PfadnavigationHomeNewstickerDPAInfolinePolitik (Ausland)Rechter Anwalt steht vor Sieg bei Kolumbien-WahlStand: 03:38 UhrLesedauer: 3 MinutenAbelardo de la Espriella steht vor einem Sieg bei der Präsidentenwahl.Quelle: Ivan Valencia/AP/dpaKolumbien steht vor einem politischen Kurswechsel: Der von Trump unterstützte Kandidat de la Espriella liegt uneinholbar vorn. Das Regierungslager will das vorläufige Ergebnis aber prüfen lassen.Der von US-Präsident Donald Trump unterstützte rechtsgerichtete Anwalt Abelardo de la Espriella steht bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien vor einem denkbar knappen Sieg. Nach Auszählung von 99,9 Prozent der Stimmen kam er in der Stichwahl nach vorläufigen Angaben der Wahlbehörde auf rund 49,6 Prozent der Stimmen, sein linker Rivale Iván Cepeda auf 48,7 Prozent. Zwischen beiden Kandidaten lagen damit nur rund 250.000 Stimmen.Während de la Espriella schon von seiner «großen Verantwortung» in der kommanden Amtszeit sprach, verwies Cepeda wegen des engen Rennens auf die noch ausstehende amtliche Überprüfung aller Wahlprotokolle und erklärte, das endgültige Ergebnis erst nach Abschluss dieses Verfahrens anzuerkennen. Nach Angaben seines Wahlkampfteams werden Ergebnisse aus rund 33.000 Wahlurnen angefochten.Auch der scheidende Präsident Gustavo Petro, der demselben Linksbündnis wie Cepeda angehört und wegen der gesetzlichen Begrenzung der Amtszeiten nicht nochmal antreten durfte, warnte angesichts des knappen Ergebnisses davor, bereits einen Sieger auszurufen. Die vorläufigen Ergebnisse gelten in Kolumbien, dem mit rund 53 Millionen Einwohnern zweitgrößten Land Südamerikas, allerdings als sehr verlässlich und weichen meist nur geringfügig vom amtlichen Endergebnis ab.Trump unterstützt den «Tiger»Im Wahlkampf erhielt «El Tigre» (Der Tiger) - wie de la Espriella sich öffentlichkeitswirksam nennt - Unterstützung von US-Präsident Trump. Dessen Außenminister Marco Rubio gratulierte ihm schon nach Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse. De la Espriella hatte angekündigt, die zuletzt abgekühlten Beziehungen zu Washington auszubauen und im Kampf gegen den Drogenhandel enger zusammenzuarbeiten.Kolumbien war lange Zeit der wichtigste Partner der USA in Südamerika, wurde im vergangenen Jahr aber von der Trump-Regierung als Land eingestuft, das seine internationalen Verpflichtungen im Kampf gegen illegale Drogen nicht erfülle. Gegen Petro verhängten die USA Sanktionen - mit der Begründung, dass er nicht entschlossen genug gegen den Drogenhandel vorgehe.Sicherheitslage prägt die WahlDie Sicherheitslage entwickelte sich zu einem der bestimmenden Themen der Wahl in dem Land, das jahrzehntelang unter einem Bürgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten Paramilitärs und dem Militär litt. Kritiker warfen Petro - dem ersten linken Präsidenten Kolumbiens - vor, trotz Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen wie der Guerillaorganisation ELN keine entscheidende Verbesserung erreicht zu haben. Der Wahlkampf wurde von einer Welle der Gewalt überschattet. In mehreren Regionen des Landes kam es zu Anschlägen und Gefechten zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Gruppen.De la Espriella stellte die Sicherheitsfrage ins Zentrum seiner Kampagne. Er kandidierte für die konservative Bewegung Movimiento Defensores de la Patria (Verteidiger des Vaterlandes) und versprach ein härteres Vorgehen gegen Guerillas, Drogenbanden und andere Kriminelle.Cepeda vom linken Bündnis Pacto Histórico stand dagegen für eine Fortsetzung des Kurses von Petro. Anhänger des Regierungslagers verwiesen auf Fortschritte wie mehr finanzielle Unterstützung für sozial Schwächere und eine gesunkene Armut während Petros Amtszeit.Die Wahl verlief nach Angaben der Behörden weitgehend geordnet. Das Verteidigungsministerium hatte landesweit mehr als 408.000 Angehörige von Streitkräften und Polizei eingesetzt. Rund 41 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren zur Stimmabgabe aufgerufen.dpa-infocom GmbH