Neun Millionen Sofa-Nationaltrainer irren nicht: Das Juwel Johan Manzambi schiesst die Schweiz an der Fussball-WM zum GruppensiegDie Schweiz besiegt Kanada in Vancouver 2:1 und schliesst die Gruppe B auf Rang 1 ab. Wieder macht Johan Manzambi den Unterschied aus. Der Lohn: längere Erholung und weniger Reisestress.24.06.2026, 23.16 Uhr4 LeseminutenAktualisiertSchon wieder Matchwinner: Der Genfer Johan Manzambi.Albert Gea / ReutersIn den Rufen von gegen neun Millionen Schweizer Sofa-Nationaltrainern lag so viel Nachdruck, dass der tatsächliche Nationalcoach Murat Yakin sie im Luxushotel in Vancouver nicht überhören konnte. Er beorderte den Jungstar Johan Manzambi erstmals an dieser WM in die Startaufstellung. Manzambi, 20, hatte beim 4:1-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina zwei Mal getroffen und sich als offensiver Alleinunterhalter in Szene gesetzt. «Er hat es verdient, von Anfang an zu spielen», sagte Yakin, der sich generell wechselfreudig gab und sein Team auf vier Positionen veränderte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Manzambi stellte sich am Mittwoch in Vancouver nicht die müde gespielte Defensive eines krassen Aussenseiters entgegen. Sondern ein passabel organisiertes Kanada. Entsprechend dauerte es länger, bis das Juwel Manzambi in der Mittagssonne von British Columbia zu funkeln begann. Aber wenige Sekunden nach der Pause war es Manzambi, der mit einer Hereingabe auf Ruben Vargas das 1:0 vorbereitete. In der 57. Minute stellte er selber auf 2:0, und es muss ihn nicht weiter beschäftigen, dass es unter dieser Sonne schon auch Torhüter gibt, die diesen Abschluss pariert hätten.Auch die nächste Partie bestreitet die Schweiz in VancouverManzambi führte die Schweiz zu einem neuerlichen Sieg, dessen Wichtigkeit nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: Sein Team brauchte drei Punkte, um die Gruppe B für sich zu entscheiden. Rang 1 in dieser bescheidenen Viererstaffel mit Bosnien, Katar und Kanada bedeutet in erster Linie: mehr Erholung. Und potenziell auch eine weniger knifflige Aufgabe im Sechzehntelfinal.Diesen muss die Schweiz nun erst in der Nacht auf Freitag, 3. Juli um 5 Uhr morgens Schweizer Zeit bestreiten. Wieder in Vancouver. Der Gegner steht noch nicht fest, es wird ein Drittplatzierter aus den Gruppen E/F/G/I oder J sein. Die Zeit bis dahin werden die Schweizer in ihrem Basislager in San Diego überbrücken.Newsletter «Sport – WM-Spezial»Das Wichtigste von der Fussball-WM auf einen Blick: Unser Spezial-Newsletter liefert Ihnen Eindrücke aus Nordamerika sowie Einordnungen und Hintergründe zu den entscheidenden Entwicklungen.Jetzt kostenlos abonnierenDie Schweizer haben sich den Gruppensieg nach dem desillusionierenden 1:1 gegen Katar zum Turnierauftakt verdient. Sie waren gegen Bosnien drückend überlegen und auch gegen Kanada lange das aktivere, technisch sauberer agierende, schlicht bessere Kollektiv. Auch wenn nach dem kanadischen Anschlusstreffer in der 76. Minute durchaus noch Nervosität aufkam.Doch insgesamt agierten Manzambi und seine Teamkollegen in Vancouver als kühle Stimmungskiller. Vor ihnen hatte sich ein rotes Meer aufgetürmt: Die fast 52 000 Zuschauer waren zumeist in rot gehüllt. Obwohl Kanada in seiner weissen Auswärtskluft antreten musste – technisch gesehen war die Schweiz das Heimteam, 8300 Kilometer Luftlinie von zu Hause entfernt.Die Partie fand im «BC Place» statt, im Sportdistrikt der Millionenmetropole. Einen Steinwurf von der Fussballarena entfernt liegt die Rogers Arena, die Heimstätte des Eishockey-Teams Vancouver Canucks. 56 Jahre spielt diese Organisation schon in der NHL. Gewonnen hat sie: nichts. 2011 fehlte wenig, aber die Canucks verloren die Belle zu Hause gegen die Boston Bruins, die von Claude Julien gecoacht wurden. Einem Kanadier, der sich nun den ZSC Lions anschliesst. Nicht alle in der Stadt konnten mit der Enttäuschung gleich gut umgehen: Marodierende Horden zogen randalierend durch die Strassen, mehr als 100 Leute wurden verletzt, es entstand ein Sachschaden von knapp vier Millionen Dollar.Die Sportseele Vancouvers ist nicht der anhaltenden Erfolglosigkeit der Canucks wegen geschunden: Das NBA-Team Grizzlies wurde 2001 nach Memphis verkauft. Auch die Whitecaps, das lokale Fussballteam, könnte demnächst in die USA verkauft werden. Es hat in Vancouver in den letzten Monaten Demonstrationen gegen das Ansinnen gegeben.Der letzte kanadische Stanley-Cup-Sieg liegt 33 Jahre zurückAber es leidet nicht nur Vancouver. Sondern eigentlich ganz Kanada. Den knapp 40 Millionen Einwohnern bietet sich selten Anlass, um zu jubeln. In den grossen nordamerikanischen Profiligen hat im 21. Jahrhundert ein einziges Mal ein kanadisches Team triumphiert: 2017 die Basketballer der Toronto Raptors in der NBA. Im Nationalsport Eishockey datiert die letzte Meisterschaft von 1993. Zuletzt erlitt selbst das erfolgsverwöhnte Nationalteam schmerzhafte Rückschläge: Es verlor den Olympiafinal in Mailand gegen den Erzrivalen USA. Und an der WM in der Schweiz das Bronzespiel gegen den Eishockey-Zwerg Norwegen auf schmählichste Art und Weise.Da kommt die Ablenkung durch den Fussball gerade recht. Kanada hat grosse Fortschritte erzielt, mit Alphonso Davies (25, Bayern München) und Jonathan David (26, Juventus Turin) internationale Stars hervorgebracht und belegt in der Weltrangliste inzwischen Rang 28, immerhin. Nie zuvor hatten es die Kanadier geschafft, an einer WM die Gruppenphase zu überstehen. Nun hat das Team zumindest diese Hürde übersprungen, was die Lokalbevölkerung gnädig genug stimmen sollte, um nicht wieder die eigene Stadt zu demolieren.Der Pfad, um am Heimturnier noch lange dabei zu sein, ist für die Kanadier allerdings deutlich anspruchsvoller geworden. Sie müssen bereits am Sonntag um das Weiterkommen spielen, beim ungeliebten Nachbarn USA, in Los Angeles. Gegner wird der Tabellenzweite der Gruppe A sein.Passend zum Artikel
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