Mr MarketDer deutsche Wohnungsbau sendet Lebenszeichen, das dürfte auch den baunahen Unternehmen hierzulande helfen. Ausserdem: Siegfried bietet eine Kaufgelegenheit, ABB weiss an der Börse zu gefallen und Komax fällt immer tiefer.The Market24.06.2026, 10.45 UhrGeschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Wind hat gedreht: Zu Wochenbeginn dominierte an den Aktienmärkten die Angst vor steigenden Zinsen und der Auswirkung auf die zuletzt heissgelaufenen Profiteure der Investitionen in künstliche Intelligenz (KI), insbesondere im Memory-Segment. Aktien von Speicherchipherstellern wie Samsung Electronics, SK Hynix und Micron Technology kamen besonders unter die Räder. Aber auch Ausrüster der Halbleiterindustrie wie die niederländische ASML oder auch US-Netzwerkspezialist Arista Networks verloren deutlich an Wert.Das spiegelte sich am Schweizer Markt in einer leichten Rotation: Nach ihrem Rausch, teilweise bis auf neue Allzeithochs, gaben die Aktien der Schweizer KI-Profiteure wie VAT, Huber+Suhner, Belimo und ABB deutlich nach. Dafür standen am Dienstag für einmal Roche, Nestlé und Novartis in der Spitzengruppe des Schweizer Leitindex SMI.Bereits seit Anfang Juni sorgen wiederkehrende Zinssorgen für Nervosität an den Märkten, gerade bei hoch bewerteten Tech-Titeln. Der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh kommentierte vergangene Woche nicht, ob und wann das Fed die Leitzinsen erhöhen wird. Die Anleihenmärkte zogen jedoch ihren eigenen Schluss: Die Rendite auf kurzfristige US-Staatsanleihen, ein Proxy für die Zinspolitik, ist kräftig gestiegen. Mit dem Deal zwischen USA und Iran und dem niedrigeren Ölpreis treten zudem Rezessionsängste in den Hintergrund, womit auch das «Safe Haven»-Argument für Technologieaktien hinfällig wird.Damit könnte sich die Rückkehr zum Muster von vor dem Krieg im Nahen Osten, wie es mein Kollege Mark Dittli am Freitag im «Big Picture» beschrieben hat, verfestigen. Die Phase von Ende Oktober 2025 bis Februar 2026 spiegelte nämlich das Bild einer sich aufhellenden Weltwirtschaft: Noch Anfang Jahr standen global betrachtet nicht KI- und Tech-Werte im Fokus, sondern unter den Sektoren im MSCI World setzten sich die zyklischen Bereiche Industrie, Grundstoffe sowie ab Januar Energie an die Spitze. Selbst Basiskonsum erlebte eine Renaissance.Das Aufleben der Konjunkturhoffnung lese ich auch als positives Zeichen für hiesige Industrie- und insbesondere Bauunternehmen, die mit künstlicher Intelligenz wenig zu tun haben.InhaltsverzeichnisPositive Signale für GeberitZehnder fokussiert auf das RichtigeSiegfried: das Warten auf den GrosskundenauftragABB verändert den SMIKomax schlittert noch stärker in die KrisePositive Signale für GeberitDie Analysten der Helvetischen Bank sehen im Fall von Geberit Licht am Horizont. Eine Trendwende im deutschen Wohnungsbau kündigt sich an. Wie das Statistische Bundesamt vergangene Woche mitteilte, wurde im Zeitraum von Januar bis April 2026 in Deutschland der Bau von 83'700 Wohnungen in neuen sowie bereits bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren 13,2% mehr als im Vorjahreszeitraum.Quelle: Statistisches BundesamtKlar, die Vergleichsbasis ist nach zwei sehr schwachen Jahren tief, doch es sind in jedem Fall gute Nachrichten für die Sanitärspezialistin aus Rapperswil-Jona. Geberit generiert mehr als 30% des Umsatzes in Deutschland und konnte dort stetig Marktanteile gewinnen. Ein Mega-Aufschwung in Deutschland ist zwar nicht zu erwarten, doch «für Geberit lässt der Gegenwind nach», wie die Analysten schreiben. Sie erwarten, dass sich dies auch im Umsatz des Unternehmens bald zeigen werde.Ich hoffe wiederum, dass sich die positiven Signale im Aktienkurs zeigen werden.Nach Beginn des Iran-Kriegs hatten die Aktien von Geberit angesichts der sich eintrübenden Konjunkturstimmung heftig nach unten korrigiert, was für mich in dieser Ausprägung nicht nachvollziehbar war. Fundamental hat sich an der starken Marktpositionierung des Unternehmens nichts geändert. Ich habe die Schwäche zum Zukauf genutzt.Zehnder fokussiert auf das RichtigeVon einer Belebung im deutschen Wohnungsbau würde auch Zehnder profitieren. Der Spezialist für Lüftungen und Heizungen erwirtschaftet schätzungsweise 30% des Umsatzes in Deutschland.Wobei es nicht lange her ist, als das letzte Mal Hoffnung aufkeimte, die jäh erstickt worden ist. Bereits vor einem Jahr hatten angekündigte Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur und steuerliche Vorteile aus der deutschen Finanzwende zusammen mit ersten Anzeichen einer Belebung im Wohnungsbau die Aktien angetrieben. Kunden füllten die Lager auf.Bis Mitte Februar 2026 hatte sich der Kurs auf fast 90 Fr. mehr als verdoppelt. Doch spätestens mit dem Angriff der USA und Israels auf Iran und dem folgenden Anstieg des Ölpreises verpuffte auch bei Zehnder die Zuversicht.Noch sieht man im Aktienkurs wenig, trotz positiver Unternehmensnews: Letzte Woche kündigte das Management an, das europäischen Geschäft bis Ende Jahr in zwei Divisionen aufzuspalten, die jeweils die volle Verantwortung tragen. Dies wegen unterschiedlicher Markttrends und Anforderungen. Während der Bereich Lüftung zuletzt kräftig gewachsen ist und 2025 wie schon in den Vorjahren den Hauptteil zum Betriebsgewinn beigesteuert hat, befindet sich das Geschäft mit Radiatoren im Turnaround. Insgesamt steigerte Zehnder den Umsatz 2025 um 8% auf knapp 761 Mio. Fr., die operative Marge auf Stufe Ebit betrug 8,3%.Für alle Beobachter, mit denen ich gesprochen habe, ist klar: Die Auftrennung legt die organisatorische und rechtliche Grundlage zum Verkauf des Radiatorengeschäfts, das noch rund 35% zum Umsatz beisteuert. «Auch die sonstige Kommunikation, etwa am Investorentag deutet in diese Richtung. Radiatoren gehören nicht mehr zum Kerngeschäft», sagt Philipp Murer, Portfoliomanager bei der Bank Reichmuth.Die unmittelbaren Vorteile aus der jetzigen Reorganisation dürften wohl durch die entstehenden Kosten (10 Mio. Fr., 13 bis 15% des geschätzten Ebit für 2026) zunächst neutralisiert werden. Dadurch ist die Margenerwartung ans laufende Jahr hinfällig geworden, wie es mein Kollege Henning Hölder in seiner Analyse vergangene Woche bereits befürchtet hatte.Doch die Mittelfristziele eines jährlichen Umsatzwachstums von 5% und einer Betriebsgewinnmarge zwischen 9 und 10% sind gemäss Management intakt. Und ein späterer Verkauf des Radiatorengeschäfts wäre – je nach Verkaufspreis – durchaus auch aus Investorensicht spannend: Als reiner Anbieter von Luftklimalösungen dürfte Zehnder wohl schneller wachsen und ein verbessertes Margenprofil auf weisen. Hinzu kommen eine solide Bilanz und eine vernünftige Bewertung.Siegfried: das Warten auf den GrosskundenauftragEbenso enttäuschend ist der Kursverlauf von Siegfried in diesem Jahr. Die Titel des Pharma-Auftragsfertigers haben seit ihrem Zwischenhoch Ende Januar rund ein Drittel verloren. Mittlerweile notiert der Kurs mit 68 Fr. so tief wie seit fast drei Jahren nicht mehr.Auslöser des Abwärtstrends war ein überraschend vorsichtiger Ausblick der Zofinger. Für das laufende Jahr stellte das Unternehmen lediglich ein Umsatzwachstum im tiefen einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Der Analystenkonsens hatte – auch aufgrund günstiger Vorjahresvergleichswerte – eher mit einem hohen einstelligen Umsatzwachstum gerechnet.Doch weil das Siegfried-Management darauf hinwies, dass die Bestätigung für einen grösseren Auftrag noch ausstehe und man daher bei der Umsatzplanung lieber vorsichtig sei, werteten einige Analysten den Ausblick als Understatement. Dazu passte die unter einigen Marktbeobachtern verbreitete Interpretation, wonach das Unternehmen der neuen Finanzchefin Tania Micki – bislang CFO von Tecan – mit Blick auf den im Sommer anstehenden Wechsel bewusst keine allzu ambitionierte Guidance mit auf den Weg geben wollte.Auch ich sah im Frühjahr Potenzial für positive Überraschungen im Jahresverlauf. Bislang haben sich diese allerdings nicht eingestellt. Der Markt wartet weiterhin auf die Bestätigung des Grossauftrags. Zudem belasten Sorgen bezüglich Überkapazitäten im Fill-&-Finish-Segment von Siegfried, in dem Medikamente wie GLP-1-Präparate abgefüllt und verpackt werden, den Aktienkurs.Als vorläufige Krönung des negativen Sentiments stufte die UBS die Siegfried-Aktien vergangene Woche auf «Neutral» zurück. Als Gründe führten die Analysten neben dem ausbleibenden Auftrag eines Top-10-Kunden und den befürchteten Überkapazitäten im Markt auch den langsamer als erwartet verlaufenden Hochlauf der neuen Produktionskapazitäten an.Vontobel-Analystin Sibylle Bischofberger sieht die Kursschwäche dennoch als Kaufgelegenheit: Dass der grosse Kunde die Bestellung bislang nicht ausgelöst habe, sei zwar nicht hilfreich. «Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Wegfall von Umsatz, sondern lediglich um eine zeitliche Verschiebung nach hinten.» Auch mögliche Überkapazitäten im Fill-&-Finish-Segment seien aus ihrer Sicht nicht dramatisch. «Das Portfolio von Siegfried ist breit genug aufgestellt, um Schwächen in einzelnen Segmenten zu kompensieren», so Bischofberger.Auch ich halte die Siegfried-Aktien weiterhin für kaufenswert – auf dem aktuellen Kursniveau umso mehr. Das Unternehmen gehört zu den Profiteuren des Nearshoring- und Reshoring-Trends, der die Medikamentenproduktion zurück in den Westen verlagert. Positiv bewerte ich zudem das Risikoprofil von Siegfried. Dank der getätigten Investitionen dürfte das Unternehmen in den kommenden Jahren schneller als der Markt wachsen und aufgrund von Skaleneffekten auch bei der Profitabilität sukzessive aufholen. Gleichzeitig fallen die Investitionen deutlich geringer aus als bei anderen Auftragsfertigern wie Bachem oder Lonza, was das Risiko begrenzt und die Aktien defensiver macht.ABB verändert den SMIIch gebe es zu, das Timing für diesen Beitrag könnte angesichts der wieder aufkommenden Skepsis gegenüber KI-Gewinnern besser sein. Und doch muss ich es noch einmal betonen: Die Aktien von ABB beeindrucken mich, allein seit Anfang Jahr beträgt das Kursplus fast 50%. Das treibt auch den SMI an: Gut 430 der gut 700 Punkte, die der Schweizer Leitindex dieses Jahr zugelegt hat, gehen auf das Konto des Industriekonzerns.ABB ist in den vergangenen Jahren vom schwerfälligen Konglomerat zum dynamischen Gewinner im Bereich der künstlichen Intelligenz gewachsen: Mittlerweile erwirtschaftet das Unternehmen rund 9% des Umsatzes mit Infrastruktur rund um Rechenzentren. Die Bücher seien auf Jahre hinaus mit Aufträgen gefüllt, sagte CEO Morten Wierod in den vergangenen Wochen gegenüber Medien und Investoren.Das verändert nicht nur die Wahrnehmung des Konzerns, sondern den Schweizer Markt insgesamt. Der traditionell defensiv geprägte SMI wird zunehmend zyklischer: Neben ABB haben zuletzt auch UBS und Richemont klar an Marktwert und damit an Gewicht zugelegt.Gleichzeitig kamen mit Roche und Nestlé bisher zwei der drei Indexschwergewichte nicht vom Fleck. Womit ihr Anteil am Gesamtmarkt seit Ende 2021 doch spürbar von 18% auf 16 und 14,4% geschrumpft ist. Das Gewicht der drei Defensiven ist insgesamt von klar über 50 auf knapp 47% gesunken.Komax schlittert noch stärker in die KriseDie Aktien von Komax befinden sich im freien Fall, am Dienstag sorgte eine Kurszielsenkung des Finanzdienstleisters Kepler Cheuvreux von 80 auf 55 Fr. für weiteren Druck auf den Kurs.Die Krise des Maschinenbauers ist mittlerweile mannigfaltig.Da ist schwierige Marktumfeld: Der Niedergang der westlichen Automobilindustrie trifft das Unternehmen hart. BMW hat die Börse vergangenen Woche mit einer heftigen Gewinnwarnung aufgeschreckt. Der deutsche Premiumautobauer erwartet wegen der zunehmenden Konkurrenz aus China erneut einen markant tieferen Gewinn. Die Maschinen von Komax werden zur Herstellung von Kabelbäumen für Fahrzeuge benötigt; gegen 65% des letztjährigen Umsatzes von 581 Mio. Fr. dürften aus dem Automobilsektor stammen.Auch Komax selbst leidet seit einigen Jahren unter neuen Konkurrenten aus China, die einfachere, pragmatischere und günstigere Kabelverarbeitungsmaschinen anbieten. Und weil sich der Schwerpunkt der globalen Automobilindustrie in rasantem Tempo nach China verlagert hat, muss Komax dort kräftig aufholen. Respektive müsste: Offensichtlich gelingt es den Innerschweizern bisher nicht, dem Konkurrenzdruck etwas entgegenzusetzen.Kurz: Eine kräftige und nachhaltige Erholung des Automobilgeschäfts von Komax zeichnet sich derzeit nicht ab.Entsprechend will das Management die Kosten derart senken, dass das Unternehmen auch bei einem Umsatz von 540 Mio. Fr. noch profitabel wirtschaften kann. Ob dies gelingt, ist jedoch unklar, und langfristig führt ohnehin kein Weg am Ausbau des Umsatzanteils in anderen Geschäftsbereichen vorbei, will das Unternehmen nicht gänzlich verschwinden. Doch die eingeleiteten Massnahmen greifen nur langsam.Dies wohl auch, weil die Investitionsfähigkeit beschränkt ist. Die Krise der vergangenen Jahre hat Spuren in der Bilanz hinterlassen: 2025 fiel der freie Cashflow markant ins Minus, die Nettoverschuldung schwoll das zweite Jahr infolge an und liegt mit 112 Mio. Fr. mittlerweile beim 4,3-Fachen des Betriebsgewinns auf Stufe Ebitda. Laut den Analysten von Kepler halte Komax zwar die Auflagen seines Konsortialkredits ein und auch die Eigenkapitalquote von mehr als 50% liege im grünen Bereich, die Banken seien deshalb bislang nicht beunruhigt. Aber wenn sich die operative Situation nicht bald bessert, dürfte auch diese Schlinge enger werden.Womit wir bei den Verfehlungen das Managements sind. Die ehemalige Unternehmensführung unter CEO Matijas Meyer hat die strukturellen Probleme zu spät erkannt oder zumindest zu spät gehandelt. Das Kostenmanagement und die bessere Diversifikation wurden über Jahre vernachlässigt. Mittlerweile sind Meyer und Finanzchef Christian Mäder weg. Das Vakuum an der Unternehmensspitze in dieser herausfordernden Zeit muss Verwaltungsratspräsident Andreas Häberli füllen, der Komax derzeit ad interim führt.Doch auch Häberlis Optionen sind aufgrund des anhaltenden Kostendrucks und der sich eintrübenden Bilanzsituation begrenzt. Einen schnellen Turnaround sehe ich nicht.Freundlich grüssen im Namen von Mr MarketHenning Hölder, Carla Palm und Gabriella Hunter