Rechtsaussenkandidat gewinnt ersten Wahlgang in Kolumbien Abelardo de la Espriella schneidet bei der Präsidentschaftswahl überraschend deutlich vor dem Linkskandidaten Iván Cepeda ab. Die Wähler setzen auf eine harte Hand gegen Guerilla und Kriminalität.01.06.2026, 02.26 Uhr3 LeseminutenDer rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella erhielt im ersten Wahlgang für das Präsidentschaftsamt in Kolumbien überraschend eine Mehrheit der Stimmen.Fernando Vergara / APDie erste Runde der kolumbianischen Präsidentschaftswahl hat ein überraschendes Ergebnis gebracht. Der Rechtsaussenkandidat Abelardo de la Espriella lag nach Auszählung von knapp 99,5 Prozent bei 43,7 Prozent, der linke Senator Iván Cepeda auf knapp 41 Prozent, wie die Wahlbehörde mitteilte. Da keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erreichte, fällt die Entscheidung über das Präsidentenamt erst in der Stichwahl am 21. Juni.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In den Wahlumfragen hatte Cepeda bis zuletzt deutlich geführt. Er ist der Kandidat des amtierenden Präsident Gustavo Petro. Die zunehmende Gewalt bewaffneter Gruppen und die verschlechterte Sicherheitslage dürfte für sein schlechtes Abschneiden verantwortlich sein. De la Espriella profilierte sich im Wahlkampf mit dem Versprechen eines kompromisslosen Vorgehens gegen Guerillaorganisationen und die organisierte Kriminalität. Cepeda dagegen verteidigt die von Petro verfolgte Strategie des «totalen Friedens», die auf Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen setzt, die aber allgemein als gescheitert gilt.Als weitere Überraschung gilt das schwache Abschneiden der konservativen Kandidatin Paloma Valencia, die als politische Erbin des früheren Präsidenten Álvaro Uribe angetreten war. Mit nur rund 6,5 Prozent der Stimmen blieb sie deutlich hinter den beiden Spitzenkandidaten zurück. Beobachter werten das Ergebnis als Zeichen für den schwindenden Einfluss des traditionellen «Uribismus».Konservative sammeln sich hinter de la EspriellaPaloma Valencia kündigte unmittelbar nach ihrer Niederlage ihre Unterstützung für De la Espriella an. Damit schliesst sich ein Grossteil des konservativen Lagers hinter dem Rechtskandidaten zusammen.Der 47-jährige Strafverteidiger De la Espriella imitiert in Auftreten und Stil Präsident Nayib Bukele in El Salvador. Er präsentiert sich mit militärischem Gruss, sorgsam gestutztem Vollbart, Baseballkappe und Sonnenbrille wie sein Vorbild, der selbsternannte «coolste Diktator der Welt». Wie Bukele will er hart gegen die organisierte Kriminalität vorgehen. Er plant, ein Dutzend Gefängnisse im Amazonas zu bauen und Narco-Camps bombardieren zu lassen, auch wenn sie sich in Nachbarländern befinden.Nach dem überraschend starken Abschneiden von Abelardo de la Espriella dürfte Cepeda verstärkt um die Stimmen der politischen Mitte werben. Sein Ziel dürfte sein, die Wahl weniger als Sicherheitsdebatte und stärker als Entscheidung über Demokratie, soziale Gerechtigkeit und institutionelle Stabilität darzustellen.Cepeda hat eine breite AnhängerschaftDer 63-jährige Iván Cepeda gilt als einer der bekanntesten linken Politiker Kolumbiens. Der Menschenrechtsaktivist hat sich als Abgeordneter und Senator einen Ruf als entschiedener Gegner von Paramilitarismus, Korruption und politischer Gewalt erworben. Cepeda war einer der wichtigsten Antreiber des Verfahrens gegen Ex-Präsident Álvaro Uribe, der letztes Jahr zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde. Die Feindschaft zwischen den beiden Politikern prägt die kolumbianische Politik seit Jahren.Doch Cepedas Unterstützung reicht über die städtische Linke hinaus: Besonders in den armen Bevölkerungsschichten sowie in der Pazifikregion, wo viele Afro-Kolumbianer leben und der Staat traditionell schwach präsent ist, geniesst er grossen Rückhalt. Viele Wähler verbinden mit ihm die Hoffnung auf mehr soziale Gerechtigkeit, staatliche Investitionen und eine friedliche Lösung der jahrzehntelangen Konflikte.Die kommenden drei Wochen bis zur Stichwahl am 21. Juni dürften von einem stark polarisierten Wahlkampf geprägt sein. Bereits vor dem ersten Wahlgang wurde das politische Klima durch eine anschwellende Gewaltwelle belastet. Beobachter befürchten daher weitere Spannungen und eine Verschärfung der politischen Konfrontation. Im Zentrum der Auseinandersetzung werden voraussichtlich die Sicherheitslage, der Umgang mit bewaffneten Gruppen und die Zukunft von Präsident Gustavo Petros Friedenspolitik stehen.Passend zum Artikel
Rechtsruck in Kolumbien: Abelardo de la Espriella dominiert erste Wahlrunde
Abelardo de la Espriella schneidet bei der Präsidentschaftswahl überraschend deutlich vor dem Linkskandidaten Iván Cepeda ab. Die Wähler setzen auf eine harte Hand gegen Guerilla und Kriminalität.










