Kolumbien steht vor einem deutlichen Rechtsruck. Der politische Außenseiter Abelardo de la Espriella hat die Stichwahl um das Präsidentenamt nach vorläufigen Ergebnissen gewonnen. In einer knappen Wahl setzte sich De la Espriella mit weniger als einem Prozentpunkt Vorsprung gegen den linken Gegenkandidaten Iván Cepeda durch. Der Abstand betrug lediglich rund 250.000 Stimmen.De la Espriella feierte seinen Sieg in Barranquilla an der Karibikküste, wo Tausende Anhänger beim Monument „Ventana al Mundo“ zusammenkamen. Schon bevor der Vorsprung rechnerisch gesichert war, herrschte dort Siegesstimmung. Viele Unterstützer trugen Trikots der kolumbianischen Nationalmannschaft, Fahnen und Symbole seiner Kampagne.Politischer QuereinsteigerMit dem Sieg endet in Kolumbien die erste linke Präsidentschaft der Landesgeschichte. Amtsinhaber Gustavo Petro durfte nach vier Jahren nicht abermals antreten. Sein politischer Erbe Cepeda hatte versprochen, Petros Reformprojekt fortzusetzen. De la Espriella dagegen machte die Wahl zu einer Abrechnung mit der Linken. Er versprach ein hartes Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen im Land sowie drastische Haushaltskürzungen.Der 47 Jahre alte De la Espriella ist Anwalt, Unternehmer und Medienfigur. Ein öffentliches Amt hatte er bisher nie inne. Gerade daraus machte er im Wahlkampf sein zentrales Argument. Seine Anhänger nennen ihn „El Tigre“. Gegner werfen ihm populistische Rhetorik und autoritäre Tendenzen vor. Zudem steht seine frühere Tätigkeit als Strafverteidiger in der Kritik. Zu seinen Mandanten gehörten zahlreiche sehr umstrittene Figuren. De la Espriella weist politische Schlussfolgerungen daraus zurück.Inhaltlich steht er für eine Politik der harten Hand. Er will Friedensgespräche mit bewaffneten Gruppen beenden, das Militär stärken, Kokapflanzungen entschlossener bekämpfen und neue Großgefängnisse bauen. Wirtschaftlich verspricht er Steuersenkungen, weniger Bürokratie, eine Verkleinerung des Staates und mehr private Investitionen. Anders als Petro will er die Öl- und Gasförderung wieder ausweiten und auch Fracking zulassen.Bewaffnete Gruppen haben sich gestärktDie Wahl wurde vor allem von Sicherheitsfragen und der Unzufriedenheit mit Petros Regierung geprägt. In mehreren Regionen haben bewaffnete Gruppen in den vergangenen Jahren wieder an Einfluss gewonnen. Dissidenten früherer FARC-Einheiten, die ELN-Guerilla, kriminelle Banden und Drogenorganisationen kämpfen um Routen, Kokaanbaugebiete, illegale Minen und Grenzregionen. Petros Versuch, mit mehreren Gruppen gleichzeitig zu verhandeln, brachte kaum sichtbare Erfolge. De la Espriella machte daraus seine zentrale Botschaft. Mit Kriminellen werde es keine Verhandlungen geben, sagte er wiederholt und kündigte an, die von bewaffneten Gruppen kontrollierten Gebiete innerhalb von 90 Tagen zurückzuerobern.Außenpolitisch dürfte Kolumbien unter De la Espriella wieder deutlich näher an die Vereinigten Staaten rücken. Das Verhältnis zwischen Petro und Donald Trump war angespannt. De la Espriella dagegen suchte offen die Nähe zur amerikanischen Rechten. Trump unterstützte ihn im Wahlkampf ausdrücklich. Kurz vor der Stichwahl sorgte zudem der Fall des in den USA lebenden Aktivisten Beto Coral für Aufsehen. Coral, ein Kritiker De la Espriellas, wurde von US-Behörden festgenommen, nachdem Außenminister Marco Rubio eine entsprechende Anordnung unterzeichnet hatte.Wahlempfehlung von TrumpFür Trump könnte Kolumbien damit wieder zu einem zentralen Partner in Lateinamerika werden, vor allem bei der Drogenbekämpfung, in der regionalen Sicherheitspolitik und auch in der Venezuela-Frage. Unklar bleibt, wie De la Espriella seine weitreichenden Versprechen innenpolitisch durchsetzen will. Im Kongress dürfte er auf Widerstand stoßen. Zudem wird sich zeigen müssen, ob eine Politik der harten Hand in jenen Regionen wirkt, in denen bewaffnete Gruppen längst wirtschaftliche und territoriale Macht ausüben. Die Wahl zeigt, wie gespalten Kolumbien ist.De la Espriella soll sein Amt am 7. August antreten. Sein Vizepräsident wird José Manuel Restrepo sein, der unter der Regierung des konservativen Präsidenten Iván Duque Finanzminister war und als mäßigende Kraft an der Seite von De la Espriella gilt.