Der Kurs des deutschen Bauspezialisten ist seit Oktober um mehr als die Hälfte gefallen. Ein Gesetzesentwurf zum Stromnetzausbau verunsichert Investoren. Doch CEO und Aufsichtsratschef haben Aktien im Millionenwert gekauft.22.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenKettenbagger von Vorwerk beim Bau einer Rohrleitung.Friedrich VorwerkDies ist ein Artikel aus dem digitalen Finanzmagazin «The Market NZZ».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Friedrich Vorwerk hat nach dem jahrelangen starken Kursanstieg ab dem Herbst 2025 an der Börse einen harten Rückschlag eingesteckt: Der Kurs hat sich seit dem Hoch mehr als halbiert. Einer der Gründe ist ein deutscher Gesetzesentwurf, der den günstigeren Hochspannungsleitungen künftig Vorrang vor Erdkabeln einräumen soll. Die Gesetzesänderung wird derzeit im Bundestag debattiert, die erste Beratung fand am 11. Juni statt.«Gegenwärtig erzielen wir 30 Prozent des Umsatzes im Erdleitungsgeschäft», sagt der Finanzchef Tim Hameister im Gespräch mit «The Market NZZ». Die Gesetzesänderung habe kurz- und mittelfristig keine Auswirkungen, sondern nur langfristig, sagt der CFO. Beim Bau von Hochleitungen wird Friedrich Vorwerk bislang nicht mandatiert. Hameister zeigt sich zuversichtlich, dass ausreichend Geschäft beim Stromnetzausbau für sein Unternehmen übrig bleibt: «Es bricht nicht der gesamte Stromkabelmarkt weg.»Die Einschätzung des CFO deckt sich mit der Sicht von Netzbetreibern, obwohl die liebend gern günstigere Freikabel nutzen würden. Werner Götz, der Chef des Stuttgarter Betreibers von Übertragungsnetzen Transnet BW, glaubt nicht an ein Comeback der Strommasten, wie er Ende Mai der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» sagte. Denn bevor die Gesetzesänderung von der Regierung verabschiedet worden sei, sei sie an entscheidenden Stellen und mit weitreichenden Folgen abgeändert worden. «Der Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums schrieb vor, dass Freileitungen gebaut werden sollen. Aber in der von der Regierung beschlossenen Gesetzesfassung wird diese Festlegung stark aufgeweicht und faktisch wieder infrage gestellt», sagte Götz.Mehr noch: Friedrich Vorwerk hätte selbst bei einem starken Rückgang des Stromnetzgeschäfts andere Märkte, um weiter zu wachsen, sagt der CFO Hameister. Der Aufbau des Leitungsnetzes für Wasserstoff laufe an. Auch für den Transport von Kohlendioxid (CO2) werde ein Leitungsnetz gebaut. «Unsere Ressourcen sind fungibel», fügt er hinzu. Die schweren Baumaschinen für das Verlegen von Erdkabeln kann das Unternehmen auch zum Bau von Rohrleitungen für Wasser, Gas oder Wasserstoff verwenden.Infrastrukturspezialist mit DeutschlandfokusFriedrich Vorwerk erzielte 2025 fast den gesamten Umsatz in Deutschland (697 von 704 Millionen Euro). Das Unternehmen baut Rohrleitungen und Anlagen für Netzbetreiber, Industrie, Kommunen und Energieversorger. Damit sollte das SDAX-Mitglied aus Tostedt bei Hamburg in den kommenden zehn Jahren kräftig vom deutschen Infrastrukturfonds mit 500 Milliarden Euro Volumen profitieren.Erweitern Sie Ihr NZZ-Abonnement um «The Market NZZ»Als NZZ-Kunde erhalten Sie «The Market NZZ» für 29.60 Euro statt 37 Euro im Monat. Testen Sie jetzt das flexible Angebot. Monatlich kündbar.Zum rabattierten Angebot für NZZ-Abonnenten«The Market NZZ» hatte die Aktien erstmals im Oktober 2024 erwähnt bei Kursen um 30 Euro. Anfang März hatte die Redaktion den Titel als einen der Gewinner der deutschen Finanzwende genannt, bei Kursen um 80 Euro. Der Kurs ist seither zeitweilig auf weniger als 60 Euro gefallen, zuletzt aber wieder auf rund 70 Euro gestiegen.CEO und Aufsichtsratschef investieren Millionen in VorwerkDer CEO Torben Kleinfeldt arbeitet seit 2001 im Unternehmen und wurde 2012 CEO. Er hält weiter 18 Prozent der Aktien, auch nach einem Teilverkauf an die Beteiligungsgesellschaft MBB 2019 und dem IPO 2021 zu 45 Euro. Der Chefkontrolleur Christof Nesemeier und die von ihm mitgegründete Beteiligungsholding MBB übernahmen 2019 die Mehrheit bei Friedrich Vorwerk. Im Jahr 2025 hatte MBB ihren Anteil auf 44,3 Prozent gesenkt von 50,5 Prozent Ende 2024.Doch nun sehen die Insider offenbar kein Ende der starken Nachfrage am Horizont. Im Gegenteil, die Führungskräfte nutzen den starken Kursrückgang und kaufen kräftig. Der CEO Kleinfeldt hat seit dem Frühjahr Aktien für 2 Millionen Euro erworben. Die Hälfte davon bereits Anfang April bei Kursen um 68 Euro, also nahe am heutigen Niveau. Die andere Hälfte erwarb er Anfang Juni zu Kursen um 58 Euro. Der CFO Hameister kaufte zwischen dem 31. März und dem 3. Juni für 219 000 Euro.Der Grossaktionär MBB Capital griff seit dem Frühjahr für 1,4 Millionen Euro zu. Der MBB-Mitgründer Nesemeier ist zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats von Friedrich Vorwerk. 747 000 Euro investierte MBB allein am 28. Mai zu Kursen um 67 Euro.Auch Skeptiker sehen bei der erreichten Bewertung ein attraktiveres Profil für Anleger: Nach dem Kurseinbruch um mehr als 50 Prozent sei das Chance-Risiko-Verhältnis nun ausgewogen, urteilt der Analyst Leon Mühlenbruch von MWB Research, der die Aktien am 8. Juni von «Verkaufen» auf «Halten» hochgestuft hat.Wachstum und steigende Qualität der AufträgeDas Unternehmen wächst dank der öffentlichen Aufträge kräftig. Der Umsatz soll laut den bei Bloomberg erfassten Analysten 2026 und 2027 um 9 und 11 Prozent steigen. Denn Deutschland baut die Strom- und Gasnetze für die Energiewende stark aus.Zum ersten Quartal meldete das Unternehmen einen Auftragsbestand von 1,07 Milliarden Euro. Das ist deutlich mehr als der 2025 erzielte Umsatz von 704 Millionen Euro. Für Bedenken bei manchen Investoren sorgt, dass der Auftragseingang im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 5,4 Prozent zurückgegangen ist. Der CFO Hameister weist darauf hin, dass der Rückgang vor allem in Rechnungslegungsvorschriften begründet ist, da der Umsatzanteil an Arbeitsgemeinschaften für Grossprojekte nicht ausgewiesen werden darf. Unter Einbeziehung der Anteile an Gemeinschaftsunternehmen sei der Auftragsbestand gewachsen. Er stieg bis Ende März auf 1,44 Milliarden Euro. «Ein gesundes Niveau», urteilen die Berenberg-Analysten Lasse Stüben und Gerhard Orgonas.Der Auftragseingang wuchs in den ersten drei Monaten um 192 Millionen Euro (plus 5 Prozent). Die Book-to-Bill-Ratio ist dadurch auf 1,4 gestiegen. Werte über 1 zeigen eine zunehmende Nachfrage an.Ausserdem verbessert sich die Qualität der angenommenen Aufträge, weil das gestiegene Investitionsvolumen auf eine geringe Zahl von Anbietern trifft. Die Konsequenz: Die Ebitda-Marge schoss per Ende März auf 22,8 Prozent in die Höhe, nach 13,7 Prozent zwölf Monate zuvor. Bei der Marge liegt Friedrich Vorwerk vor anderen Bau- und Infrastrukturspezialisten wie Bilfinger und SPIE, aber auch vor Stromkabelherstellern wie NKT, Prysmian und Nexans oder Zulieferern wie Pfisterer (Steckverbindungen) und Asta Energy (Kupferwindungen).Nicht eingetreten ist das Risikoszenario mancher Investoren, dass Friedrich Vorwerk das starke Umsatzwachstum nur mithilfe von Drittunternehmen bewältigen könnte, was die Marge belastet hätte. «In den vergangenen beiden Jahren ist die Belegschaft um 15 Prozent gewachsen, daher konnten wir auf Drittpartner weitgehend verzichten», sagt der CFO Hameister. Bei der Personalsuche hilft es, dass andere Branchen Arbeitskräfte abbauen.Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce) soll 2026 und 2027 oberhalb von 40 Prozent liegen, nach 24 Prozent (2024) und 51 Prozent (2025) in den Vorjahren, schätzen die Berenberg-Analysten.Neues Geschäft mit SchweissroboternWachstum im Ausland verheisst eine Innovation von Friedrich Vorwerk: Das Tochterunternehmen 5C-Tech hat Roboter entwickelt, die Teilstücke von Rohrleitungen weitgehend automatisiert zusammenschweissen. Am 12. Juni verkündete der Konzern den Erhalt eines Auftrags in Kasachstan. Die Tochter nutzt ihre Technologie für den Bau einer Gasfernleitung in dem zentralasiatischen Staat. Die Schweissroboter können per Container transportiert werden und müssen nur von wenigen Fachkräften begleitet werden.Hameister sieht künftig bis zu 50 Millionen Euro Umsatzpotenzial pro Jahr. «Das Kundeninteresse ist sehr gross», sagt der CFO. Die Marge sei deutlich höher als beim angestammten Geschäft des Konzerns.Profitables Wachstum, attraktive BewertungAngesichts des hochprofitablen Wachstums sind der Unternehmenswert beim 1,4-Fachen des Umsatzes und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14 derzeit niedrig (Umsatz und Gewinn geschätzt für 2026). Das KGV liegt inzwischen weit unter dem Durchschnittswert von 20 seit dem IPO 2021.Durch den weiteren Kursrückgang ist Friedrich Vorwerk erheblich günstiger bewertet als andere Unternehmen, die am Ausbau der Energienetze und der Infrastruktur verdienen. Und das trotz der höheren Ebitda-Marge und dem strukturellen Wachstum. «The Market NZZ» hält den SDAX-Titel weiterhin für attraktiv.
Infrastrukturgewinner Friedrich Vorwerk: Die Insider nutzen den Kurseinbruch
Der Kurs des deutschen Bauspezialisten ist seit Oktober um mehr als die Hälfte gefallen. Ein Gesetzesentwurf zum Stromnetzausbau verunsichert Investoren. Doch CEO und Aufsichtsratschef haben Aktien im Millionenwert gekauft.
Friedrich Vorwerk verliert 50 Prozent durch Stromnetz-Gesetzesentwurf, doch CEO und Großaktionär kaufen 3,6 Millionen Euro Aktien. Auftragsbestand von 1,07 Milliarden Euro und Expansion in Wasserstoff-Netze/CO2-Transport sichern langfristiges Cashflow-Wachstum über Infrastruktur-Energiewende.









