Mit fast unheimlicher Souveränität: Erstmals seit 1938 gewinnt die Schweiz an einer WM eine Partie in der K.o.-PhaseDer Sieg im WM-Sechzehntelfinal gerät nie ernsthaft in Gefahr. Beim 2:0 gegen Algerien sorgt abermals der Spektakelspieler Johan Manzambi für den Unterschied.03.07.2026, 06.58 Uhr4 LeseminutenDer mit dem Ball tanzt: Der elektrisierende Sturmlauf des Schweizer Offensivspieler Johan Manzambi.Nick Didlick / APWahrscheinlich hätte aus Johan Manzambi ein Leichtathlet von einem anderen Stern werden können. Olympiasieger über 3000 Meter Steeple, ungefähr diese Währung. Spätestens seit Freitagmorgen muss man das annehmen, denn im WM-Sechzehntelfinal gegen Algerien setzte der junge Genfer in der zehnten Minute im Stile eines ganz grossen Hindernisläufers zu einem Sprint an, tanzte alle Gegenspieler aus und passte von der Grundlinie zu Breel Embolo. Der hat in seinen zwölf Jahren als Profifussballer vermutlich selten weniger für ein Tor tun müssen als nun. Nach der famosen Vorarbeit Manzambis braucht der Stürmer nur noch den Fuss hinzuhalten – 1:0 für die Schweiz.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Matchtelegramm weist Embolo als Torschützen aus, keine Frage, aber Manzambis Anteil muss bei gegen 95 Prozent gelegen haben. Was Embolo nicht daran hinderte, ziemlich entrückt für die Kameras zu jubeln. Obwohl es eher angezeigt gewesen wäre, kurz in die Kabine zu rennen, und dem Vorlagengeber per Handy einen Früchtekorb aufs Hotelzimmer zu ordern.Vancouver bleibt ein gutes Pflaster für die SchweizDer frühe Treffer bedeutete zunächst einiges an Schminke für einen in den ersten zehn Minuten nervösen Schweizer Auftakt gegen zähe, körperlich robuste, unerschrockene Algerier. Die Nummer 29 der Fifa-Weltrangliste hat einige spektakuläre Fussballer in ihren Reihen. Ibrahim Maza von Bayer Leverkusen, der inzwischen 35 Jahre alte, langjährige Premier-League-Profi Riyad Mahrez, für den Manchester City 2018 fast 70 Millionen Euro Ablöse bezahlte. Aber einen Manzambi haben die Algerier aktuell eben nicht. Gegen sein Tempo fand der Aussenseiter kein Mittel. Und keiner der hochkarätigen Offensivspieler vermochte vor dem Tor von Gregor Kobel für vergleichbare Überraschungsmomente zu sorgen wie Manzambi auf der Gegenseite.Manzambi, 20, avancierte in der dritten Partie in Serie zum Matchwinner. Schon gegen Bosnien (zwei Tore beim 4:1-Sieg) und Kanada (1 Tore und 1 Assist beim 2:1-Erfolg) hatte er den Unterschied ausgemacht. So gross der Enthusiasmus in der Schweiz um die Entdeckung des Juwels Manzambi auch ist: Jener von Oliver Leki dürfte unerreicht sein. Der Finanzvorstand des SC Freiburg darf sich auf einen Reibach einstellen, wie ihn der Finalist der Europa League noch nie erlebt hat.Die bisherigen Rekordverkäufe von Kevin Schade (2023 nach Brentford) und Merlin Röhl (2026 zu Everton) brachten je 25 Millionen Euro ein. Es wäre keine Überraschung mehr, würde Manzambi mehr als das Doppelte einbringen. Sein Marktwert scheint mit jedem WM-Auftritt zu steigen. Und das, nachdem er in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Katar und Bosnien-Herzegowina je fast 70 Minuten auf der Bank gesessen hatte. Auch sein Schweizer Ausbildungsverein Servette wird profitieren.Unmittelbar nach der Pause erhöhte Dan Ndoye auf 2:0. Es war die Vorentscheidung, nach einer wackligen Startphase siegte die Schweiz so ungefährdet, wie man das von dieser Mannschaft nicht hat erwarten dürfen. Mit der komfortablen Führung im Rücken agierte das Ensemble um den Captain Granit Xhaka im Quadrat souveräner als zuletzt gegen Kanada, als es sich im finalen Gruppenspiel in der Schlussphase vom Gegner einschnüren liess.Algerien blieb in seiner Quersumme vieles schuldig. Der frühere Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic fand gegen das solide, vor Selbstvertrauen strotzende Schweizer Team kein Rezept. Petkovic, 62, kann sich damit trösten, dass sein Vertrag schon vor dem Turnier vorzeitig bis 2028 verlängert worden ist.Erstaunlich früh stand so in Vancouver der erste Schweizer Sieg in einer WM-K.o.-Runde seit 1938 fest. Damals gelang im Pariser Prinzenpark im Wiederholungsspiel des Achtelfinals gegen Deutschland unter dem Trainer Karl Rappan nach einem 0:2-Rückstand ein 4:2-Sieg.Der nächste Gegner heisst Ghana oder KolumbienDer Lohn ist am Dienstag (22 Uhr MESZ) ein Rendez-vous im Achtelfinal mit dem Sieger der Partie Ghana gegen Kolumbien. Zum dritten Mal in Serie wird für die Schweizer der BC Place in Vancouver der Schauplatz sein. Was einen nicht zu unterschätzenden Vorteil bedeuten kann: Die Schweiz hat ohnehin schon einen Tag mehr Pause als ihr nächster Gegner. Und hat sich bereits in der kanadischen Westküstenmetropole installiert, während der Widersacher sich erst aus Kansas City in ein neues Land verschieben muss. Dreieinhalb Flugstunden bedeuten nicht die Welt, aber beim Showdown der verbliebenen, besten 16 Teams kann jedes Detail von Bedeutung sein.Unabhängig davon hat der dominante Auftritt vom Freitag gegen einen starken Gegner die Hoffnung auf einen rauschhaften Schweizer Fussballsommer genährt. Einen Viertelfinal hat die Schweiz seit der letzten Heim-WM von 1954 nie mehr erreicht.Passend zum Artikel