Für sie: Hochgeschlossen hotViele Stars liefen diese Woche über den roten Teppich von Venedig, aber bis auf ein paar sogenannte witchy looks, also Hexenoutfits, war bei den Damen nichts Interessantes dabei. Die besagten Magierinnen werden noch an anderer Stelle analysiert, wichtiger ist die Kleiderwahl der Jury-Präsidentin der Filmfestspiele, Maggie Gyllenhaal. Die 49-jährige Schauspielerin ist für alle anderen Frauen in ihren Vierzigern eine heimliche Stilikone, seit sie vor 25 Jahren im Kultfilm „Secretary“ Schluppenblusen trug. Egal, was sie seitdem trägt, sie sieht immer hot aus, weil sie eben nicht sexy ist. Das sagten ihr Casting-Direktoren zumindest sehr oft. Dass diese klassische Hotness irgendwie wieder angesagt ist, könnte man meinen, scrollt man durch Instagram oder schaut auf die immer irrelevanter werdenden internationalen Laufstege.Yves Herman/Yara Nardi/ReutersIn London und Athen laufen junge Frauen immer öfter in hochgeschlossenen Taftanzügen herum und kombinieren das mit „High Vamp Pumps“, also Schuhen, die an Kinderballettschuhe erinnern – und noch nicht mal den Gedanken an ein Zehen- oder sonstiges Dekolleté aufkommen lassen. Naturkrause und echte Nasen gehören auch zum Look, der so wirkt, als wollten Frauen doch wirklich unverschämterweise mit ihrem Intellekt faszinieren. Was irgendwie auch oben genannte Hexen wollen. Dass Gyllenhaal die Mutter des Wunsches ist, beweist sie in diesem schwarzen, hochgeschlossenen Ensemble vom Minimalistenlabel The Row, das leider weit über 5000 Dollar kostet. Wenn etwas so gut aussieht, hört es mit der Besonnenheit eben auch bei den Allerschlausten auf.Für ihn: Shakespeare in DiorViele Assoziationen kann man zu diesem Outfit haben, das John Malkovich bei der Premiere von „Wild Horse Nine“ in Venedig zeigte. Die erste ist irgendwas Animalisches, Kragenechse vielleicht oder sogar was Dinosaurierisches, das einen hier anblitzt. Jedenfalls ist die erweiterte Halspartie im Tierreich ein klassischer Körperteil für Imponiergehabe, weil ein auffälliger Kragen einen kleinen Kopf sofort größer, eindrucksvoller oder auch gefährlicher wirken lässt. Zweite Assoziation – ein museales Porträt oder auch eine historische Rolle von Malkovich, vielleicht als Valmont in „Dangerous Liasons“? Fest steht jedenfalls, dass kein anderer lebender Schauspieler eine elisabethanische Halskrause so nebenbei rocken kann.Dave Bedrosian/Future Image/ImagMalkovichs Kopfform wird im Alter einfach immer mehr Shakespeare, und sein stets hintergründiges Lächeln verleiht ihm without further ado immer eine Hauptrolle auf dem roten Teppich. „Aristocratic Heritage“ nennt Dior-Designer Jonathan Anderson die plissierten Seidenkragen, die in seiner aktuellen Winterkollektion eine Rolle spielen. Tatsächlich macht dieses eine Accessoire aus einem simplen schwarzen Anzug ein theatralisches Kostüm. Nun ist der rote Teppich bei Filmfestspielen aber ja eigentlich dazu da, die Schauspieler eben gerade ohne ihre Kostüme und quasi in Zivil auftreten zu lassen. Bei John Malkovich aber hat man den Eindruck, dass es diesen Zustand ohnehin nicht gibt. Der will gerade da spielen, wo alle anderen nur winken.
Venedig Filmfestival: Maggie Gyllenhaal, John Malkovich und Mode
Beim Filmfestival in Venedig tragen Stars wie Maggie Gyllenhaal elegante, hochgeschlossene Outfits und auffällige Accessoires. John Malkovich besticht mit elisabethanischer Halskrause, die seinen Auftritt prägt.















