Mr MarketDer Warenprüfkonzern dürfte sich im Herbst neue Mittelfristziele geben, die Erwartungen sind hoch. Ausserdem: Skan muss liefern, Holcim wiederholt das «Buebetrickli», Nestlé und der Erfolg von Galderma, Tecan enttäuscht und Temenos ist auf Kurs.The Market12.08.2026, 11.00 UhrGeschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vertrauen ist vielleicht das wichtigste Gut an der Börse. Es aufzubauen, braucht Zeit. Es zu verspielen, geht leider um einiges schneller. Der Augenheilkonzern Alcon musste dies zuletzt am eigenen Leib erfahren. Zwar hat das US-schweizerische Unternehmen das Vertrauen der Anleger nicht gänzlich verloren, doch angesichts zweier Gewinnwarnungen im letzten Jahr geriet es mindestens ins Wanken.Dass sich der Markt schwertut, die Signale des Managements um CEO David J. Endicott richtig einzuordnen, wurde Anfang Mai besonders deutlich. Damals trafen die publizierten Zahlen für das erste Quartal 2026 zwar die Konsensschätzungen, dennoch brachen die Aktien innerhalb eines Tages zweistellig ein.Der Markt hatte offenbar insgeheim mehr erhofft, als es der Analystenkonsens erwarten liess, was in den USA, wo ein grosser Teil der Aktien gehandelt wird, nicht unüblich ist.Umso gespannter war ich auf das am Montagabend nach US-Börsenschluss publizierte Halbjahresergebnis – fast noch mehr aber auf die Reaktion des Marktes. Und siehe da: Alcon schaffte es nach vielen Quartalen endlich wieder, positiv zu überraschen. Die Aktien avancierten an der Schweizer Börse um rund 5% – und das, nachdem sie seit dem Tief im Mai bereits rund 20% zugelegt hatten.Positiv am Ergebnis war das wider Erwarten starke Umsatzwachstum im zweiten Quartal von 8% auf 2,8 Mrd. $. Auch die Kern-Betriebsgewinnmarge – bereinigt um die Abschreibung im Zusammenhang mit der überraschenden Einstellung der Sparte Power Vision – stieg von 19,1 auf 20,8%.Auffällig war aber auch, dass das Management angesichts der starken Zahlen zwar die Jahresprognose für die Kern-Betriebsmarge von +70 bis 170 Bp. auf +90 bis 190 Bp. erhöhte, die Prognose für das Umsatzwachstum mit 5 bis 7% aber unverändert liess. Das könnte ein Zeichen sein, dass das Management dazugelernt hat und sich künftig weniger weit aus dem Fenster lehnen möchte. Etwas, das ich aus Aktionärssicht langfristig immer begrüsse.InhaltsverzeichnisKann Skan den Umsatz endlich realisieren?SGS braucht neue ZieleHolcim bleibt bei den Devestitionen auf KursNestlé hatte einen Joker im PortfolioTecans Transformation braucht ZeitKann Skan den Umsatz endlich realisieren?Kräftig erholt haben sich in den letzten Monaten auch die Aktien von Skan. Seit dem Tief Anfang April haben die Titel gut 50% zugelegt. Zuvor hatte der Spezialist für medizinische Isolatoren mit einem Umsatzrückgang von knapp 8% und einem Einbruch des Betriebsgewinns (Ebitda) um fast ein Drittel im Geschäftsjahr 2025 für Enttäuschung bei Investoren gesorgt. Die Marge von 11,6% lag deutlich unter der zu Jahresbeginn noch angepeilten Spanne von 14 bis 16%.Die jüngste Kurserholung fällt sie mit dem allgemeinen Comeback von Medtech-Aktien zusammen. Sie dürfte aber auch damit zu tun haben, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA zuletzt einen freundlicheren Ton gegenüber mRNA-basierten Therapien angeschlagen hat. Vergangene Woche liess sie einen mRNA-Impfstoff von Moderna gegen Influenza zu. Als der als Impfgegner bekannte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. vor anderthalb Jahren sein Amt antrat, war die Sorge gross, dass es die mRNA-Technologie künftig schwerer haben könnte.Diese Entwicklung ist wichtig für Skan, weil die aseptischen Abfüllanlagen und Isolatoren aus Allschwil für die Herstellung injizierbarer Medikamente und Impfstoffe benötigt werden. Gemäss Unternehmensangaben wird jeder dritte unter Isolatorbedingungen abgefüllte Impfstoff in regulierten Märkten auf einer Skan-Anlage produziert.Die Erholung an der Börse dürfte jedoch auch mit der Hoffnung verbunden sein, dass das Unternehmen bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am nächsten Dienstag endlich liefern wird. Endlich deshalb, weil wegen Projektverschiebungen ein namhafter Teil des Umsatzes, der eigentlich 2025 hätten anfallen sollen, ins laufende Jahr verschoben wurde.Skan wird das projektbezogene Geschäftsmodell oft zum Verhängnis. Kundenprojekte laufen oft über Jahre, was die Umsatzplanung erschwert. Zudem können grosse Isolatoren samt Validierung Millionen kosten. Entsprechend macht es einen grossen Unterschied, ob ein Projekt noch im Dezember oder erst im Januar als Umsatz verbucht wird. Marktteilnehmer, mit denen ich spreche, werden deshalb nächste Woche genau darauf schauen, ob die verschobenen Projekte – vor allem im Bereich der Impfstofflinien – nun realisiert wurden oder ob sie sich weiter verzögern.Wichtig dürfte zudem die Entwicklung des Auftragseingangs sein. Das Management hatte sich dazu sowohl an der Jahreskonferenz im März als auch bei einer Investorenveranstaltung der Helvetischen Bank im Juni zuversichtlich gezeigt. Einige Marktbeobachter halten zudem die Prognose für das Gesamtjahr 2026 für konservativ. Das Management peilt ein Umsatzwachstum im oberen Zehnprozentbereich und eine Ebitda-Marge zwischen 13 und 15% an (2025: 11,6%).Was Skan von den Vorgaben nächste Woche liefern oder gar übertreffen muss, ist schwer zu sagen. Es lässt sich kaum eine Konsensschätzung ermitteln. Dafür werden die Aktien von zu wenigen Analysten abgedeckt. Umso gespannter bin ich auf nächsten Dienstag – nicht nur auf die Zahlen, sondern wie bei Alcon auch darauf, wie der Markt darauf reagieren wird.SGS braucht neue ZieleDie Dynamik im TIC-Sektor (Prüfung, Inspektion und Zertifizierung) und bei SGS bleibt derweil trotz verhaltener Weltkonjunktur und geopolitischer Spannungen robust. Gleichzeitig hat der Konzern die meisten Ziele seines Strategieplans 2027 bereits erreicht. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den Kapitalmarkttag im November.«Wir beabsichtigen, am Kapitalmarkttag im November die Prioritäten für den nächsten Strategiezyklus vorzustellen und dabei voraussichtlich auch neue mittelfristige Ziele zu kommunizieren», sagt ein Sprecher von SGS gegenüber The Market.Besonders hoch liegt die Messlatte bei der Profitabilität. Ein grosser Teil der bisherigen Margenverbesserung stammt aus Kosteneinsparungen. Künftig müssen stärker operativer Leverage, Synergien und ein höherer Anteil margenstarker Dienstleistungen tragen. «Ich würde deshalb eine glaubhafte strukturelle Margenstory erwarten», sagt Rolf Rathmayr, Analyst bei Reichmuth. Auch bei der Wachstumsstrategie dürfte CEO Géraldine Picaud präzisieren, welche Regionen und Segmente Priorität haben und welche Akzente sie mit Akquisitionen setzen will.Michael Foeth von Vontobel erwartet, dass die bisherigen Schwerpunkte Nachhaltigkeit, digitale Vertrauensdienste, Nordamerika und Zukäufe bestehen bleiben. Digitale Vertrauensdienste und Nachhaltigkeit gehörten bereits im zweiten Quartal zu den stärksten Wachstumsfeldern. Treiber sind vernetzte Produkte, Daten, künstliche Intelligenz und Cybersicherheit sowie im Nachhaltigkeitsgeschäft die steigende Nachfrage nach Prüfungen etwa bei Nahrungsmitteln, langlebigen Industriechemikalien (PFAS) und Textilien.Bei den Finanzzielen gehen die Erwartungen geringfügig auseinander. Foeth hält ein Festhalten an der bisherigen Wachstumsvorgabe von 5 bis 7% zuzüglich Akquisitionen für denkbar, erwartet bei der Profitabilität jedoch ambitioniertere Ziele und hält ein Margenziel von 16,5 bis 17% für realistisch (2025: 16%). Kurt Boss, Portfoliomanager bei Baumann & Cie., kann sich angesichts der robusten Entwicklung eine Anhebung des organischen Wachstumsziels auf 6 bis 8% und eine Margenvorgabe von 16 bis 17% vorstellen.«Das Thema Nordamerika wird aus Investorensicht in den kommenden Jahre weiterhin von grossem Interesse sein», sagt Boss. Mit der Übernahme von ATS habe SGS einen wichtigen Schritt hin zu einem überdurchschnittlichen Wachstum und einer höheren Marge gemacht. Erste Synergien materialisierten sich nun. Künftig erwartet der Portfoliomanager eher Ergänzungsakquisitionen als einen grossen Zukauf. Das könnte mittelfristig zusätzlichen Spielraum für höhere Ausschüttungen schaffen. Zudem dürfte SGS darlegen, welche Endmärkte bei der Portfoliooptimierung Priorität haben.Die Erwartungen an den Kapitalmarkttag sind damit hoch. Angesichts der weiterhin moderaten Bewertung haben die Aktien noch Potenzial, ein klarer Kurstreiber fehlt derzeit aber. Neue überzeugende Ziele im November könnten ihn liefern.Holcim bleibt bei den Devestitionen auf KursDer Verkauf des Philippinen-Geschäfts von Holcim an Huaxin folgt einem bekannten Muster. Bereits 2016 veräusserte Holcim chinesische Aktivitäten an Huaxin, 2025 folgte das Nigeria-Geschäft. Daneben gingen weitere Beteiligungen in Afrika an den chinesischen Baustoffkonzern.Das hat einen einfachen Grund: Das Vorgehen bietet Holcim die Möglichkeit, in Huaxin gebundenes Kapital zu monetarisieren, da sich Mittel aus China nur begrenzt in die Schweiz zurückführen lassen. Die Portfoliooptimierung wird also mit der Kapitalrückführung kombiniert, wie ich hier auch schon beschrieben habe.Holcim weist diese Interpretation allerdings zurück. Huaxin Building Materials sei ein vertrauenswürdiger Käufer, der sich für die weitere Entwicklung der übernommenen Geschäfte engagiere. Die Transaktionen seien nicht durch Einschränkungen bei der Rückführung von Barmitteln aus China motiviert. Holcim sei in der Vergangenheit stets in der Lage gewesen, über Dividendenausschüttungen Mittel aus China zurückzuführen.Was klar ist: Das Geschäft in den Philippinen wird in zwei Schritten verkauft. Zunächst übernimmt Huaxin 67,6% für 527 Mio. $. Die verbleibenden rund 31% sollen innerhalb von drei bis fünf Jahren für mindestens 280 Mio. $ folgen. Daraus ergibt sich ein Mindesterlös von 807 Mio. $. Zudem kann Holcim bis zum vollständigen Ausstieg an einer allfälligen Wertsteigerung partizipieren. Der Abschluss des ersten Schritts wird im ersten Halbjahr 2027 erwartet.Entscheidend ist die besondere Beziehung zwischen den beiden Unternehmen: Holcim hält 41,8% an Huaxin. Die Beteiligung besitzt einen Marktwert von rund 2 Mrd. Fr. und steuerte zuletzt Dividendenerträge von 46 Mio. Fr. bei. Holcim verkauft ihre Aktivitäten an eine Gesellschaft, an deren künftiger Wertentwicklung der Konzern weiterhin substanziell beteiligt ist.Unabhängig von der Frage der Kapitalrückführung ist der Verkauf in meinen Augen strategisch schlüssig. Er setzt die Portfoliotransformation von Holcim fort und dürfte die Konzernmarge verbessern. Der Konzern ordnet die Veräusserung in die «Strategie 2030» ein, die den Rückzug aus Randmärkten und Investitionen in wachstumsstärkere Segmente wie Wand- oder Dachsysteme vorsieht. Exemplarisch dafür steht die Übernahme von Xella, einem führenden Anbieter im europäischen Wandbaustoffmarkt.Holcim hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem aus Sambia, Südafrika, Uganda, Tansania, Kenia und Jordanien sowie aus den Zementmärkten Indien, Brasilien, Indonesien und Malaysia zurückgezogen. Viele dieser Geschäfte waren unterdurchschnittlich rentabel oder banden Kapital und Cashflows, die sich für den Gesamtkonzern nur begrenzt nutzen liessen. Seit 2018 hat Holcim mit Veräusserungen in Schwellenländern laut Berechnungen der Helvetischen Bank deutlich mehr als 10 Mrd. Fr. freigesetzt.Ich sehe den Philippinen-Verkauf damit vor allem als eines: als konsequente Fortsetzung eines seit Jahren laufenden Portfolioumbaus. Ein weiterer Aspekt, der angesichts der derzeitigen Kursschwäche für Käufe auf lange Sicht spricht.Nestlé hatte einen Joker im PortfolioNemluvio ist für Galderma ein Glücksfall, schrieben wir vergangene Woche in dieser Analyse zu den Aktien des Dermatologiekonzerns. Tatsächlich profitiert das Unternehmen derzeit stark von den Verkäufen des Mittels zur Behandlung der juckenden Hautkrankheiten atopische Dermatitis und Prurigo Nodularis: Im laufenden Jahr dürfte der Umsatz um mehr als 20% auf schätzungsweise 6,4 Mrd. $ steigen, die Kern-Betriebsgewinnmarge auf Stufe Ebitda soll gemäss Prognose mehr als 26% betragen. Das Cash sprudelt.Der Aktienkurs notiert bei 175 Fr., ein Plus von 180% seit dem Börsengang im März 2024.Wäre die Geschichte etwas anders verlaufen, hätte Nemluvio respektive der Wirkstoff Nemolizumab wohl zum Erfolg eines anderen Schweizer Konzerns beigetragen.Die Entstehungsgeschichte von Nemolizumab reicht weit zurück. Bereits im Jahr 2004 erkennen Forscher von Chugai, dass der Rezeptor IL-31 der zentrale Botenstoff für Juckreiz ist. Der japanische Pharmakonzern beginnt daraufhin mit der Entwicklung eines Antikörpers. 2015 und 2016 zeigen klinische Studien, dass der von Chugai entwickelte Wirkstoff Nemolizumab den Juckreiz bei atopischer Dermatitis deutlich reduziert.Als Chugai die Mehrheit der globalen Rechte an Nemolizumab anschliessend lizenziert, ist Vertragspartnerin Galderma noch Teil von Nestlé Skin Health (NSH). «Diese strategische Allianz ist ein Meilenstein», wird der damalige NSH-CEO Humberto Antunes zitiert. In den folgenden Jahren finanziert Nestlé die Phase-II-Studie – nur um Galderma 2019 inklusive des Wirkstoffs an EQT und andere Investoren zu verkaufen. Der Konzern trug damit massgeblich zum heutigen Erfolg bei, sollte aber nie von der kommerziellen Lancierung profitieren.Nun passt ein dermatologischer Wirkstoff tatsächlich nicht ins Portfolio von Nestlé, die sich schon unter dem damaligen CEO Mark Schneider bewusst stärker auf das Geschäft mit Lebensmitteln und Getränken konzentrieren wollte. Auch konnte das Potenzial von Nemolizumab in dieser Entwicklungsphase kaum wirklich abgeschätzt werden, es hätte bis zur erfolgreichen Lancierung noch einiges dazwischen kommen können. Und doch zeigt sich an dieser Episode für mich einmal mehr, wie unglücklich die Amtszeit von Schneider in Vevey im Rückblick war.Schneider, der 2016 vom deutschen Gesundheitskonzern Fresenius kam, setzte viel daran, Nestlé mit Blick auf das Produkteportfolio gesünder aufzustellen. Nestlé Health Science sollte sich nicht mehr länger nur auf medizinische Ernährung fokussieren, sondern gerade im Vitamin- und Ergänzungsmittelbereich zur weltweiten Nummer 1 werden. Mit dem Erlös aus dem Verkauf von NSH und anderer Geschäftsteile und mit Kapital aus frischen Schulden machte er sich auf Einkaufstour.Schon 2020 ging Nestlé eine Partnerschaft mit Aimmune Therapeutics ein, um deren Mittel gegen Erdnussallergie, Palforzia, weiterzuentwickeln. Im Jahr darauf kaufte der Konzern den US-Nahrungsergänzungsmittelhersteller The Bountiful Company für 5,75 Mrd. $ und Nuun, einen Anbieter funktionaler Hydrationsprodukte. 2022 übernahm er eine Mehrheit am US-Anbieter Orgain, der auf pflanzliche Protein- und Ernährungsprodukte spezialisiert ist, Puravida, eine brasilianische Marke für Nutrition und Health, und The Better Health Company.Der Umsatz von Nestlé Health Science verdoppelte sich zwischen 2020 und 2022 beinahe auf 6,6 Mrd. Fr. – 7% des Umsatzes. Doch der erhoffte Erfolg stellte sich nie ein. Palforzia wurde bereits 2023 verkauft, das breite Vitamin- und Ergänzungsmittelgeschäft – der Kern der Übernahme von Bountiful – steht heute zur Disposition. Wie vieles aus der Zeit von Mark Schneider sollen auch diese Entscheide rückgängig gemacht werden. Zurück bleiben soll ein spezialisiertes Portfolio für medizinische Ernährung.Gut möglich, dass sich so mancher bei Nestlé wünscht, dass auch Galderma und Nemolizumab nie verkauft worden wären.Tecans Transformation braucht ZeitAuf die Tecan-Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026 hatte ich mit Spannung gewartet und ich wurde enttäuscht. Zwar ist das Unternehmen aus Männedorf besser als der Markt gewachsen, bei der Profitabilität und vor allem beim Cashflow fiel Tecan jedoch zurück. Auch das Transformationsprogramm «Rewired» geht eher langsam voran.Der Auftragseingang stieg zwar 3%, und auch das Verhältnis zum Umsatz stieg in beiden Geschäftssegmenten (Life Sciences und Partnering) über 1 und signalisiert, dass die Nachfrage grundsätzlich intakt ist. Der Gewinn aber ist mit 12,3 Mio. Fr. um rund 32% gegenüber dem Vorjahr eingebrochen, primär belastet durch die hohen Transformationskosten. Den schwachen Cashflow, der von 60 Mio. auf magere 17 Mio. Fr. schrumpfte, werte ich als Warnsignal, auch wenn das Management dies an der Telefonkonferenz mit Analysten als nicht strukturell bedingt einstufte.Angesichts des starken Kursanstiegs in den vergangenen Monaten setzten nach der Veröffentlichung der Zahlen prompt Gewinnmitnahmen ein. Tecan verloren teilweise mehr als 10%.Einige Analysten sehen nun künftig nur wenig Spielraum für positive Überraschungen: «Tecan steht vor einer herausfordernden Situation, die das Unternehmen nicht einfach lösen kann. 2026 bleibt translational, wobei Fortschritte im Transformationsprogramm zu beobachten sind. Ein Grossteil der positiven Nachrichten ist bereits in der starken Aktienkursentwicklung widergespiegelt», kommentiert etwa Vontobel-Analystin Sibylle Bischofberger.Tecan bestätigte die Jahresprognose und erwartet eine Umsatzsteigerung in Lokalwährungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Bei der bereinigten Ebitda-Marge wird ein Wert zwischen 15,5 und 16,5% in Aussicht gestellt. Gemäss Management sollte das obere Ende der Prognose erreicht werden.Auch das Ziel, bis 2028 einen Umsatz von 1 Mrd. Fr. sowie eine Ebitda-Marge von 20% zu erreichen wurde bekräftigt. Doch das Umbauprogramm ist ein langer Weg. Während das Management optimistisch in die Zukunft blickt und auf Tecans Stärke in den Bereichen wie Biopharma und Diagnostik verweist, bleibt die operative Realität hinter den Erwartungen zurück.Von Tecan hätte ich im Transformationsprozess und angesichts der teilweise wieder erwachten Marktdynamik ein klareres Signal erwartet, statt nur das Festhalten an bestehenden Zielen.Investoren diskutieren seit längerem über strategische Optionen, etwa über die Abspaltung einzelner Geschäftsbereiche. Das neue Management um CEO Monica Manotas und CFO Camila Japur sowie der Einstieg des Finanzinvestors Spectrum Entrepreneurial Ownership haben zu früh für Turnaround-Fantasien gesorgt.Am Dienstag wurde jedoch klar: Bei Tecan braucht es weiter Geduld.Gute Nachricht von Temenos«Der heutige Kursrückschlag ist für mich eine Gelegenheit, nachzukaufen», schrieb ich Ende Juli an dieser Stelle, als Temenos nach der Publikation leicht enttäuschender Zweitquartalszahlen an der Börse abgestraft wurde und der Aktienkurs des Genfer Herstellers von Bankensoftware unter 60 Fr. fiel.Der Rückschlag war vollkommen übertrieben und nicht gerechtfertigt. CEO Takis Spiliopoulos konnte die leichte Enttäuschung in den Softwareverkäufen im zweiten Quartal gut erklären, und er stellte für das laufende dritte Quartal bereits eine kräftige Beschleunigung des Geschäftsgangs in Aussicht.Mittlerweile steht der Aktienkurs bereits gut 20% höher.Heute Mittwoch erfreute die Meldung, wonach Temenos ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 100 Mio. Fr. auflegt. Das Programm startet am morgigen 13. August und wird dem Aktienkurs weitere Unterstützung verleihen.Einziger Schönheitsfehler: Temenos will die zurückgekauften Aktien «für allgemeine Unternehmenszwecke» verwenden. Dazu zählen gemäss Mitteilung des Unternehmens «insbesondere Aktienprogramme für Mitarbeitende sowie die Finanzierung möglicher Akquisitionen». Mir wäre es lieber, Temenos würde die zurückgekauften Aktien vernichten. Nur dann verdichtet sich der Gewinn für die Aktionäre.Freundlich grüssen im Namen von Mr MarketHenning Hölder, Manuel Boeck, Carla Palm, Gabriella Hunter und Mark Dittli