Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zürich streitet über Parkplätze. Der Raubbau an Parkplätzen soll gestoppt werden, wie die Volksinitiative «Parkplatz-Kompromiss Ja» fordert, die am Sonntag an die Urne kommt. Die Idee: Die Stadt darf Parkplätze auf öffentlichem Grund nur noch aufheben, wenn sie im selben Quartier Ersatz schafft. Die Zahl der öffentlich zugänglichen Parkplätze soll auf dem Stand vom 1. Januar 2025 eingefroren werden.FDP, SVP und Mitte sowie der städtische Gewerbeverband, welche die Initiative lanciert haben, wollen damit ein altes Konzept reaktivieren.Rückblick: In den 1980er Jahren steckte die Zürcher Verkehrspolitik in einer Krise. Die Motorisierung hatte ihren Höhepunkt erreicht, in den Strassen wurde es eng. Rechts und links blockierten sich gegenseitig.Entspannung trat erst ein, als sich Gewerbe und SP auf einen Kompromiss einigten: Parkplätze durften zwar in der Innenstadt abgebaut und Strassen für Fussgänger und Velofahrer aufgewertet werden, dafür mussten sie aber im Untergrund, sprich in einem Parkhaus, kompensiert werden.1996 tritt der «historische Verkehrskompromiss» in Kraft. Nach jahrelangem Stillstand kommt neue Bewegung in die Verkehrspolitik mit sichtbaren Verbesserungen im Stadtbild.Drei ProjekteAutos verschwinden in den UntergrundDazu gehört der Abbruch des Parkdecks Gessnerallee. Über 30 Jahre lang beschattet dieses zweistöckige Parkhaus die Sihl, was kaum jemandem gefällt. Der Abbruch wird möglich, weil die Parkplätze ins neue Gessnerallee-Parkhaus verschoben werden können. 2004 wird die Sihl – und das Auge – von der Konstruktion befreit.Auch die Aufwertung des Münsterhofs hängt mit einem Parkhaus-Neubau zusammen. Alte Fotos zeigen, wie der Platz im Herzen der Altstadt damals genutzt wurde: als Parkplatz. 2003 entscheidet die Bevölkerung, dass 55 Parkplätze verlegt werden sollen, 2012 gibt der Stadtrat schliesslich grünes Licht für den Umbau. Ein Teil der Parkplätze geht ins neue Opéra-Parkhaus, weitere Stellplätze entstehen an der Fraumünsterstrasse.Die vielleicht bedeutendste Umgestaltung ist der Sechseläutenplatz. Zwischen Wiese und Opernhaus befindet sich dort ein grosses Parkfeld – und eine Glassammelstelle. Seit 2014 prägt statt Blech Valser Quarzit den Platz. Die Autos verschwinden im Untergrund.Der Parkplatzabbau beschleunigt sich25 Jahre hält der Parkplatzkompromiss. Doch die Zeiten – und die Pendlergewohnheiten – ändern sich. Das S-Bahn-Netz wird ausgebaut, das Velo als Nahverkehrsmittel beliebter. Und: Rot-Grün entdeckt das Velo als Wahlkampfthema. 2021 akzeptiert die Stimmbevölkerung den neuen Verkehrsrichtplan. Was in diesem fehlt: der Parkplatz-Kompromiss.Seitdem beschleunigt sich der Parkplatzabbau. Das zeigen Zahlen der Stadt.Im letzten Jahr verschwanden 673 Parkplätze, im Jahr davor 473. Einer der Haupttreiber: die «Velostrategie 2030». Die Stadt will auf 130 Kilometern Velos bevorzugen. Dort, wo die grüne Markierung der Velo-Highways einzieht, verschwindet das Blau und Weiss der Parkplätze. Das zeigt ein Blick auf die bereits umgesetzten Velorouten.Velovorzugsrouten1000 bis 1400 Parkplätze an Velorouten verschwundenEtwa auf der Velovorzugsroute von Altstetten zum Hauptbahnhof. Der letzte Abschnitt wurde erst vor wenigen Wochen eröffnet. Besonders im Kreis 4 wurden dafür zahlreiche Parkplätze aufgehoben; in der Brauerstrasse gibt es heute praktisch keine mehr.Ähnliches zeigt sich auch bei der Strecke Tiefenbrunnen nach Stadelhofen. Um Platz für Velos zu schaffen, wurde ein Grossteil der Strasse parkplatzfrei gemacht.Was Zürcher Parkplatzsuchenden künftig blühen könnte, zeigt ein Blick auf die Veloroute auf der Vulkanstrasse. Vom Bahnhof Altstetten bis zur Swiss Life Arena wurden bereits Projekte umgesetzt. Entlang dieses Abschnitts sind fast alle Parkplätze verschwunden. Die Weiterführung bis zur Hermetschloobrücke befindet sich in Planung.Wie viele Parkplätze für Velowege bereits abgebaut wurden, ist unklar, Informationen gibt es keine. Mit alten Daten lässt sich aber eine Schätzung erstellen: Seit 2021 sind nach dieser 1000 bis 1400 Parkplätze an Velorouten verschwunden.Nicht nur VelosDas Langstrasse-QuartierParkplätze verschwinden aber nicht nur wegen Velorouten. Das zeigt ein Blick ins Langstrasse-Quartier.In der Kanonengasse führte das neu eingeführte Tagesfahrverbot in der nahen Langstrasse dazu, dass Autos tagsüber über die Kanonengasse umgeleitet werden müssen. Dazu brauchte es Platz für eine neue Abbiegespur – 22 Parkplätze verschwinden.Und an der Lagerstrasse lässt sich beobachten, wie sich der Abbau durch viele Einzelmassnahmen summiert. Seit 2021 wurden gemäss Stadt gestrichen: drei Felder für den Veloverkehr, zwei für Taxistandplätze, drei für den Güterumschlag und zum Ein- und Aussteigenlassen von Patienten des ambulanten Zentrums des Stadtspitals Zürich sowie weitere drei für eine Züri-Velo-Station.Somit fielen auf dem 140 Meter langen Strassenabschnitt 11 von 26 Parkplätzen weg.Die ZukunftSo viele Parkplätze sind gefährdetDerzeit gibt es knapp 30 000 Stellplätze in blauen Zonen und 9000 weiss markierte Parkfelder in Zürich. Der Stadtrat hat in Aussicht gestellt, dass innert 15 Jahren bis zu 11 000 Parkfelder verschwinden werden. Dies bei einer gleichbleibenden Zahl eingelöster Autos in der Stadt, nämlich 130 000.Die Parkplatzsituation dürfte sich in den nächsten Jahren vor allem deshalb verschärfen, weil bisher erst ein Bruchteil des 130 Kilometer langen Velonetzes fertiggestellt wurde.Anhand von Karten lässt sich ausrechnen, welche Parkplätze direkt an einer Veloroute liegen und gefährdet sind: deren 4800 sind es entlang von Routen, die bereits in Planung sind und weitere 1400 Parkplätze an Strassen, wo die Planung noch nicht begonnen hat.Das Velo ist damit der grosse Treiber für den Parkplatzabbau – auch in Zukunft.MethodeBis 2021 wurden die Daten vom Tiefbauamt, ab 2022 von der Dienstabteilung Verkehr erfasst. Dabei wurde auch die Methode geändert. Gezählt werden nur noch Strassenparkplätze. Parkflächen z. B. auf Friedhöfen fallen weg. Zu Beginn der neuen Datenerfassung waren die Daten unvollständig, auch in den neuen Daten gibt es Erfassungsfehler und Ungenauigkeiten. Deshalb können in den Karten Parkplätze als «abgebaut» eingezeichnet sein, obwohl sie noch existieren.Die wegfallenden Parkplätze wurden wie folgt berechnet: Der gegenwärtige Datenstand wurde mit 2021 und 2022 verglichen. Als aufgelöst gilt ein Parkplatz, wenn im Umkreis von 4 Metern in den neusten Daten kein Parkplatz vorhanden ist. Verschobene Parkplätze können so auch als aufgelöst erscheinen. Blaue Zonen wurden gemäss Stadt umgerechnet in einzelne Parkfelder. Um zu berechnen, welche Parkfelder verschwinden könnten, wurden Parkplätze in einem Radius von 6 Metern um Velorouten selektiert. Dies, weil in den neusten Daten Parkfelder oft weiter weg von der Strasse eingezeichnet erscheinen, als sie es wirklich sind.Passend zum Artikel