Es gibt Farben, die definieren eine Epoche. Das Millennial Pink der 2010er Jahre – auf Wänden, Handyhüllen oder auch Instagram-Feeds – fand seinen flüssigen Ausdruck im Roséwein: blass, sommerlich, fotogen. Eine Farbe, die symbolisierte: Ich genieße das Leben, aber nicht ostentativ. Ich mache Urlaub in der Provence, wenn auch nur im Geiste. Die Farbe meines Macbooks vor zehn Jahren? Ein funkelndes Champagnerrosé! Und heute? Jede zehnte Flasche Wein, die weltweit geöffnet wird, enthält Roséwein. Klingt bescheiden? Nun, nur etwa jeder 100. konsumierte Wein ist alkoholfrei, aber fast jeder spricht darüber. Während der entalkoholisierte Wein seine Geschichte gerade erst schreibt, steht hinter jeder Flasche Rosé schon heute eine der erstaunlichsten Marktgeschichten der jüngeren Weinhistorie.Zwischen 2015 und 2020 wuchs das Absatzvolumen von stillem Roséwein in den USA um 118 Prozent, während der gesamte Stillweinmarkt nur um 1,5 Prozent zulegte. Eine Eruption, angetrieben von Social Media und einer Influencer-Ästhetik, die den Provence-Rosé zum Lifestyle-Objekt hochjazzte, sowie von einer Handvoll Marken, die begriffen hatten, dass Wein heute nicht mehr nur nach Geschmack, sondern nach Gefühl gekauft wird. Nicht mehr der Wein, sondern die Farbe war das Produkt. Und so ging Pink aber mal so richtig steil! Wurden im Jahr 2001 noch 17.500 Kisten Provence-Rosé in die USA importiert, war diese Menge 15 Jahre später um über 7100 Prozent gestiegen. „Whispering Angel“ von Château d’Esclans in der Provence, 2006 in den USA eingeführt, wurde zum Kultobjekt. Den aktuellen 2025er gibt es über hawesko.de für 20,95 Euro.Der Konsum an Roséwein steigtNach der Pandemie konsolidierte sich der Markt. Die Nachfrage riss nicht ab, nahm aber auch nicht mehr zu. Für den Zeitraum 2000 bis 2021 verzeichnen Daten der International Organisation of Vine and Wine (OIV) bei Roséwein weltweit ein globales Konsumwachstum von 17 Prozent, während Rotwein seit seinem Peak 2007 um 15 Prozent gefallen ist. Aktuell hält Roséwein einen Marktanteil von knapp zehn Prozent am globalen Weinkonsum, wächst aber deutlich dynamischer als der Gesamtmarkt. Drei von zehn Flaschen Rosé weltweit sind übrigens französischer Herkunft.