Die Europäische Zentralbank (EZB) um Präsidentin Christine Lagarde (70) wird wegen der Auswirkungen des Iran-Kriegs an diesem Donnerstag ihren Leitzins wohl anheben. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Volkswirte gehen fast einhellig von einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus. Der Einlagensatz würde dann auf 2,25 Prozent steigen. Mehrere EZB-Vertreter hatten bereits eine Zinserhöhung signalisiert. Angesichts der großen Unsicherheit erwarten die Finanzmärkte zudem gespannt auf Signale für das weitere Vorgehen der Währungshüter.Höhere Energiepreise infolge des Iran-Kriegs sorgten für steigende Inflationserwartungen, was die Notenbank unter Handlungsdruck setzte. Zuletzt war die Inflationsrate im gemeinsamen Währungsraum im Mai auf 3,2 Prozent gestiegen. Im Februar hatte die Rate bei 1,9 Prozent gelegen. Seitdem zog sie sukzessive an. Noch ist unklar, wie stark sich der Ölpreisschub auch auf andere Bereiche auswirken wird. Die EZB strebt auf mittlere Sicht eine Inflationsrate von 2 Prozent an.Die Notenbank wird auch ihre Inflations- und Wachstumsprognosen veröffentlichen. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane (56) hatte zuletzt bereits eine Anhebung der Inflationsprognose signalisiert. „Wir werden voraussichtlich im Juni eine weitere Aufwärtskorrektur vornehmen“, sagte Lane. Seiner Einschätzung nach ist davon auszugehen, dass die Ölpreise im Vergleich zu den Annahmen der Notenbank vom März voraussichtlich über einen längeren Zeitraum auf erhöhtem Niveau verharren werden.