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Teuerung: EZB erhöht Zins erstmals seit fast drei Jahren – „Druck auf Inflation“ Wie die Notenbank in den kommenden Monaten vorgehen will, lässt sie offen. Gewerkschaften und Verbände kritisieren die Zinserhöhung.

11.06.2026 - 15:26 Uhr EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärt die Entscheidung der Zentralbank in Frankfurt. Foto: REUTERSDie Europäische Zentralbank (EZB) erhöht wegen der stark gestiegenen Inflation erstmals seit fast drei Jahren ihren Leitzins. Die Währungshüter setzten den Einlagensatz am Donnerstag von 2,0 auf 2,25 Prozent herauf. Über ihn steuert der EZB-Rat maßgeblich seine Geldpolitik, auch die Tages- und Festgeldzinsen für Sparer orientieren sich daran. „Durch den Krieg im Nahen Osten entsteht Druck auf die Inflation“, begründete die EZB ihren Schritt. Befeuert von den dadurch erhöhten Energiekosten war die Teuerungsrate im Euroraum zuletzt mit 3,2 Prozent deutlich über das Ziel der EZB von 2,0 Prozent hinausgeschossen. Zuletzt hatte die Notenbank die Zinsen im September 2023 angehoben.Experten hatten mit der geldpolitischen Straffung gerechnet. „Da die Inflation im Euroraum drei Prozent überschritten hat und wenig Aussicht auf Entspannung im Iran-Konflikt besteht, ist eine Zinserhöhung jetzt der richtige Schritt“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Die EZB folge damit nur dem, was die Märkte schon eingepreist hätten. „Dieser Schritt soll ein Signal an die Finanzmärkte, aber auch an die Unternehmen und Haushalte sein, dass die EZB die Inflationsdynamik sehr genau im Auge hat“, sagte der Chefvolkswirt der deutschen Förderbank KfW, Dirk Schumacher. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen rechnen für September mit einer weiteren Zinsanhebung.Die EZB lässt sich allerdings noch nicht in die Karten schauen, wie sie weiter vorgehen will. Man werde die Lage genau beobachten und von Sitzung zu Sitzung je nach Datenlage entscheiden, betonten die Währungshüter nach ihrer Sitzung: „Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest“, hieß es.Warnung vor einer RezessionHöhere Zinsen können aber auch die Konjunktur dämpfen, da dadurch Kredite für Investitionen teurer werden. Gewerkschaften haben deshalb von einer Zinserhöhung abgeraten. „Eine Zinserhöhung wäre in der gegenwärtigen Situation ein schwerer Fehler und würde die wirtschaftliche Erholung mutwillig noch weiter abwürgen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Stefan Körzell, zu Reuters. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Zone ist im ersten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft, womit der Währungsraum mit einem Bein in der Rezession steht.„Die jüngsten Inflationszahlen sind alarmierend“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura. Dennoch sei die Zinserhöhung „verfrüht“. Die deutsche Wirtschaft kämpfe mit einer schwachen Nachfrage, zurückhaltenden Investitionen und hohen Kostenbelastungen. Höhere Zinsen könnten die Finanzierung von Investitionen zusätzlich verteuern. „Viele mittelständische Unternehmen finanzieren Modernisierungen, Digitalisierung, Lagerhaltung oder die Transformation ihrer Geschäftsmodelle über Kredite“, sagte Jandura. „Steigende Zinsen erhöhen diese Kosten unmittelbar und bremsen notwendige Investitionen.“ Das schwäche Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung.Die EZB will unbedingt sogenannte Zweitrundeneffekte vermeiden, durch die sich die Inflation immer weiter in der Wirtschaft festsetzt: Wenn die Teuerung zu steigenden Löhnen und Preiserhöhungen von Unternehmen führt, könnten diese Effekte die Inflation über längere Zeit hochtreiben. „Eine Zinserhöhung wird den Ölpreis nicht senken“, betonte Lena Dräger vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Sie dient vielmehr dazu, die Glaubwürdigkeit der EZB im Kampf gegen die Inflation zu wahren und die Erwartungen zu stabilisieren, bevor sich der Schock dauerhaft festsetzt.“Nach Beginn der Angriffe der USA und von Israel auf den Iran am 28. Februar sind die Energiepreise stark gestiegen. Die Zentralbank will verhindern, dass es wieder zu einem Inflationsschub kommt wie 2022, als Russlands Invasion in der Ukraine die Teuerungsrate auf zeitweilig über zehn Prozent steigen ließ. Die EZB stand damals in der Kritik – auch weil sie die Teuerungswelle zu lange unterschätzt hatte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zuletzt klargemacht, dass man diesmal wachsamer sein werde.Die EZB-Ökonomen gehen davon aus, dass die Zwei-Prozent-Zielmarke weiter überschritten wird. Für 2026 hob sie ihre Inflationsprognose von 2,6 auf 3,0 Prozent an, für 2027 von 2,0 auf 2,3 Prozent. Erst 2028 soll der Zielwert von 2,0 Prozent wieder erreicht werden. Zugleich senkten die Experten ihre Wachstumsprognosen. Im laufenden Jahr soll das BIP der Euro-Zone nur noch um 0,8 Prozent wachsen, 2027 um 1,2 Prozent. Im März wurden noch 0,9 und 1,3 Prozent vorausgesagt. rtr Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick Anzeige Gutscheine Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen Anzeige Weiterbildung Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick