PfadnavigationHomePolitikAuslandKolumbiens neuer PräsidentRechts, libertär und eine harte HandStand: 05:50 UhrLesedauer: 4 MinutenVon schusssicherem Glas geschützt, zeigt sich Abelardo de la Espriella nach dem Wahlsieg seinen UnterstützernQuelle: JUAN BARRETO/AFPDer prowestliche Kandidat Abelardo de la Espriella hat die Stichwahl in Kolumbien knapp gewonnen. Die Linke kündigt Widerstand an. Auf das zutiefst polarisierte Land könnten unsichere Zeiten zukommen – mit Auswirkungen auf die Region und den ganzen Westen.Im Minutentakt trafen die Glückwünsche aus aller Welt ein. „Cool“ schrieb Tech-Billionär Elon Musk in den sozialen Netzwerken. US-Präsident Donald Trump sprach von einem „großen Sieg“. Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei kommentierte mit Blick auf die Spitznamen der beiden Politiker: „Der Löwe und der Tiger brüllen in Lateinamerika.“ Nun sei die Freiheit in der Region nicht mehr aufzuhalten. Durch den knappen Wahlsieg des Rechtslibertären Abelardo de la Espriella und den mutmaßlichen Erfolg von Keiko Fujimori, die bei der Auszählung zur Stichwahl in Peru knapp vorne liegt, wird nun die gesamte Andenregion von Argentinien, Bolivien, Chile, Kolumbien über Ecuador bis nach Peru von demokratisch gewählten rechtsgerichteten Regierungen dominiert. Nur der entscheidende Glückwunsch fehlte: Gut eine Stunde zuvor war Ivan Cepeda vor seine Anhänger getreten. Der unterlegene Sozialist vermied es demonstrativ, wie es demokratische Gepflogenheit ist, seinem Rivalen öffentlich zu gratulieren. Er räumte zwar ein, das Ergebnis der „Schnell-Auszählung“ anerkennen zu wollen, will aber Teile der Wählerstimmen überprüfen lassen. Auf De la Espriella entfielen 49,7 Prozent der Stimmen, Cepeda holte 48,7 Prozent. Die Differenz beträgt etwa 250.000 Stimmen. Stimmenthaltungen lagen bei 1,6 Prozent. Die Wahlbeobachtungskommission MOE stellte keine Unregelmäßigkeiten fest.Lesen Sie auchDe la Espriella löst damit den linkspopulistischen Präsidenten Gustavo Petro ab, der wegen einer in der Verfassung verankerten Amtszeitbegrenzung nicht erneut antreten durfte. In Petros Präsidentschaft ist die Amazonas-Abholzung auf einen Rekordwert gestiegen, ebenso wie die Zahl der ermordeten Umweltschützer. Lesen Sie auchDie Kokain-Produktion stieg auf einen Rekordwert, was wiederum zu Rekordfunden an den europäischen Häfen führte. Petros Friedensprozess gilt als gescheitert, weil die bewaffneten links- und rechtsextremen Gruppen die Tatenlosigkeit des Staates während der Friedensgespräche zum Ausbau ihrer territorialen Macht nutzten. De la Espriella kündigte an, gegen die „Wurzel der Gewalt“ in Kolumbien vorzugehen und den Koka-Anbau massiv zu bekämpfen. Er setzt auf eine starke Marktwirtschaft und präsentiert sich als überzeugter Christ.Lesen Sie auchAuch der linkspopulistische Noch-Amtsinhaber Petro erkannte am Abend das von der Wahlbehörde veröffentlichte Ergebnis der Schnellauszählung nicht an. „Ich rufe alle demokratischen Anwältinnen und Anwälte dazu auf, bei den Auszählungen in ganz Kolumbien dabei zu sein“, schrieb Petro auf „X“. „Wir müssen diesen neuen Kampf für Demokratie und Freiheit führen. Sie beeilen sich heute, sich als Sieger zu erklären, weil sie die Auszählung fürchten“, schrieb Petro und appellierte an das linke Lager: „Wir müssen nur Widerstand leisten und uns mit Freude und Weisheit noch besser organisieren.“Tödliche Attentate überschatteten WahlkampfBei seinem ersten öffentlichen Auftritt in seiner Heimatstadt Barranquilla fuhr Abelardo de la Espriella erst in einer Art schusssicherem, durchsichtigen „Papamobil“ durch die Anhängerschaft. Das war nötig, nachdem im vergangenen Jahr der konservative Präsidentschaftskandidat Miguel Uribe bei einem öffentlichen Auftritt erschossen wurde. „Ich widme diesen Sieg Miguel Uribe“, sagte De la Espriella am Abend. Auch im Wahlkampf gab es ein tödliches Attentat auf Mitarbeiter Espriellas. Vor dem Wahrzeichen der Stadt trat der „Tiger“ am Abend auf die Bühne. Das riesige Bauwerk in der Hafenstadt gilt als „Fenster zur Welt“. Aus Barranquilla stammen unter anderem die Weltstars Shakira und Sofía Vergara – und nun Kolumbiens künftiger Präsident.Nach einem Wahlkampf, während dem auch für kolumbianische Verhältnisse knüppelharten verbale Angriffe gegeneinander geführt wurden, versuchte der künftige Präsident, auf jene rund zwölf Millionen Wähler zuzugehen, die ihn nicht gewählt hatten. Es gäbe keine Feinde, sondern Landsleute, die anders denken als man selbst, sagte De la Espriella. An die Opposition gerichtet, sagte er: „Ihre Rechte werden respektiert, ihre Meinungen gehört.“ Er werde sich an Ergebnissen messen lassen, nicht an Reden.Doch bislang fehlt die öffentliche Gratulation seines Rivalen Ivan Cepeda. Der öffnete damit die Türe zum Narrativ eines möglichen Wahlbetruges. Eine Strategie, die nach ähnlich knappen Niederlagen in der Vergangenheit die Rechtspopulisten Jair Bolsonaro (Brasilien) oder US-Präsident Donald Trump angewandt hatten. Inzwischen haben Teile der lateinamerikanischen Linke diese Taktik übernommen. In Bolivien blockieren linksextreme Gruppen seit Wochen Straßen und schneiden ganze Städte von der Lebensmittelversorgung ab. Sie fordern, dass der vor wenigen Monaten demokratisch gewählte konservative Präsident Rodrigo Paz zurücktritt.Wahlverlierer kündigt Widerstand bei strukturellen Reformen anAls Cepeda spricht, hallen Rufe „Widerstand, Widerstand“ durch das Areal. Cepeda kündigt an, dass gegen sein linkes Lager keine strukturellen Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik möglich sein werden. Einige Kommentatoren im kolumbianischen Fernsehen bewerteten das als eine offene Drohung. Ob es so weit kommt, bleibt abzuwarten. Nach dem ersten Durchgang brauchte Cepeda ebenfalls eine Woche, um festzustellen, dass es keine Unregelmäßigkeiten beim Urnengang gab. Diesmal war es allerdings knapper als in den Umfragen vorhergesagt. Cepeda kann für sich in Anspruch nehmen, für nahezu eine Hälfte der Bevölkerung zu sprechen. Gegen ihn wird auch ein „Tiger“ nicht einfach so durchregieren können. Ob ihn Noch-Präsident Petro allerdings als künftigen Oppositionsführer akzeptiert, wird die Zukunft zeigen.Tobias Käufer ist Lateinamerika-Korrespondent. Im Auftrag von WELT berichtet er seit 2009 über die Entwicklungen in der Region.
Kolumbiens neuer Präsident: Rechts, libertär und eine harte Hand - WELT
Der prowestliche Kandidat Abelardo de la Espriella hat die Stichwahl in Kolumbien knapp gewonnen. Die Linke kündigt Widerstand an. Auf das zutiefst polarisierte Land könnten unsichere Zeiten zukommen – mit Auswirkungen auf die Region und den ganzen Westen.













