Mr Market
Der Hersteller intelligenter Stromzähler enttäuschte mit einer schwachen Guidance. Ein einzelner, verspäteter Grossauftrag reichte, um die Jahresprognose zu kippen. Das geplante US-Listing verschreckt einige Investoren. Geschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Landis+Gyr steht vor ereignisreichen Wochen. Das Unternehmen aus Cham wird am 1. Juni seinen ersten Kapitalmarkttag in New York, USA, abhalten. Hintergrund ist das US-Listing, das für die zweite Jahreshälfte auf der Agenda steht und für eine Neuausrichtung im Aktionariat sorgen soll. Doch bis dahin müssen noch einige Dinge erklärt werden.Das gilt vor allem mit Blick auf den Aktienkurs, der meiner Meinung nach eine Enttäuschung ist. Seit der Ankündigung vor zwei Jahren, das Geschäft auf die USA zu fokussieren und sich dort auch kotieren zu lassen, ging es für die Titel bergab. Nach der Veröffentlichung der Jahreszahlen für 2025/2026 büssten Landis+Gyr vergangene Woche zeitweise 15% ein.Damit wächst der Druck auf CEO Peter Mainz. Denn während die Umsatzzahlen rückblickend bei vielen Analysten noch als «vernünftig» und innerhalb der Erwartungen durchgingen, hat vor allem der neue Ausblick die Anleger auf dem falschen Fuss erwischt. Statt Umsatzwachstum und Gewinn stellte Mainz einen Verlust für das laufende Geschäftsjahr in Aussicht. Für mich ist das die eigentliche Enttäuschung.Wie geht es weiter im US-Geschäft?Die Begründung lässt mich jedenfalls aufhorchen. Mainz erklärte, ein grosser Auftrag in den USA habe sich zeitlich verschoben, was nun spürbare Auswirkungen auf das laufende Geschäftsjahr habe. Offenbar haben der CEO und sein Team in den vergangenen Monaten das US-Geschäft einer eingehenden Analyse unterzogen und dabei die Verzögerung «entdeckt», wie ich gehört habe.Dass ein einzelner Grossauftrag die gesamte Jahresprognose so beeinflussen kann, ist bitter. Denn seit dem Verkauf des Europa-Geschäfts (per Ende März) erwirtschaftet Landis+Gyr rund 90% seines Geschäfts in den USA, und genau dort läuft es nun nicht rund.Der Ausstieg aus Europa wurde zuvor von vielen Investoren begrüsst, weil das Geschäft in diesem sehr fragmentierten Markt kaum profitabel war. «Positiv ist, dass der Erlös aus dem Verkauf über ein Aktienrückkaufprogramm an die Aktionäre zurückgeführt wird», so Ken Wong, Portfoliomanager des IFS Swiss Small & Mid Cap Equity Funds.In den USA wiederum sei Landis+Gyr in einem attraktiven, duopolistischen Markt unterwegs und erreiche dort etwa 40% Marktanteil. Der Bedarf an intelligenten Stromzählern sei bei den US-Versorgern hoch, zudem handle es sich um langfristige Verträge. «Die US-Versorger sind sehr konservativ. Ein Lieferant für Smartmeter wird selten gewechselt», so Wong. Allerdings hätten die Projekte eine lange Vorlaufzeit von teilweise bis zu zwei Jahren. Da könne es schon mal zu Verzögerungen kommen. Alles in allem sei das Schweizer Unternehmen in den USA «strukturell gut positioniert» und profitiere von den Zyklen der Versorger, urteilt Wong.Wann kommt das US-Listing?Trotzdem wirkt nun auch das vorgesehene US-Listing zunehmend wackelig. Zwar betont das Management, die Vorbereitungen dafür seien abgeschlossen und man müsse «nur noch auf den Knopf drücken». Doch noch ist dies nicht passiert.Möglicherweise weil die erhoffte Bewertungsprämie ausgeblieben ist. Die Aktien notieren auf einem Fünfjahrestief. Statt einer Neubewertung nach oben wurde Landis vom Markt auf ein Niveau heruntergestuft, das eher Unsicherheit als Wachstumsfantasie widerspiegelt. Derzeit sind die Titel mit dem 11-Fachen des Ebitda bewertet.Das entspricht auch der Bewertung von US-Hauptkonkurrent Itron, der mittlerweile mit dem 12-Fachen des Ebitda ähnlich tief bewertet ist. So gesehen dürfte ein US-Listing kaum Mehrwert schaffen, dafür aber zusätzliche Kosten verursachen. Gerade institutionelle Investoren in Europa fühlen sich durch die monatelange Diskussion darüber mittlerweile eher abgeschreckt, was die schlechte Kursentwicklung erklären könnte. Zudem musste sich das Management die Kritik gefallen lassen, dass durch die US-Vorbereitungen einige Kapazitäten vom Kerngeschäft abgelenkt waren.In welchem Umfang werden Aufträge umsatzwirksam?Ein weiterer Kritikpunkt, den ich höre, ist die mangelnde Transparenz beim milliardenschweren Auftragsbestand.Investoren beklagen, dass kaum nachvollziehbar ist, wann und in welchem Umfang diese Aufträge tatsächlich umsatzwirksam werden. Ein grosses Orderbuch helfe wenig, wenn der Markt die Umsetzung nicht modellieren könne.Das sind Fragen, die CEO Peter Mainz spätestens am 1. Juni gut beantworten muss.Freundlich grüsst im Namen von Mrs MarketCarla Palm







