PfadnavigationHomePolitikAuslandPräsidentschaftswahlDieser rechtslibertäre Hardliner will in Kolumbien aufräumenStand: 05:34 UhrLesedauer: 4 MinutenDer rechtslibertäre Kandidat Abelardo de la Espriella wirbt für einen harten Kurs gegen Gewalt und DrogenkriminalitätQuelle: REUTERS/Sergio AceroMit einem überraschenden Wahlerfolg sorgt Abelardo de la Espriella für politische Turbulenzen. Der rechtslibertäre Kandidat verspricht einen radikalen Kurswechsel und profitiert von der Unzufriedenheit mit der linken Regierung.Sichtlich geschockt tritt Ivan Cepeda (40,9 Prozent) am Abend vor seine Anhänger. In den blassen Gesichtern des linkspopulistischen „Pacto Histórico“ ist die Enttäuschung abzulesen. Die Umfragen hatten Cepeda vorne gesehen. Nun müsste er demokratischen Gepflogenheiten zufolge eigentlich den Sieg des rechtslibertären Wahlsiegers Abelardo de la Espriella (43,7 Prozent) im ersten Wahlgang anerkennen. Doch Cepeda denkt gar nicht daran und zweifelt wie sein Mentor und Noch-Amtsinhaber Gustavo Petro in bester Trump-Manier das Ergebnis öffentlich an.„Es gibt eine Diskrepanz im Wählerverzeichnis, die wir überprüfen wollen. Und das ist nicht irgendeine Diskrepanz. Wir sprechen hier von 885.000 Personen oder Wählerausweisen“, sagte Cepeda.Noch am Abend verurteilten Politiker verschiedener Lager die Angriffe auf die Wahlinstitutionen. Petros ehemaliger Außenminister Álvaro Leyva hatte in einem offenen Brief genau vor diesem Szenario gewarnt. Weil Petro die drohende Wahlniederlage nicht eingestehen wolle, verbreite er das Narrativ eines Wahlbetrugs.Lesen Sie auchCepeda nennt De la Espriella einen „rechtsextremen Faschisten“ und seinen „Pacto Histórico“ die „einzig wahre demokratische Kraft Kolumbiens“. Hatte Cepeda bislang versucht, als besonnener Mitte-links-Politiker aufzutreten, verlor der ehemalige Kommunist nun die Fassung.Nach der Ermordung des potenziellen rechtskonservativen Präsidentschaftskandidaten Miguel Uribe vor einem Jahr sind Cepedas verbale Attacken im für Politiker gefährlichsten Land der Welt besonders brisant. Vor wenigen Wochen wurden zudem zwei enge Unterstützer De la Espriellas erschossen. Deshalb tritt der Präsidentschaftskandidat inzwischen nur noch hinter dickem Panzerglas auf.Der harte Kurs des „Tigers“Der Gewinner des Abends heißt jedoch eindeutig Abelardo de la Espriella (47). Im Trikot der kolumbianischen Fußball-Nationalmannschaft veröffentlicht er im Beisein seiner Frau und seiner vier Kinder ein Video, in dem er einen Machtwechsel nach der Stichwahl am 21. Juni ankündigt. Seine jüngste Tochter trägt dabei eine Tigermaske, das Symbol seines Wahlkampfs.Da zudem die traditionelle konservative Kandidatin Paloma Valencia auf knapp sieben Prozent kam und De la Espriella noch am Wahlabend ihre Unterstützung zusagte, geht nun nicht mehr die regierende kolumbianische Linke, sondern der Outsider als leichter Favorit in die entscheidende Runde der Wahl.Allerdings nutzte der Wahlsieger seinem linken Kontrahenten nicht die Steilvorlage für einen staatsmännischen Auftritt, sondern heizte seinerseits die Polarisierung weiter an. „Es gibt keine Nuancen mehr, liebe Kolumbianer. Es gibt keinen Raum mehr für Unterschiede. Dies ist der finale Kampf um das Vaterland“, rief De la Espriella. „Ab heute ist Neutralität gleichbedeutend mit Komplizenschaft.“ Die Stichwahl sei die entscheidende Auseinandersetzung für die Zukunft des Landes. An seine Konkurrenten gerichtet sagte der Wahlsieger des ersten Wahlgangs: „Sie, Herr Petro und Herr Cepeda, sind ein paar Banditen, die wir aus dem Weg räumen werden.“De la Espriella steht für einen knallharten Law-and-Order-Kurs, will mehrere Mega-Gefängnisse bauen und den „Wokeismus“ in Kolumbien beenden. Er setzt auf eine Mischung aus dem marktliberalen Kurs des argentinischen Präsidenten Javier Milei und der Sicherheitspolitik des salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele, der in seinem Land Zehntausende mutmaßliche Bandenmitglieder verhaften ließ.Cepeda warnt vor einer Rückkehr zu Drogenhandel, Faschismus, Mafia und Umweltzerstörung. Allerdings ist es die aktuelle Linksregierung, die die höchste Amazonas-Abholzung und Kokainproduktion seit Jahren zu verantworten hat. Das dürfte ein Grund für den kometenhaften Aufstieg De la Espriellas sein. Unter der Petro-Regierung erstarken linksextreme Guerillagruppen und rechtsextreme Paramilitärs wieder wie zu den schlimmsten Zeiten des Bürgerkriegs. Darunter leidet vor allem die Zivilbevölkerung in den ländlichen Drogenanbaugebieten.Vom Star-Anwalt zum PräsidentschaftsfavoritenDe la Espriellas Bekanntheit beruht unter anderem darauf, dass er als Anwalt prominente Mandanten vertrat und damit glänzende Geschäfte machte. Dazu zählen der als Strohmann des venezolanischen Ex-Machthabers Nicolás Maduro geltende Geschäftsmann Alex Saab, der zwischenzeitlich in den USA inhaftiert war, sowie das kolumbianische Topmodel Natalia Paris. Er will Kolumbien gegen einen „Neo-Kommunismus“ verteidigen, der aus seiner Sicht auf Enteignung und eine verfassungsgebende Versammlung nach venezolanischem Vorbild setzt. De la Espriella gilt als Anhänger der Republikaner um Donald Trump. Sollte er tatsächlich gewinnen, dürfte Kolumbien den von Petro eingeschlagenen antiamerikanischen und antiwestlichen Kurs korrigieren und wieder enger an Washington und die NATO heranrücken. Zudem könnte eine Beteiligung an Trumps neuem Verteidigungsmodell „Atlantischer Schild“ folgen. Mit diesem soll die international organisierte Drogenkriminalität auf dem amerikanischen Kontinent bekämpft werden.Seine Bewegung nennt er „Verteidiger des Vaterlandes“. Die Wahlkampagne ist geprägt von militärischen Salutgesten auf Fotos und bei Veranstaltungen. Unterstützt wird er von christlichen Influencerinnen wie Carola Borda und Sara Castellanos. Sie stehen beispielhaft für eine Strömung konservativer Christen, die sich von einer aus ihrer Sicht nach links gerückten katholischen Kirche in Lateinamerika abwendet.