Mr MarketBossard, SFS und Ems-Chemie sind weiter im AufwindDie Stimmung in der europäischen Industrie dürfte sich weiter aufhellen, davon profitieren auch die Schweizer Frühzykliker. Ausserdem: Holcim kann nicht vollständig überzeugen und Aryzta leidet in Deutschland.The Market04.08.2026, 11.26 UhrGeschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Berichtssaison läuft bisher erfreulich, auch hierzulande. Zwar kommen Schweizer Unternehmen nicht ganz an die sehr starke Entwicklung in den USA heran. Gemäss den beim Datenanbieter FactSet erfassten Ergebnissen und Schätzungen dürften die US-Konzerne aus dem Leitindex S&P 500 im zweiten Quartal ein Gewinnwachstum von fast 50% gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnen. Es wäre das stärkste Quartal seit fünf Jahren.Doch gemessen am Gegenwind im ersten Halbjahr – geopolitische Unsicherheit, höhere Rohstoffpreise und ein weiterhin schwaches Konsumumfeld – haben sich die hiesigen Unternehmen beachtlich geschlagen. Nach einigen Gewinnwarnungen im Juni hat in den vergangenen Wochen eine Vielzahl der Unternehmen die Erwartungen übertroffen. Besonders positiv überrascht haben mich der Pharmakonzern Roche, der Bauchemiespezialist Sika und der Hersteller von Duftstoffen und Aromen DSM-Firmenich.Aber auch kleinere und mittelgrosse Gesellschaften überzeugten. Vergangene Woche haben unter anderem Inficon, Autoneum und Lem die Umsatz- oder Gewinnprognose für das laufende Jahr erhöht. Auch Forbo, SIG Group, Zehnder, Comet und Clariant überraschten mit einem Ergebnis, das besser war als erwartet. Entsprechend positiv entwickelten sich insbesondere die Aktienkurse einiger Nachzügler an der Schweizer Börse.Ausgesprochen gut läuft es derzeit auch den frühzyklischen Aktien, wie ein Blick auf das Börsentableau zeigt.InhaltsverzeichnisKonjunkturerholung verleiht Frühzyklikern RückenwindHolcim verliert das MomentumAryzta leidet unter der Nachfrageschwäche in DeutschlandKonjunkturerholung verleiht Frühzyklikern RückenwindDas hätte ich im März nach Ausbruch des Kriegs am Persischen Golf nicht erwartet: Die Aktien einiger Industrieunternehmen gehören bis Anfang August zu den grössten Gewinnern am Schweizer Aktienmarkt. Seit Jahresbeginn ist der Verbindungstechnikspezialist Bossard an der Börse 48% vorgerückt, die stärker auf industrielle Werkzeuge ausgerichtete SFS 17% und der Spezialkunststoffhersteller Ems-Chemie 50%.Rückenwind liefert die konjunkturelle Erholung. Und auch hier zeigte sich das bereits im starken ersten Halbjahr: Bossard zum Beispiel hat den Umsatz im zweiten Quartal organisch um 12,9% gesteigert, in den ersten sechs Monaten betrug das Plus 9,7%. Damit verzeichnete das Unternehmen bereits das vierte Quartal in Folge ein deutliches organisches Wachstum. Die operative Marge verbesserte sich klar.Die Vorlaufindikatoren sprechen dafür, dass das Umfeld günstig bleibt. «Positiv ist, dass sich der Einkaufsmanagerindex oberhalb der Expansionsschwelle festgesetzt hat. Und dies trotz aller Störimpulse, die von US-Präsident Donald Trump weiterhin ausgehen, allen voran die Zollpolitik und die Irankrise», sagt Daniel Hartmann, Chefökonom des Vermögensverwalters Bantleon. Die europäische Wirtschaft zeige insgesamt eine grosse Widerstandskraft. Dafür sorgten die expansive Fiskalpolitik, günstige finanzielle Rahmenbedingungen und der Boom bei der künstlichen Intelligenz.Sind die europäischen Industrie-PMI über der Marke von 50, ist dies für alle drei Unternehmen ein positives Signal – insbesondere für SFS und Bossard. Bei Bossard gibt der europäische Industriezyklus besonders stark den Takt vor. Die Aktien weisen innerhalb des Schweizer Industriesektors historisch eine der höchsten Korrelationen mit den Einkaufsmanagerindizes auf.Zusätzlichen Rückenwind könnte eine Entspannung der geopolitischen Lage bringen. «Wenn sich der Nahostkonflikt entschärft und der Ölpreis sinkt, dürfte dies die europäische Konjunktur zusätzlich stützen», sagt Hartmann. Vor allem die Konsumenten könnten aufatmen. Zugleich würde die abnehmende Unsicherheit wohl die Investitionstätigkeit beleben.Bantleon geht deshalb davon aus, dass der Aufschwung bis Mitte 2027 trägt. Der Höhepunkt der deutschen Fiskalimpulse dürfte erst im zweiten Halbjahr 2026 erreicht werden, während der KI-Boom bis Anfang 2027 weiter an Dynamik gewinnen sollte. «Im zweiten Halbjahr 2027 erwarten wir dann weltweit eine konjunkturelle Abkühlung. Darauf deuten auch unsere Frühindikatoren hin», sagt Hartmann.Bossard, SFS und Ems-Chemie sind klare Profiteure einer Deeskalation zwischen den USA und Iran sowie einer allgemeinen Entspannung der geopolitischen Lage. Ein tieferer Ölpreis wird den Inflationsdruck mindern und Zinserhöhungen unwahrscheinlicher oder zumindest weniger ausgeprägt ausfallen lassen.Die Schweizer Frühzykliker haben aus meiner Sicht damit an Attraktivität gewonnen. Im sich graduell verbessernden Umfeld erscheint Bossard wegen des starken PMI-Hebels besonders interessant. SFS ist defensiver positioniert, während Ems-Chemie als langfristiger Wachstumstitel überzeugt. Nach der starken Kursentwicklung bieten sich im weiterhin volatilen Umfeld allerdings auch punktuelle Gewinnmitnahmen an.Holcim verliert das MomentumEs half alles nichts: Auch Holcim legte gute Halbjahreszahlen vor. Der Umsatz entwickelte sich in allen Regionen besser als erwartet, besonders in Europa. Das bestätigt eine Belebung der europäischen Nachfrage und ist grundsätzlich ermutigend. Die Prognose für den Umsatz und den wiederkehrenden Betriebsgewinn (Ebit) wurde angehoben. Die Aktien, die bereits zuvor seitwärts tendiert hatten, fielen am Berichtstag trotzdem deutlich ins Minus.Frank Pfeiffer, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Tareno, sieht in der Guidance einen möglichen Grund für die verhaltene Reaktion. Holcim erhöhte die Prognose für das Nettoumsatzwachstum von 3 bis 5% auf rund 5% und jene für das wiederkehrende Ebit-Wachstum von 8 bis 10% auf rund 10%. Damit hob der Konzern die Erwartungen lediglich an den oberen Rand der bisherigen Spannen an. Angesichts eines Umsatzwachstums von 13,1% im zweiten Quartal und der deutlichen Beschleunigung im Jahresverlauf könnten einige Marktteilnehmer mehr erwartet haben.Ähnlich interpretiert Mark Diethelm, Analyst bei Vontobel, die Kursreaktion. Der Konsens habe beim organischen Ebit-Wachstum bereits nahe bei 10% gelegen. Implizit deute die neue Prognose deshalb für das zweite Halbjahr nicht auf eine deutliche Margensteigerung hin. Diethelm sieht jedoch Potenzial für eine weitere Guidance-Anhebung mit der Veröffentlichung der Neunmonatszahlen.Ein weiterer Schwachpunkt ist der freie Cashflow. Er sank im ersten Halbjahr von 156 auf 36 Mio. Fr. Das Management führte den Rückgang auf zeitliche Verschiebungen bei den Investitionen, einen hohen Mittelbedarf im Working Capital sowie darauf zurück, dass das inzwischen veräusserte Nigeria-Geschäft im Vorjahreszeitraum noch zum Cashflow beigetragen hatte.«Trotz dieser Erklärungen wirkt ein freier Cashflow von 36 Mio. Fr. bei einem Halbjahresumsatz von fast 8 Mrd. Fr. schwach», sagt Pfeiffer.Auch die Bewertung bietet kaum Unterstützung. Holcim ist im historischen Vergleich nicht mehr günstig. Diethelm warnt jedoch davor, die heutigen Multiplikatoren direkt mit jenen von vor fünf bis acht Jahren zu vergleichen: Damals lag die Rendite auf dem investierten Kapital unter 8%, heute beträgt sie rund 11%. «In einem kapitalintensiven Sektor schafft jedes zusätzliche Prozent echten Mehrwert», sagt er.Eindeutig ist aber, dass sich das charttechnische Bild eingetrübt hat. Die Aktie zeigt auf Tages- und Wochenbasis relative Schwäche, auch wenn der übergeordnete Aufwärtstrend im Wochenchart noch intakt ist. Pfeiffer weist darauf hin, dass Holcim bereits früher nach Phasen starken Momentums längere Konsolidierungen durchlaufen habe – zuletzt im Oktober 2025.Derzeit notiert die Aktie ungefähr auf der 200-Tage-Linie. Ein Schlusskurs darunter wäre für Pfeiffer ein Signal, seine Position zu reduzieren, zumal er Holcim gegenüber dem Swiss Performance Index übergewichtet hat. «Manchmal folgen die entscheidenden Nachrichten erst auf die bereits sichtbare Kursschwäche», sagt er. Deshalb wolle er nicht warten, bis der endgültige Grund feststehe. Bis dahin könne die Korrektur bereits deutlich weiter fortgeschritten sein.Holcim bleibt für mich langfristig attraktiv. Kurzfristig mahnt das nachlassende Momentum jedoch zur Geduld. Eine weitere Korrektur könnte bessere Kaufgelegenheiten eröffnen.Aryzta leidet unter der Nachfrageschwäche in DeutschlandDeutlich an Schwung verloren haben auch die Aktien von Aryzta. Seit einem Zwischenhoch Mitte April bei 63 Fr. zeigt die Tendenz klar nach unten. Am Dienstag notieren die Titel bei 52.50 Fr. und damit praktisch auf Jahrestief.Wie ich höre, befürchten die Marktteilnehmer, dass das Umsatzwachstum im ersten Halbjahr 2026 in einigen Ländern enttäuschte. Insbesondere im wichtigen Markt Deutschland – wo fast 29% des Umsatzes erzielt werden – sei die Konsumstimmung weiterhin schlecht. Das trifft nicht nur Aryzta, sondern auch andere Unternehmen in der Branche. Ich sehe deshalb keine zusätzlichen unternehmensspezifischen Probleme. Aber es macht die Fortsetzung der operativen Trendwende nicht einfacher.Schon 2025 blieb der Grossbäcker hinter den Erwartungen zurück: Im Herbst publizierte er eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr, die Prognose für den Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen wurde gesenkt. CEO Michael Schai musste nach nur neun Monaten seinen Posten räumen.Das hat Aryzta unter Investoren viel Vertrauen gekostet – zwischenzeitlich fiel der Aktienkurs im November mehrmals unter 50 Fr., nach einem Hoch bei 87 Fr. Anfang Juni 2025. Es hat die Erwartungen an das Unternehmen aber auch wieder realistischer gemacht. Umso wichtiger ist, dass das Management rund um CEO Urs Jordi nun die im März bestätigten Mittelfristziele für 2026 erreicht. Die Halbjahreszahlen vom kommenden Montag, 10. August, könnten einen ersten wichtigen Hinweis darauf liefern.Im laufenden Geschäftsjahr will Aryzta trotz Gegenwind organisch wachsen – wobei mittlerweile ein Wachstum am unteren Ende der angekündigten Spanne «im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich» eingepreist sein dürfte. Wichtig ist deshalb, dass die operativen Sparmassnahmen und die Reduktion der Zinskosten auf Kurs sind, damit Betriebsgewinn und freier Cashflow wie angestrebt trotzdem höher ausfallen als 2025.Auch in dieser Hinsicht ist unser nördliches Nachbarland ein schwieriges Terrain. Laut mehreren Quellen kämpft Aryzta in den deutschen Werken immer wieder mit Personalausfällen in der Produktion. Das erschwert die Planung und kostet zusätzlich.Immerhin: Von der Rohstoffseite erwarte ich keine grösseren negativen Effekte. Die Verwerfungen am Weizenmarkt infolge des Kriegs in der Ukraine – insbesondere wegen möglicher Angriffe auf russische Transportschiffe im Schwarzen Meer – dürften Aryzta dank der Preisabsicherung zunächst kaum treffen. Und selbst wenn der Weizenpreis steigt, dürfte dies durch sinkende Preise bei anderen Inputfaktoren weitgehend kompensiert werden. Dies, obschon der Rohstoff schätzungsweise rund 10% der Herstellungskosten ausmacht.Darüber hinaus baut die Anlagethese bei Aryzta aus meiner Sicht vor allem auch auf dem neu gewonnen Spielraum. Mit der erfolgreichen Rückzahlung der letzten Hybridanleihe spart das Unternehmen nicht nur bei den Zinsen. Das Management kann – und will – dieses Jahr endlich wieder über eine Kapitalrückführung, sprich eine Dividende, diskutieren. Auch Wachstum durch Übernahmen ist wieder denkbar, wie ich in früheren Beiträgen ausgeführt habe.Damit wird aus der Turnaround-Geschichte auf mittlere Frist eine solide Anlage.Freundlich grüssen im Namen von Mrs MarketManuel Boeck und Gabriella Hunter
Die Aktien von Bossard, SFS und Ems-Chemie dürften weiter steigen
Der Aufschwung in der europäischen Industrie ist gesund, davon profitieren die Frühzykliker.








