Über Murat Yakin wird auf Social Media derzeit viel diskutiert. Getty Images Der Schweizer Nationalcoach fiel schon als Spieler gelegentlich mit seinem Look auf, der irgendwo zwischen Mads Mikkelsen und Maurizio Gucci liegen soll. Bei der WM wird er nun auch international wahrgenommen.Natürlich wurde beim Match Schweiz gegen Kolumbien auf Social Media auch über den Spielverlauf und die nicht vorhandenen Tore diskutiert. Ein «trending topic» war aber tatsächlich der Name Mads Mikkelsen – weil vielen Zuschauern weltweit offensichtlich erst jetzt auffiel, was andere schon lange wussten. Murat Yakin sieht ein bisschen so aus wie der dänische Schauspieler. Die kolumbianische Zeitung «El Colombiano» fragte sogar ernsthaft, ob die beiden Brüder seien, und ging schnell noch einmal die Kurzbiografien der beiden durch, um final zu klären: Okay, nein, sind sie nicht.Schon bei der EM in Deutschland vor zwei Jahren wurde der Schweizer Nationalcoach als neues Sexsymbol gefeiert. «Die Zeit» schwärmte: «Die grosse Brille, das zurückgekämmte Haar mit den grauen Einsprengseln, die hohen Wangenknochen, der melancholische Blick . . .» Die «New York Times» fühlte sich an Adam Driver in der Rolle des Maurizio Gucci erinnert. Im Laufe des Turniers bekam der 51-Jährige damals so viele Komplimente für sein Aussehen, dass er sich in einem Interview genötigt sah, seinen Familienstand zu erwähnen: «Ich bin glücklich verheiratet und habe zwei Kinder. Da gibt es nichts zu holen.»Diesmal ist die Begeisterung vor allem auf Social Media wieder gross. Es gibt Memes von ihm als Videospielcharakter in «Grand Theft Auto Vice City», seine «Aura» an der Seitenlinie wird mit der eines «Kokaindealers aus den siebziger Jahren» verglichen. Content-Creator fragen sich, wo diese Brille herkommt, wie es sein kann, dass dieser Haarwirbel oben an der Tolle immer gleich fällt, und wie sexy diese perfekt verteilten grauen Strähnen sind.Swiss coach looks like a cocaine dealer from the 70s pic.twitter.com/6qQZ63ZuGE— Joseph 🕊️ (@CaudilloXIV) July 7, 2026 Zumindest was die Brille angeht, gibt es Abhilfe: Sie stammt vom Schweizer Label Götti und ist das Modell «Reyes» aus der «Dimension Collection». «Reyes» heisst auf Spanisch übrigens Könige, wer noch nach einem guten Omen für die Fussball-Nati auf dem Weg zum WM-Final sucht.Was auffällt: In heimischen Medien spielte das Aussehen von Yakin im Vergleich bislang kaum eine Rolle. Weil er oft eher für seine Coaching-Qualitäten in der Kritik stand und Oberflächlichkeiten deshalb verboten sind? Oder vielmehr, weil der Stil dieses Trainers auf den ersten (und den zweiten) Blick eigentlich nicht so richtig zum Bild der Schweiz passen will? Das Schweizer Label Götti wirbt auf seiner Website bereits mit Murat Yakin für seine Brille «Reyes». Auch Yakins Uhr «Klepcys GMT Retrograde» von Cyrus Watch gab online zu reden. Seit dem letzten Jahr ist der Trainer Brand-Ambassador der Uhrenmarke. Getty Images Das neue modische Aushängeschild der Schweiz?Sein Auftreten ist zwar durchaus klassisch, häufig trägt er komplett Schwarz oder einen dunkelblauen Anzug. Im Gegensatz etwa zum spanischen Trainer Luis de la Fuente kombiniert er ihn allerdings sportlich mit weissem T-Shirt und weissen Sneakern.Erst die langen Haare, der Zweitagebart und die Retrobrille machen seinen Look so lässig, wie er in der Welt wahrgenommen wird. Und «lässig» ist jetzt womöglich nicht das allererste Prädikat, das einem zum Swiss Style einfällt. Umso mehr sollte man Murat Yakin eigentlich als modisches Aushängeschild nutzen. Spätestens mit dem historischen Einzug in den Viertelfinal ist es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit, bis er wie Roger Federer diverse Werbeanfragen bekommt.Gemodelt hat Yakin übrigens schon früher, in der Zeit als Schweizer Nationalspieler. In diesem nichts vergessenden Internet finden sich Kampagnenfotos von ihm für die italienische Modekette Oviesse, heute OVS, aus dem Jahr 2002. Der Anzug ist dunkelblau mit lilafarbenem Hemd und lilafarbener Krawatte, die Haare sind noch komplett schwarz, der Bart ein bisschen dichter, die Augen hängen scharf auf halb acht. Interessierte er sich schon immer für Mode? Murat Yakin 1999 beim Herrenschneider Daniele Borghetti. Getty Images Auf einem zweiten Bild hat er das Jackett lässig wie Richard Gere über die Schulter geworfen. «Dressman» nannte man das damals, und der Libero des FC Basel «played the part», wie man im Englischen sagt, er spielte diese Rolle perfekt. Im begleitenden Interview empfahl er Männern übrigens, sich modisch mehr von ihren Frauen beraten zu lassen. Ob sie ihm später die «Reyes»-Brille ausgesucht hat, ist leider nicht bekannt. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.