Zwischen Inflationsangst und Sorge um die Staatsschulden erhöht die EZB die ZinsenDie Euro-Notenbank hebt den Einlagenzins auf 2,5 Prozent an. Den Schritt hatten Beobachter allgemein erwartet. Uneinig sind sie darüber, ob in diesem Jahr noch weitere folgen werden.Cornelius Welp, Frankfurt10.09.2026, 14.17 Uhr3 LeseminutenEZB-Präsidentin Christine Lagarde hat die Inflation im BlickHeiko Becker / ReutersIm Kampf gegen die europaweit steigenden Inflationsraten hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt angehoben. Das verkündete Präsidentin Christine Lagarde nach der Sitzung des Rats der Notenbank, die an diesem Donnerstag ausnahmsweise nicht in Frankfurt, sondern in Berlin stattfand.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der massgebliche Einlagenzins beträgt damit nun 2,5 Prozent. So hoch hatte er zuletzt im März 2025 gelegen. Schon im Juni hatte die Euro-Notenbank den Zins in einem ersten Schritt von zwei auf 2,25 Prozent erhöht. Den zweiten Zinsschritt in diesem Jahr hatten Beobachter allgemein erwartet.Sowohl Mitglieder des sechsköpfigen EZB-Direktoriums als auch mehrere Chefs nationaler Notenbanken hatten die Erhöhung teilweise ungewöhnlich klar angedeutet. «Eine weitere Straffung wird erforderlich sein», hatte etwa die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel Ende August in einem Interview erklärt. Beim aktuellen Leitzins sei es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig auf das von der EZB angestrebte Niveau von zwei Prozent zurückkehre.Seit diesem März hat die Teuerung in den 21 Staaten der Euro-Zone den Zielwert in jedem Monat um mehr als einen halben Prozentpunkt übertroffen. Im August lag sie mit 3,3 Prozent deutlich darüber, noch höher war sie zuletzt im September 2023 gewesen. Der Anstieg der Preise hat sich zuletzt wieder beschleunigt. Im Juli hatten sie im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent zugelegt, im Juni um 2,8 Prozent.Die Energiepreise legen um mehr als 14 Prozent zuVerantwortlich für den Anstieg sind ganz überwiegend die Kosten für Energie. Sie legten im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 14 Prozent zu. Ohne Energiepreise hätte die Inflation mit 2,2 Prozent nur leicht über dem von der EZB angestrebten Niveau gelegen. Während sich Dienstleistungen um drei Prozent verteuerten, ging es mit Nahrungsmitteln, Tabakwaren und Alkohol um nur 1,2 Prozent nach oben.Die hohen Energiekosten sind eine Folge des Iran-Kriegs und der damit verbundenen Sperrung der Strasse von Hormuz. Nachdem das US-Militär fünf iranische Tanker zerstört hatte, stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl zuletzt wieder über 100 US-Dollar. Damit ist er noch weit vom Jahreshoch entfernt, im April hatte ein Barrel 126 Euro gekostet. Wegen der anhaltenden Eskalation rechnen Beobachter nun aber damit, dass der Preis wieder auf bis zu 120 Euro steigen kann.Die Leitzinsen der Notenbank haben auf einen solchen negativen Angebotsschock naturgemäss keinen Einfluss. Deshalb hat sich die EZB zinspolitisch zunächst auch zurückgehalten. Erst als ihre Daten zeigten, dass sich die Inflationserwartungen verfestigen könnten, hat die Notenbank reagiert.Damit hat sie auch eine Lehre aus der vergleichbaren Situation nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine gezogen. Damals waren zunächst auch nur die Energiepreise sprunghaft gestiegen, die EZB hatte die höhere Inflation als vorübergehendes Phänomen eingestuft. In der Folge war sie auf mehr als zehn Prozent gestiegen.Die erneute Erhöhung dürfte den Notenbankern auch deshalb leichter gefallen sein, weil sich die Wirtschaft in Europa zuletzt robust gezeigt hat. Das Statistikamt Eurostat hat seine Angaben zum Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal von 0,4 auf 0,6 Prozent nach oben korrigiert. Zahlreiche Beobachter haben ihre Prognosen zuletzt leicht angehoben. Die Gefahr, die Konjunktur mit höheren Zinsen abzuwürgen, scheint auch deshalb überschaubar, weil bisher kein deutlicher Rückgang der Kreditvergabe feststellbar ist.Unklar ist deshalb vor allem, ob es in absehbarer Zeit noch zu weiteren Zinsschritten kommen wird. In einer aktuellen Umfrage der Deutschen Bank unter Marktteilnehmern erwarten 31 Prozent bis Jahresende keine weitere Erhöhung. 37 Prozent gehen davon aus, dass der Einlagenzins im Dezember bei 2,75 Prozent liegen wird, 26 Prozent rechnen mit drei Prozent.Die Renditen der Staatsanleihen steigenMabrouk Chetouane vom französischen Vermögensverwalter Natixis Investment Managers geht davon aus, dass die EZB die Zinsen nicht weiter anheben wird. Dafür sprechen aus seiner Sicht auch die Renditen zehnjährige europäischer Staatsanleihen. Diese seien seit der letzten EZB-Sitzung im Juli bereits um 14 Basispunkte gestiegen, der Anstieg sei «vollständig auf die realen Renditen und nicht auf höhere Inflationserwartungen zurückzuführen.» Dieses zusätzliche Mass an geldpolitischer Straffung sei «angesichts des begrenzten Inflationsschocks und seiner geringen Ausstrahlung auf andere Preise nicht gerechtfertigt.»Neben höheren Zinserwartungen hat auch die Sorge um die enorm gestiegenen Schulden die Renditen der Staatsanleihen getrieben. Steigende Leitzinsen würden die öffentlichen Haushalte zusätzlich belasten. Bisher gibt es keine Anzeichen für eine dramatische Zuspitzung wie auf dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise im Jahr 2012. Für den Fall der Fälle wäre die EZB vorbereitet: Ein 2022 eingeführtes Instrument namens TPI erlaubt es ihr, gezielt Staatsanleihen von Euro-Ländern zu kaufen, deren Zinsen ohne fundamentale wirtschaftliche Gründe drastisch steigen.Passend zum Artikel
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Die Euro-Notenbank hebt den Einlagenzins auf 2,5 Prozent an. Den Schritt hatten Beobachter allgemein erwartet. Uneinig sind sie darüber, ob in diesem Jahr noch weitere folgen werden.













