Johan Manzambi, Nico Elvedi oder Denis Zakaria gehören an der WM zu den Gewinnern im Schweizer Nationalteam – aber wer fällt ab?Neben den Führungsspielern Granit Xhaka, Manuel Akanji, Remo Freuler und Breel Embolo haben sich überraschende Namen in den Vordergrund gespielt. Andere haben das Nachsehen. Sechs Schweizer WM-Schicksale.05.07.2026, 17.18 Uhr7 LeseminutenFreude nach dem Sieg gegen Algerien: Die Schweizer überzeugen als Kollektiv – aber nicht alle Spieler sind zu gleichen Teilen beteiligt.Joeran Steinsiek / ImagoAuf dem Weg in den nächsten WM-Achtelfinal, in dem am Dienstag (22 Uhr MESZ) Kolumbien wartet, lief es für einige Schweizer Fussballer besser als erwartet. Und für andere schlechter.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Johan Manzambi: der ÜberfliegerDer SC Freiburg meldet freundlich, dass er die Berichterstattung über Manzambi nicht «von Freiburg aus flankieren» wolle. Die Süddeutschen reden nicht, aber vielleicht beginnen sie bereits zu rechnen. 2023 wechselte ihr damals 21-jähriger Stürmer Kevin Schade in die Premier League zu Brentford. Für 25 Millionen Euro. Rekord in Freiburg. Auf der Transferliste der Grossagentur The Team steht Johan Manzambi weit oben und beflügelt die Phantasie: 50 Millionen? Nur Federico Valverde von Real Madrid soll im Moment noch mehr wert sein, zumindest laut dem Transfermarkt-Portal.Johan Manzambi ist gerade auf einer PR-Tour und lässt an der WM die Statistik sprechen: 3 Tore, 2 Assists. Das ist bemerkenswert für einen 20-Jährigen, dessen Vorarbeit des Embolo-Tores gegen Algerien den welschen Co-Kommentator Léonard Thurre wiederholen liess: «Wie stark er ist, wie stark er ist.» Manzambi spielt nicht über die ganze Dauer des Matches auffällig, aber er hat Szenen, die beeindrucken. Ein früherer Wegbegleiter sagt: «Manzambi wird in Freiburg nicht mehr zu halten sein. Dazu ist der Klub zu klein, auch in der Bundesliga.» Wenn es ganz gross werden soll, gibt es nur eine Richtung: England.Newsletter «Sport – WM-Spezial»Das Wichtigste von der Fussball-WM auf einen Blick: Unser Spezial-Newsletter liefert Ihnen Eindrücke aus Nordamerika sowie Einordnungen und Hintergründe zu den entscheidenden Entwicklungen.Jetzt kostenlos abonnierenNoch vor der WM hat der Genfer seiner langjährigen Schweizer Agentur Gold Kick den Rücken gekehrt. Ein Mitarbeiter verliess die Agentur und nahm Manzambi in den grossen Stall von The Team mit. So kann das gehen, wenn der Mammon ruft. Vom Ersatzspieler Manzambi ist jedenfalls keine Rede mehr. Er spielt – auch für den Kassier des SC Freiburg.Derzeit der wertvollste Schweizer Spieler: Johan Manzambi.Fran Santiago / GettyNico Elvedi: der andere SidekickVorne, in der Offensive, fliegt Manzambi hoch. Und weit hinten schaut Nico Elvedi zum Rechten, der Innenverteidiger, über den nicht viel gesprochen wird in diesen Tagen. Dabei ist auch er ein wichtiger Faktor in der erfolgreichen Schweizer WM-Kampagne.In der Schweizer Achse sorgen zwei eingespielte Duos für Ruhe und Stabilität. Im Mittelfeld sind das Granit Xhaka, der lautstarke Anführer, und Remo Freuler, sein Nebenmann, oder auch: Sidekick. So wird er in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Und damit seine Bedeutung für das Schweizer Spiel gerne unterschätzt.Eine Reihe weiter hinten ist Elvedi der zweite Sidekick im Team. Er spielt in der Innenverteidigung neben Manuel Akanji, dem Abwehrchef. Und die Arbeitsteilung ähnelt jener von Xhaka und Freuler. Akanji ist der Sichtbarere der beiden, gerade im Spielaufbau. Elvedi wiederum weist an dieser WM die bessere Zweikampfquote auf. Er verrichtet zuverlässig seinen Dienst. Putzt aus, wenn das nötig ist. Wie gegen Kanada, als er sich in der zweiten Halbzeit spektakulär in einen Schuss wirft.Es gab an der WM noch keine Partie, in der Elvedi nicht überzeugt hat. Er ist ein sicherer Wert, dabei war seine Situation im Nationalteam vor kurzem noch kompliziert. An der EM 2024 spielte er keine Minute. Im Frühjahr 2025 fehlte Elvedi gar ganz im Schweizer Aufgebot. In der Verteidigung sei er «noch etwas auf der Suche», sagte der Nationaltrainer Murat Yakin damals, und dass er ja wisse, was er an Elvedi habe. Was man so oder so verstehen konnte.Elvedi ist schon viele Jahre dabei, aber er wird im September erst 30. Der Vertrag bei Mönchengladbach läuft nächstes Jahr aus. Bereits seit 2015 spielt er nun dort. Immer wieder wurde in der Vergangenheit über einen Transfer spekuliert. Gerade steht der Verteidiger im grösstmöglichen Schaufenster.Bisher in jedem Spiel überzeugend: der Innenverteidiger Nico Elvedi.Albert Gea / ReutersDenis Zakaria: tatsächlich RechtsverteidigerZakaria, der Mittelfeldspieler, der zum Verteidiger umfunktioniert wird: Das war so lange ein Projekt, über das Murat Yakin immer wieder sprach, das er aber nie umsetzen konnte, dass man es irgendwann gedanklich schon ad acta legte.Der Genfer steht für eine der heikleren Personalien im Nationalteam. In Frankreich ist er bei Monaco der Captain und ein überaus angesehener Fussballer; im Nationalteam machte Yakin selten Anstalten, im Mittelfeld, wo Zakaria eigentlich daheim ist, einen Platz für ihn freizuräumen. Dafür dachte der Nationaltrainer seit 2024 immer lauter darüber nach, Zakaria in die Verteidigung zu stellen.Lange kam etwas dazwischen, meist eine Verletzung, und zuweilen wurden Botschaften ausgetauscht. Der Spieler müsse das halt auch wollen, meinte Yakin etwa, wenn er wieder einmal über seine Idee sprach. Und Zakaria verhehlte nie gross, dass er sich eigentlich im Mittelfeld sieht.Natürlich schob der 29-Jährige dann stets noch pflichtschuldig nach, dass er überall spiele, wo er dem Team helfen könne. Jetzt hat Zakaria zweimal hinten rechts begonnen, zum ersten Mal in Ernstkämpfen, und dabei ansehnlich gespielt. Gegen Katar verschlechtert seine Passivität vor dem späten Gegentor den Gesamteindruck. Danach fällt Zakaria aus dem Team, doch als er gegen Algerien wieder starten darf, weil die Konkurrenten Luca Jaquez und Silvan Widmer angeschlagen sind, überzeugt er vorne und hinten.Damit steht Zakaria vor dem Achtelfinal gegen Kolumbien auf der umkämpften rechten Abwehrseite in der Pole-Position. Bei den Südamerikanern spielt Luis Díaz von Bayern München, ihr bester Spieler, auf dem linken Flügel. Es dürfte Zakarias bisher grösster Test auf der ungewohnten Position werden. Sofern Yakin nicht noch auf eine andere Idee kommt.Denis Zakaria findet sich auf der rechten Verteidigerposition immer besser zurecht.Nick Didlick / APArdon Jashari: der Mann im WartestandGegen 40 Millionen Euro bezahlte die AC Milan 2025 für Ardon Jashari. Die Saison mit dem belgischen Vizemeister Brügge war gut gewesen, Champions League inklusive, also versuchte sich der Schweizer in der Serie A. Zu verlockend waren die sportlichen und ökonomischen Perspektiven. Doch der Zentralschweizer hat ein durchzogenes Jahr hinter sich. Er brach sich im August 2025 im Training das Wadenbein, fiel lange aus und kam in der Serie A nur 14 Mal zum Einsatz.Vielleicht hilft ihm jetzt weiter, dass der Milan-Trainer nicht mehr Massimiliano Allegri, sondern Rúben Amorim heisst. Der bald 24-jährige Ardon Jashari sucht Liebesgeschichten, nachdem er in Brügge wenigstens eine hat leben können. Auch die Liebe zum Nationalteam flammt nicht auf.Lange hatte er nur je eine Spielminute in der Länderspiel-Bilanz, unter anderem beim 1:6 im WM-Achtelfinal 2022 gegen Portugal. 2026 war er aber in allen vier Testpartien dabei und stand im ersten WM-Match ganz am Schluss kurz auf dem Rasen, als Katar den 1:1-Ausgleich erzielte. Dann: Sendepause. Die Beziehung zum Nationalteam bleibt schwierig. Andere werden ihm vorgezogen, auf und neben dem Rasen.Und jetzt? Warten auf bessere Zeiten in Mailand. Und vor allem: Warten auf den Abgang Granit Xhakas, der im Mittelfeldzentrum wie eine unüberwindbare Wand vor ihm steht.Kommt seit dem Katar-Spiel nicht mehr zum Zug: Ardon Jashari.Peter Klaunzer / KeystoneFabian Rieder: ganz allein vor dem TorFabian Rieder machte gegen Algerien so auf sich aufmerksam, wie es eigentlich kein Fussballer möchte: Er vergab eine Torchance auf eine Art und Weise, die es in die Galerie der grössten Missgeschicke ziemlich weit nach oben schafft. «Ist das der grösste Fail der WM?», fragte etwa der englische «Guardian», nachdem Rieder aus kurzer Distanz den Ball statt ins leere Tor dem Goalie in die Arme gespielt hatte.Ihm sei kurz die Sicht versperrt gewesen und er habe den Ball «nur irgendwie mit der Ferse getroffen», sagte Rieder nach dem Match. Ihm war bewusst, dass er sich nach seiner Einwechslung «und einer bis dahin eigentlich guten Leistung» zum Gespött gemacht hatte. «Ich weiss, dass ich den machen muss», sagte Rieder.Der 24-Jährige ist dank seiner Spielintelligenz und Vielseitigkeit eigentlich ein Lieblingsschüler von Yakin. Spielt Rieder in seinem Verein Augsburg aber stets im Zentrum, wird er im Nationalteam je nach Bedarf mal auf der Seite oder hinter der Spitze eingesetzt, wo ihn unterdessen aber Johan Manzambi überflügelt hat.Gegen Bosnien-Herzegowina erfüllte Rieder die Aufgaben auf der rechten Seite vor Silvan Widmer, gegen Algerien durfte er für Rubén Vargas aufs Feld. Rieder bleibt weiterhin ein meist wertvoller Einwechselspieler. Er ist da, wenn Yakin ihn braucht. Der Schritt zur Stammkraft steht aber noch immer bevor.Fabian Rieder bei seinem Fehlversuch gegen Algerien.Timothy Matwey / APSilvan Widmer: in der ProblemzoneDer 33-jährige Rechtsverteidiger spielt auf der Position, die vor der WM von den Experten als Problemzone identifiziert und von Murat Yakin zur Experimentierzone gemacht worden ist. War Widmer in der souveränen Qualifikation in allen sechs Partien noch Fixstarter, ist er in diesem Jahr nur noch eine von mehreren Optionen, die Yakin bei Bedarf zieht. An der WM war das bis jetzt lediglich gegen Bosnien-Herzegowina der Fall, als Widmer bis zur 86. Minute von Anfang an spielen durfte.Steht Widmer für Solidität und rechtschaffene Arbeit als Aussenläufer, ist der Konkurrent Zakaria variabler, dynamischer und als gelernter Mittelfeldspieler mit mehr Zug zum gegnerischen Tor und Mut zum Risiko ausgestattet. Das kostet Widmer WM-Einsatzzeit. Bis jetzt zumindest.Der Aarauer hat mit seinem Klub Mainz 05 eine komplizierte erste Saisonhälfte mit einer langen Niederlagenserie hinter sich. Mit dem Trainerwechsel von Bo Henriksen zum Schweizer Urs Fischer ging es wieder aufwärts, kurz vor Saisonschluss verlängerte Widmer, seit zwei Jahren Captain in Mainz, den Vertrag um ein weiteres Jahr. Im Nationalteam wird sich nach der WM die Frage stellen, wie es für ihn weitergehen wird.Silvan Widmer hat hinten rechts seinen Stammplatz verloren.Lisi Niesner / ReutersPassend zum Artikel
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