Mr MarketJahrelang notierten die Titel der Privatbank innerhalb eines relativ engen Kursbands. Das könnte sich nun ändern. Ausserdem: Sulzer wird nur vorübergehend gebremst, Georg Fischer schliesst den Umbau ab und Dormakaba macht weiter wie bisher.The Market08.07.2026, 14.17 UhrGeschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es ist Bewegung in den Aktienmärkten. Die Nervosität der Anleger gegenüber dem Technologiesektor und insbesondere dem Thema künstliche Intelligenz hat in den vergangenen Tagen spürbar zugenommen. Darauf weist mein Kollege Christoph Gisiger in der jüngsten Ausgabe von The Pulse hin. Der Stimmungsumschwung hinterlässt auch am Schweizer Aktienmarkt deutliche Spuren.Der US-Technologieindex Nasdaq 100 gehört diese Woche erneut zu den schwächeren Indizes. Seit seinem Höchststand Anfang Juni hat er rund 5% eingebüsst, während der deutsche Dax und der Schweizer SMI Boden gut machen konnten. Die nachlassende Dynamik der Technologiewerte zeigt sich auch daran, dass der marktgewichtete S&P 500 – dominiert von Tech-Schwergewichten wie Nvidia und Alphabet – seit Mitte Mai hinter dem gleichgewichteten S&P 500 Equal Weight zurückbleibt.Ebenso ist der Nikkei 225 in Tokio vom Ende Juni erreichten Rekordhoch zurückgefallen. Der südkoreanische Kospi hat seit seinem Höchststand Mitte Juni sogar mehr als 20% verloren und befindet sich damit technisch in einem Bärenmarkt. Investoren stellen zunehmend die langfristigen Wachstumsaussichten der KI- und Speicherchiphersteller infrage, die in den vergangenen Monaten eine beispiellose Kursrally angeführt hatten.Seit dem Waffenstillstand im Nahen Osten zeichnet sich auch an der Schweizer Börse ein Favoritenwechsel ab. Profiteure der KI-Investitionen wie Centiel, Huber + Suhner und Gurit oder die Halbleiterzulieferer VAT Group und Inficon haben an Wert verloren, während insbesondere Pharmazulieferer-, Medtech und Biotech-Titel vermehrt gefragt waren.Neben den Valoren des Pharmazulieferers Lonza, die in den vergangenen Wochen zu den zehn stärksten Aktien am Schweizer Markt zählten, profitierten auch bislang zurückgebliebene Schwergewichte vom Stimmungswechsel. So legten Nestlé und Givaudan aber auch mittelgrosse Werte wie SIG Group in den vergangenen Wochen ohne unternehmensspezifische Neuigkeiten deutlich an Wert zu. Die Kursgrafiken können sich sehen lassen.Wie lange die neue Ordnung anhält ist jedoch sehr unsicher. Nach einer Gewalteskalation in der Nacht auf Mittwoch erklärte US-Präsident Donald Trump am Rande des Nato-Gipfels im türkischen Ankara den Waffenstillstand mit Iran für beendet. Wie die anderen europäischen Börsen gab auch der Schweizer Aktienmarkt daraufhin deutlich nach.InhaltsverzeichnisNach zehn Jahren Gefangenschaft bricht Julius Bär ausDie Auftragsschwäche bei Sulzer ist eine ChanceGeorg Fischer erreicht MeilensteinDormakaba bleibt sich treuNach zehn Jahren Gefangenschaft bricht Julius Bär ausApropos schöne Aktiencharts: «The longer the base, the higher the space.» Das Bonmot entspringt der Chart-Analyse, die aus Kursbildern Prognosen ableitet. Konkret bezieht sich die Aussage auf eine Entwicklung, in der sich der Kurs über einen längeren Zeitraum innerhalb einer Handelsspanne bewegen, die durch eine klare Ober- und Untergrenze definiert wird. Sie bilden jeweils ein Widerstands- und ein Unterstützungsniveau.Aber schauen Sie selbst:Seit 2018 stossen die Aktien der Privatbank Julius Bär bei rund 65 Fr. auf Widerstand und bekommen in der Tendenz bei 45 Fr. neue Unterstützung. Sprich: Wenn der Kurs die obere Spanne erreicht, dominieren die Verkäufer, fällt der Kurs ans untere Ende, greifen neue Käufer zu.In Summe prägte dieses Hin und Her den Kurs von Bär eine ganze Dekade – a long base – mit einem Anlageergebnis: 0% Kursperformance, zumindest bis kürzlich. Je länger dieses Spiel dauert, desto grösser ist gemäss den Chart-Technikern das Aufwärtspotenzial, wenn die obere Widerstandsline endlich überwunden ist – the higher the space.Nach mehreren Anläufen in diesem Jahr durchbrach der Kurs zum Monatswechsel endlich den Widerstand von 65 Fr. Am Dienstag markierten die Titel bei 75.20 Fr. ein neues Allzeithoch – und eine Fortsetzung des Aufwärtstrends ist gemäss Chart-Analyse wahrscheinlich.Der Grund liegt darin, dass langjährige – und angesichts des vergangenen Kursverlaufs tendenziell enttäuschte Anleger – die Zwischenhochs jeweils genutzt haben, um verlustfrei auszusteigen. Das hat in der Folge immer wieder Kursrückschläge verursacht.Dass das Niveau um 65 Fr. seit 2025 immer häufiger erreicht wurde, könnte nun aber dafür gesorgt haben, dass der Aktienüberhang, der sich an dieser Marke jeweils entlud, endlich beseitigt ist. Der Ausbruch auf 75 Fr. ist ein Indiz dafür – und es gibt noch keine Anzeichen, ab welcher Marke künftig mit Gewinnmitnahmen zu rechnen ist, die eine erneute Kurswende nach unten einleiten. Der Ausbruch ist bislang intakt – und könnte sich angesichts der zuvor lange währenden Seitwärtsbewegung noch akzentuieren.Aus fundamentaler Sicht kommen die Analysten im Schnitt zum Schluss, dass die Bär-Aktien auf Zwölfmonatssicht nun kein Aufwärtspotenzial mehr bieten. Doch das hängt auch an veralteten Prognosen, der Kursausbruch hat wohl einige überrumpelt. Jüngst aufdatierte Schätzungen, darunter von Schwergewichten wie Citi, JPMorgan und Goldman Sachs, sehen die Aktien nun auf Kurse um 80 Fr. zusteuern. Neue Informationen zum Geschäftsverlauf der Privatbank im ersten Halbjahr kommen am 21. Juli.Für The Market zählen die Titel jedenfalls weiterhin zu den Jahresfavoriten.Die Auftragsschwäche bei Sulzer ist eine ChanceDie Aktien des Pumpenherstellers Sulzer sind seit ihrem Jahreshöchststand um 23% gefallen. Auslöser war hauptsächlich die Eskalation am Persischen Golf, die das Auftragsmomentum gebremst hat.«Kunden mit Grossprojekten reagieren in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit sensibel, ähnlich wie beim Kompressorenhersteller Burckhardt Compression», sagt Arben Hasanaj, Analyst bei Vontobel. Hinzu kommt: Die Aktie hatte zuvor einen starken Lauf mit wiederholt positiven Überraschungen. Diese Dynamik ist vorerst gebrochen.Enttäuschend lief es im ersten Halbjahr vor allem im Servicegeschäft, das Wartung, Reparatur und Modernisierung von Pumpen, Turbinen, Kompressoren und Generatoren sowie digitale Lösungen für Energieeffizienz und vorausschauende Wartung umfasst. Als defensives Kernstück von Sulzer gilt es eigentlich als verlässliche Gewinnquelle. Nun aber haben grad einige Kunden, vor allem in den Bereichen Exploration und Raffinerie, wegen des hohen Ölpreises eigentlich anfallende Servicearbeiten verschoben und ihre Anlagen möglichst lange weiterbetrieben.Da diese Arbeiten aber nicht dauerhaft ausfallen, sind hier im zweiten Halbjahr Aufholeffekte möglich. Auch im Geschäftsbereich Flow, der Industriepumpen für Wasser und Abwasser, chemische Prozesse, Energie sowie Öl und Gas umfasst, könnte das Geschäft nach Verzögerungen langsam anziehen.Schwieriger ist die Lage bei Chemtech. Der Bereich bietet Trenn-, Misch- und Reaktionstechnologien für Chemie und Pharma an, ist bei Biokunststoffen stark positioniert und in Feldern wie chemischem Kunststoffrecycling und nachhaltigen Kraftstoffen aktiv. Derzeit befindet sich das Geschäft jedoch am Tiefpunkt: Es wächst nicht und dürfte das erste Halbjahr mit einem weiteren Rückgang abschliessen. Eine Erholung braucht hier wohl mehr Zeit. Zudem könnten sinkende oder stark schwankende Ölpreise neue Projekte im Ölbereich bremsen.Die zentrale Frage lautet, ob Sulzer trotz nachlassender Dynamik die Margenguidance für 2026 halten kann. Hasanaj hält das für möglich: «Ich denke eher schon, dank des Auftragsbestands und der laufenden Effizienzmassnahmen. Aber das Unternehmen muss sich noch mehr strecken.»Auch Patrik Jäger hält Aufholeffekte im zweiten Halbjahr für realistisch. Mittelfristig bleibe Sulzer zudem eine Optimierungsstory: Standardisierung der Produkte, stärkerer Fokus auf Service und die Fokussierung auf operative Effizienz sollten weitere Margenverbesserungen ermöglichen. «Und die Aktie ist nicht mehr teuer», betont er gleichzeitig.Tatsächlich stellt die Bewertung kein Hindernis dar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Konsensschätzungen für die kommenden zwölf Monate liegt bei 14, der Unternehmenswert entspricht gut dem Achtfachen des Ebitda. Beide Kennzahlen bewegen sich nahe oder unter dem Zehnjahresdurchschnitt.Am 28. Juli legt Sulzer die Halbjahreszahlen vor. Gut möglich, dass die Aktien wegen eines schwachen Auftragseingangs zunächst unter Druck geraten. Aus meiner Sicht könnte das jedoch die Opportunität bei Sulzer weiter erhöhen.Georg Fischer erreicht MeilensteinAuch bei Georg Fischer (GF) stockt das Geschäft, die Erholung lässt auf sich warten. Doch wenigstens kommt der Industriekonzern mit dem Umbau voran: Der Verkauf des Feingussgeschäfts an den US-Konzern Consolidated Precision Products markiert das Ende der ehemaligen Division Casting Solutions.Damit ist die strategische Neuausrichtung, die vor gut zwei Jahren begonnen hatte, endlich abgeschlossen. Nach den Verkäufen von Machining Solutions, Light Metal Casting und dem Mehrheitsverkauf von Casting Solutions konzentriert sich GF künftig vollständig auf das Piping- beziehungsweise Flow-Solutions-Geschäft. An der Börse kam der am Diensatg kommunizierte Schritt gut an.Zur positiven Börsenreaktion dürfte auch der Mittelzufluss von rund 220 Mio. Fr. beigetragen haben, der deutlich höher ausfällt als von Analysten erwartet. GF nimmt auch deutlich mehr ein als die geschätzten 154 Mio. Fr., die das Unternehmen 2018 für die Übernahme bezahlt hatte. Der Erlös soll zur Reduktion der Nettoverschuldung von 1684 Mio. Fr. verwendet werden. Der Verschuldungsgrad (Nettoverschuldung/Ebitda) lag per Ende 2025 immer noch bei 3. Das vom Management angestrebte Verhältnis von 2 liegt damit noch in weiter Ferne.Die Analysten von Vontobel und Zürcher Kantonalbank werten die Veräusserung als wichtigen Meilenstein und bekräftigen ihre positive Einschätzung zu GF. Zwar dürfte die vollständige Ausschöpfung des Potenzials der neuen Strategie angesichts der nur langsamen Erholung der Baumärkte noch Zeit benötigen. Dennoch verweisen sie auf sinkende Sonderkosten, weiteres Effizienzpotenzial und die konsequente Fokussierung des Unternehmens.Ich denke, kurzfristig könnte der Verkauf der langersehnte Auslöser für eine längere Erholung der Titel sein. Auch langfristig bleiben die Perspektiven im Bereich Infrastruktur und Gebäudetechnik attraktiv. Es ist Zeit, sich in GF zu positionieren.Dormakaba bleibt sich treuEtwas schwieriger ist die Ausgangslage bei Dormakaba. Das Schliesstechnikunternehmen steckt im Gegensatz zu GF weiter in der Transformationsschleife. Dormakaba entwickelt sich zwar in die richtige Richtung, auch dank kleinerer Akquisitionen.Erst diese Woche verkündete das Unternehmen die Übernahme der britischen Style Group und stärkt damit sein Geschäft mit mobilen Trennwandsystemen im Vereinigten Königreich. Style war bereits exklusiver Vertriebspartner der Dormakaba-Marken Skyfold und Dorma Hüppe. Mit der Akquisition erhält Dormakaba direkten Zugang zu einem etablierten Kunden- und Architektennetzwerk im britischen Markt. Das rund hundert Mitarbeitende zählende Unternehmen soll sich laut Dormakaba ab dem ersten Tag positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken.Solche gezielten Zukäufe passen zur Strategie, das Kerngeschäft auszubauen und das Wachstum schrittweise zu beschleunigen – auch wenn die operative Transformation noch nicht abgeschlossen ist. An der Börse bleibt es jedoch kompliziert.Die Konzernstruktur mit ihren erheblichen Minderheitsanteilen bleibt ein Belastungsfaktor für die Bewertung und wirkt aus meiner Sicht wie eine Bremse auf den Aktienkurs. Entsprechend halte ich mich mit einem Engagement weiterhin zurück.Freundlich grüssen im Namen von Mrs MarketRuedi Keller, Manuel Boeck, Carla Palm und Gabriella Hunter
Die Aktien von Julius Bär kommen in Schwung
Jahrelang notierten die Titel der Privatbank innerhalb eines relativ engen Kursbands. Nun sind sie ausgebrochen.







