bestimmen habe und nicht mehr der Stadtrat. Eine Minderheit aus FDP, SVP, GLP und Mitte hatte wie auch die Exekutive vergeblich versucht, die Taxenhoheit bei der Stadtregierung zu belassen.Beim Juch-Areal in Zürich Altstetten wird es 2028 einen neuen, permanenten Recyclinghof geben. 86,8 Prozent stimmten dem Vorhaben zu. Und knapp zwei Drittel der Stimmenden (65,8 Prozent) finden «ökologische Ersatzmassnahmen» beziehungsweise künstliche Flachwasserzonen im Stadtzürcher Seebecken eine feine Sache. Etwas tiefer fiel die Zustimmung im «See-Kreis» 7 und 8 aus (57,8 Prozent).Unbestritten war auch die Neuauflage des Jugendwohnkredits in Höhe von 40 Millionen Franken (79,7 Prozent Ja-Stimmen). Genauso wie die Verlängerung der Zwischennutzung der Zentralwäscherei (70,9 Prozent Ja) und der Ersatzneubau der Schulanlage Utogrund (78,3 Prozent). Mehr Widerstand erfuhr die Schulanlage Höckler in Leimbach, gegen die sich sogar die Grünen stellen (55,7 Prozent Ja-Anteil).Herz zeigten die Zürcherinnen und Zürcher für günstige Alterswohnungen: Die Übertragung des Grundstücks am Heidi-Abel-Weg in Seebach wurde mit 89,5 Prozent Ja-Stimmen deutlich angenommen.Insgesamt befanden die Stimmberechtigten über nicht weniger als 13 städtische Vorlagen. Diese Flut zwang selbst den Stadtrat zu einem ungewöhnlichen Schritt: Er sprach am Sonntag vor den Medien nur zu den sechs «wichtigsten Vorlagen». Die sieben weiteren liess er unkommentiert – was noch nie vorgekommen sein dürfte.Passend zum Artikel
Zürich: Parkplatzinitiative scheitert an linker Mobilisierung
Die Stadtzürcher Stimmberechtigten wollen die Zahl der Parkplätze einfrieren. Und sie entscheiden sich dagegen, sich per EWZ-Dividende selbst zu beschenken.
Zürich verwirft mit 59,2% die Initiative gegen den Parkplatzabbau; 10.000 Felder werden bis 2040 gestrichen. Linke Mobilisierung konzentrierte sich auf nationale Abstimmungen (61% Beteiligung) statt lokaler Verkehrspolitik – die grüne Stadtentwicklung setzt sich ohne politische Bremsklötze durch.
















