Er verehrt Trump und Milei: Der rechte Hardliner de la Espriella hat gute Chancen, Präsident Kolumbiens zu werdenAls Anwalt verteidigte er üble Gangster, nun liegt er mit einem harten Law-and-Order-Programm in Front: Abelardo de la Espriella kopiert erfolgreich die Rezepte seiner Vorbilder in den USA, Argentinien und El Salvador.02.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenWird er der nächste Präsident Kolumbiens? Abelardo de La Espriella gibt sich nach dem ersten Wahlgang am Sonntag siegessicher.Ivan Valencia / APAls Kind band Abelardo de la Espriella Katzen Feuerwerkskörper an den Schwanz und liess diese explodieren, wie er vor einigen Jahren freimütig in einem TV-Interview erzählt hat. «Es war schrecklich, aber ich habe mich amüsiert.» So entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass sich de la Espriella nun «el tigre» (der Tiger) nennt – und dass er gute Chancen hat, bald der neue Präsident von Kolumbien zu werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im ersten Wahlgang vom Sonntag erreichte der Rechtsaussenpolitiker 43,7 Prozent der Stimmen und distanzierte damit überraschend den Kandidaten der Linken, Iván Cepeda, der nur auf knapp 41 Prozent kam. Die beiden werden in der Stichwahl am 21. Juni gegeneinander antreten, und de la Espriella gilt dabei als Favorit. Dies auch, weil sich die gemässigte konservative Kandidatin Paloma Valencia, die mit 7 Prozent miserabel abschnitt, umgehend hinter den «Tiger» stellte.«Unser Land hat die Wahl zwischen Freiheit und Tyrannei, zwischen Ordnung und Chaos», sagte de la Espriella in einem Interview und spielte sich damit als Retter der Nation auf, während mit Cepeda das Verderben drohe. Sollte er das Rennen machen, bekämen die Kolumbianer einen ebenso schillernden wie umstrittenen neuen Präsidenten.Nähe zu rechtsextremen ParamilitärsGeboren wurde de la Espriella 1978 in der Hauptstadt Bogotá, aufgewachsen ist er grösstenteils in der Stadt Montería nahe am Karibischen Meer. Seine Eltern gehörten zur kolumbianischen Oberschicht: Die Mutter kommt aus einer einflussreichen Familie von Rinderzüchtern. Sein Vater war Anwalt und Richter und gilt als enger Freund von Álvaro Uribe, dem früheren rechtskonservativen Präsidenten von Kolumbien.Die Region um Montería ist eine der Hochburgen rechtsextremer paramilitärischer Gruppierungen wie der Autodefensas Unidas de Colombia (AUC). Diese kämpfte mit brutalen Mitteln gegen ebenso brutale linksextreme Guerilla-Organisationen wie die Farc und war auch in den Drogenhandel involviert. De la Espriella hatte schon früh enge Kontakte zu diesen antikommunistischen Milizen.Beruflich trat er in die Fussstapfen seines Vaters und gründete nach einem Jurastudium mit nur 24 Jahren eine eigene Kanzlei, die rasch sehr erfolgreich wurde. Durch Aufsehen erregende Fälle und seine starke Medienpräsenz wurde er als Anwalt national bekannt. Er vertrat Paramilitärs oder den Drahtzieher eines betrügerischen Schneeballsystems, das Hunderttausende von Kleinanlegern um ihr Geld gebracht hatte. Und auch den kolumbianisch-venezolanischen Geschäftsmann Alex Saab.Saab galt als Strohmann des mittlerweile gestürzten venezolanischen Diktators Nicolás Maduro und soll in dessen Auftrag Millionen von Dollar gewaschen haben. Dass er zumindest indirekt üppige Honorare vom sozialistischen Regime im Nachbarland bezog, trug de la Espriella im Wahlkampf den Vorwurf der Heuchelei ein. Ebenso, dass er sich nun als harter Law-and-Order-Politiker gibt, aber als Anwalt versuchte, Schwerstkriminelle vor härteren Strafen zu bewahren. De la Espriella lässt solche Kritik an sich abperlen: «Ich habe gute Leute verteidigt und auch schlechte. Das ist nun einmal der Job eines Anwalts», sagte er der «Financial Times».«Der Tiger ist erwacht!»Auf jeden Fall war sein Job sehr lukrativ, de la Espriella erarbeitete sich ein Millionenvermögen – verdächtig schnell, sagen seine politischen Gegner. Und er protzt gerne mit seinem Reichtum. Er lässt sich in einem Rolls-Royce Phantom herumfahren, der mehrere hunderttausend Franken kostet, und besitzt auch ein Anwesen in Miami.Erst im November 2025 betrat de la Espriella die Bühne der Politik. «Der Tiger ist erwacht!», rief er vor 15 000 Anhängern zum Wahlkampfauftakt in einer Konzert- und Sportarena in Bogotá und stellte sein Projekt «Defensores de la Patria» (Verteidiger der Heimat) vor.Als seine politischen Vorbilder hat er einmal Ronald Reagan und Margaret Thatcher bezeichnet. Doch es ist offensichtlich, dass er sich noch stärker von Zeitgenossen inspirieren lässt: von Donald Trump, Javier Milei und Nayib Bukele. Genauso wie Trump inszeniert sich de la Espriella als Aussenseiter, der die Interessen des Volkes gegen die korrupte politische Kaste vertritt. Obwohl der amerikanische Präsident immer wieder mit dem gegenwärtigen linken Staatschef Kolumbiens, Gustavo Petro, aneinandergeraten ist, hat er bisher jedoch nicht zur Wahl seines Bewunderers de la Espriella aufgerufen.Marktradikal wie MileiVom argentinischen Präsidenten Milei hat de la Espriella die marktradikale Ideologie kopiert: Er will den Staatsapparat in Kolumbien ebenfalls massiv verkleinern und mit Steuersenkungen das Wirtschaftswachstum fördern. Und bei Bukele, dem autoritären Präsidenten von El Salvador, bedient sich de la Espriella in der Sicherheitspolitik.Im Kampf gegen die Drogenkriminalität will er zahlreiche neue Hochsicherheitsgefängnisse errichten lassen und so die Gesellschaft besser schützen. Kolumbien wird seit Monaten von einer Welle der Gewalt erschüttert – das ist das stärkste Argument für ein hartes Durchgreifen, wie es de la Espriella verspricht. Viele Menschen in Kolumbien fühlen sich von der etablierten Politik im Stich gelassen.Der Rechtsaussenkandidat plant zudem, Kokaplantagen und Narco-Camps zu bombardieren, selbst wenn sich diese in anderen Ländern befinden. Eine Bukele-Imitation ist de la Espriella auch äusserlich: Wie dieser trägt er einen sorgfältig gestutzten Bart, Sonnenbrille und Baseballkappe.Sie teilen nicht nur die Vorliebe für sorgfältig gestutzte Bärte: de la Espriellas Vorbild Nayib Bukele.Rodrigo Sura / EPAAllianz mit den FrommenDer passionierte Jäger und Waffennarr kann für die Stichwahl auf eine breite Allianz zählen: Die traditionelle Wirtschaftselite unterstützt ihn ebenso wie die Militärs und die christliche Rechte. Einst hatte sich de la Espriella als Atheist bezeichnet, doch vor einigen Jahren hatte er nach eigenen Angaben ein Erweckungserlebnis: Bei der Beerdigung seiner geliebten Tante habe er zu Gott gefunden.Den konservativen Katholiken und den stark wachsenden evangelikalen Gruppen hat er in Aussicht gestellt, die «Gender-Ideologie» zu bekämpfen und an den Schulen den Religionsunterricht wieder zu stärken. Sein Konkurrent Iván Cepeda versucht, mit einem dezidiert linken Programm dagegenzuhalten: mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Staat, Frieden mit den Guerillas. Doch damit dürfte er es schwer haben gegen den telegenen Senkrechtstarter de la Espriella.Passend zum Artikel
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