Die Präsidentschaftswahl in Kolumbien geht in eine Stichwahl zwischen dem rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella und dem linken Senator Iván Cepeda. Nach Auszählung von knapp 99,5 Prozent der Stimmen kam de la Espriella auf 43,7 Prozent und Cepeda auf knapp 41 Prozent, wie die Wahlbehörde mitteilte. Da keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erreichte, fällt die Entscheidung über das Präsidentenamt erst in der Stichwahl am 21. Juni.Rund 41 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen, die Wahlbeteiligung lag bei knapp über der Hälfte der Wahlberechtigten. Der amtierende linke Präsident Gustavo Petro darf nach der Verfassung nicht erneut kandidieren. Petro erklärte am Sonntagabend, er erkenne das vorläufige Auszählungsergebnis nicht an und wolle das von Richtern geprüfte Endergebnis abwarten.Welchen Weg schlägt Kolumbien ein?Die Abstimmung gilt auch als Entscheidung darüber, ob Kolumbien den von Petro eingeschlagenen Kurs mit höheren Sozialausgaben und Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen fortsetzt oder einen konservativeren Weg einschlägt. Die konservative Senatorin Paloma Valencia, die vor der Wahl ebenfalls zu den aussichtsreichsten Bewerbern gezählt hatte, landete mit knapp sieben Prozent der Stimmen deutlich hinter den beiden Spitzenkandidaten.Der 47-jährige De La Espriella präsentiert sich als politischer Außenseiter, der noch nie ein politisches Amt bekleidete. Er kündigte im Wahlkampf ein hartes Vorgehen gegen bewaffnete Banden sowie den Bau von zehn Großgefängnissen an. Sein Stil wird oft mit dem des Präsidenten von El Salvador, Nayib Bukele, verglichen. De La Espriella warnte davor, dass sein Kontrahent die viel kritisierte Wirtschaftspolitik Petros fortsetzen werde, darunter ein Verbot neuer Ölprojekte.Der 63-jährige Cepeda, der in den Umfragen vor der Wahl noch geführt hatte und als Verbündeter Petros gilt, will dagegen die Friedensgespräche mit illegalen bewaffneten Gruppen fortsetzen. Zudem plant er weitreichende Sozialreformen, um Ungleichheit und Armut zu bekämpfen. Dazu gehören höhere Steuern für Besserverdienende und Landzuweisungen an Opfer des jahrzehntelangen internen Konflikts. Umfragen zufolge dürfte Cepeda in der Stichwahl jedoch einen schweren Stand haben, da sich die Wähler des rechten und der Mitte zuzuordnenden Lagers nun hinter De La Espriella vereinen könnten. Die relativ niedrige Wahlbeteiligung im ersten Durchgang könnte beiden Kandidaten jedoch noch Spielraum bieten, zusätzliche Wähler zu mobilisieren.Eine Reihe von Anschlägen überschatteten den WahlkampfDer Wahlkampf war zuletzt von einer angespannten Sicherheitslage überschattet worden. Im Vorfeld der Abstimmung kam es zu mehreren Anschlägen, bei denen Zivilisten, Soldaten und Polizisten getötet oder verletzt wurden. Die Leiterin des Kolumbien-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Kristin Wesemann, hatte zuletzt von „einer der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre“ gesprochen.Petro war 2022 als erster linker Präsident in der Geschichte Kolumbiens gewählt worden. Während seine Anhänger auf sinkende Armutszahlen, höhere Sozialausgaben und Mindestlohnerhöhungen verweisen, werfen Kritiker ihm vor, mit seinem Vorhaben eines „totalen Friedens“ keinen entscheidenden Durchbruch gegen bewaffnete Gruppen erreicht zu haben.
Kolumbien Präsidentschaftswahl: Senator Iván Cepeda gegen Anwalt Abelardo de la Espriella
In Kolumbien treten der linke Senator Iván Cepeda und der rechte Anwalt Abelardo de la Espriella in der Stichwahl gegeneinander an.










