Pompös, aggressiv und bis ins letzte Detail inszeniert: Der Auftritt von Abelardo de la Espriella am Sonntagabend passte ins Drehbuch, das seinen Wahlkampf ausgemacht hat. An Bord eines Schiffs kam er nach seinem Überraschungserfolg in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien über den Magdalena-Fluss an die Uferpromenade der Karibikmetropole Barranquilla. Begleitet von Feuerwerk und Musik, hinter Panzerglas verschanzt und in das Trikot der kolumbianischen Fußball-Nationalmannschaft gekleidet, ließ sich der Anwalt von seinen Anhängern feiern – und zeigte sich siegesgewiss.„Der Tiger“, wie sich de la Espriella nennt, hat es in die Stichwahl um das Amt des Staatschefs geschafft. Mit mehr als 43 Prozent und über zehn Millionen Stimmen lag er laut vorläufigem Ergebnis vor Iván Cepeda, dem Kandidaten der linken Regierungskoalition Pacto Histórico. Der Philosoph, der eine Fortführung des ersten linken Regierungsprojekts in der Geschichte des Landes verspricht, kam am Sonntag nur auf knapp 41 Prozent. Insgesamt beträgt der Abstand zwischen ihm und de la Espriella fast 700.000 Stimmen.
Der Mann hinter dem „Tiger“
Die drei Wochen, die bis zur Stichwahl am 21. Juni bleiben, dürften angespannt und hitzig werden. Wie heftig sich die Kandidaten bis dahin attackieren werden, wurde noch am Wahlabend deutlich. In einem Hotel im Zentrum der Hauptstadt Bogotá bezeichnete Cepeda den Rechtskandidaten als „Anwalt von Drogenhändlern und Betrügern“, als Vertreter eines „mafiösen Faschismus“ und als „misogyn und homophob“. „Unter einer möglichen Regierung des Herrn de la Espriella würden alle sozialen Fortschritte und Errungenschaften zunichtegemacht“, warnte er. „Plutokratie und Korruption, das ist, wofür er steht.“










