Vorhang auf zur Manzambi-Show: Das Offensivjuwel erlöst die Schweiz beim 4:1-Sieg gegen BosnienDie Schweiz bekundet im zweiten WM-Gruppenspiel gegen bescheidene Bosnier lange viel Mühe. Aber dann schlägt die Stunde des 20-jährigen Johan Manzambi.18.06.2026, 23.25 Uhr4 LeseminutenAktualisiertSorgte für den Unterschied: Der 20-jährige Genfer Johan Manzambi.Peter Klaunzer / EPALos Angeles gilt als Traumfabrik, als Hauptstadt des westlichen Entertainments. Hollywood, die Zeitkapsel Magic Castle, der Sunset Strip. Die Metropole übt eine spezielle Strahlkraft auf Glücksritter aus aller Welt aus. Die meisten verlassen die Stadt desillusioniert, so wie Bertolt Brecht, der in Los Angeles im Exil wohnte. Und den Ort später als «Mausoleum des Leichtlebens» und «Hügelkette mit Preisschild» beschimpfte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Exzesse des modernen Sports blieben dem 1956 verstorbenen Brecht erspart. Das SoFi-Stadion zum Beispiel, eine Monstrosität, deren Konstruktion 5,5 Milliarden Dollar verschlungen hat. Dort traten am Donnerstag die Schweizer Fussballer zu ihrem zweiten WM-Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina an. Vor knapp 70 000 Zuschauern im Stadtteil Inglewood.Die Schweizer reisten mit grossen Ambitionen an. Und als so klarer Favorit, dass sie sich von ihrer Umgebung inspiriert in fast amerikanischer Überheblichkeit übten: «Man kann auf einen Schweizer Sieg wetten», sagte Fabian Rieder, die im FC Augsburg beschäftigte Offensivkraft. Und seine Teamkollegen hielten tatsächlich Wort. Auf das enttäuschende 1:1 zum Auftakt gegen Katar liess die Schweiz ein 4:1 gegen Bosnien-Herzegowina folgen. Wer Rieders Ratschlag befolgte und 100 Franken auf die Schweiz setzte, erhielt 160 zurück, immerhin.Die Schweiz erarbeitete sich gegen einen bescheidenen Gegner bei dessen erst zweiter WM-Teilnahme eine drückende Feldüberlegenheit. Aber aus den knapp 70 Prozent Ballbesitz machten die Schweizer lange: nichts. Es war erstaunlich, mit wie viel Einfallslosigkeit sich das Schweizer Kollektiv dem gegnerischen Tor näherte. Das wurde von Nikola Vasilj gehütet, dem Goalie des Bundesliga-Absteigers St. Pauli. Und von dessen Vorderleuten mit sedierendem Verweigerungsfussball abgeschirmt. «Park the bus» hat der Portugiese José Mourinho diese ultradefensive Strategie einmal verächtlich genannt. Aber sie erfreut sich bei den Aussenseitern dieser Welt mangels Alternativen bis heute grosser Beliebtheit. Bosnien erdauerte sich damit trotz augenfälliger Unterlegenheit schon ein 1:1 gegen das ebenfalls stärker einzuschätzende Kanada.Das Schweizer Konzept gegen die Betonmischung des Trainers Sergej Barbarez schien daraus zu bestehen, auf einen Geniestreich des Alleinunterhalters Dan Ndoye zu hoffen. Alles lief über sein linkes Couloir. Ndoye, 25, war sehr bemüht. Immer wieder suchte er die 1-gegen-1-Situationen. Aber seinen Mitspielern fehlte es auffallend an Musse, an Ideen. Der Wettfreund Rieder beispielsweise fand überhaupt nicht statt. Das machte das Schweizer Spiel arg eindimensional. Gemessen am Umstand, dass der Captain Granit Xhaka das Team zuletzt zwei Mal mit scharfen Worten wachzurütteln versuchte, wirkten die Schweizer verblüffend passiv.Ndoye fehlte die Fortune – und dem Trainer Murat Yakin lange der Mut. Erst nach dem zweiten, unseligen «Hydration Break» nach mehr als 70 Minuten reagierte der Coach mit einem Dreifachwechsel und brachte Johan Manzambi, Ruben Vargas und Djibril Sow. Das Coaching wirkte wie eine Parabel für den verhaltenen Schweizer Auftritt.Dan Ndoye versucht einen Fallrückzieher in der zweiten Halbzeit.Matthew Childs / ReutersAber es waren die Wechsel, welche die Schweiz retteten. Manzambi, das 20-jährige Offensivjuwel aus Genf, benötigte nicht einmal fünf Minuten, um die Schweiz mit einem satten Volley zu erlösen. Er profitierte von einem völlig misslungenen Klärungsversuch des Bosniers Amar Memic.Manzambi sorgt für den UnterschiedManzambi, dessen Stern in den letzten zwei Jahren im SC Freiburg so kometenhaft aufging, dass er bald als kostspieligster Transfer der Schweizer Fussballgeschichte in die Annalen eingehen dürfte, brachte die Unbeschwertheit ins Schweizer Spiel zurück. Sein Treffer war der Dosenöffner, der eine unterhaltsame, turbulente Schlussphase einläutete: Tarik Muharemovic wurde in der 80. Minute wegen eines Notbremsefouls am von Manzambi lancierten Breel Embolo vom Platz gestellt. Vier Minuten später traf der ebenfalls eingewechselte Vargas zum 2:0. In der 90. Minute erhöhte der bei Servette ausgebildete Manzambi auf 3:0, ehe Mamic in der Nachspielzeit Gregor Kobel überwand. Den Schlusspunkt setzte Granit Xhaka per Penalty zum 4:1.Manzambis Vertrag in Freiburg läuft noch bis 2030, er ist erst vor Jahresfrist verlängert worden. Aber schon jetzt wird sein Marktwert auf gegen 50 Millionen Euro beziffert. Auftritte wie jener vom Donnerstag werden den Preis weiter in die Höhe treiben.Allzu viel müssen sich die Schweizer auf diese drei Punkte nicht einbilden. Es war eine zähe Angelegenheit gegen einen schwachen Widersacher. Aber der Pflichtsieg hat die Perspektiven schlagartig signifikant aufgehellt. Das Weiterkommen ist praktisch sichergestellt und am Mittwoch wird die Schweiz gegen Kanada in Vancouver um Platz 1 in der Gruppe B spielen.Los Angeles mag das Mausoleum des Leichtlebens sein, man möchte Brecht nicht widersprechen. Aber für die Schweizer Fussballer war der kalifornische Schmelztiegel am Donnerstag vor allem: Eben doch eine Traumfabrik, die es ihnen erlaubte, den argen Dämpfer gegen Katar im Rückspiegel zu lassen.Passend zum Artikel
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