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Wann gelingt Julius Bär endlich der Ausbruch? Der Aktienkurs der Privatbankengruppe bewegt sich seit mehr als zehn Jahren seitwärts. Nach einer Reihe von Enttäuschungen muss CEO Stefan Bollinger liefern. Zudem: Huber+Suhner prescht voran, Lem bringt sich selbst ins Spiel und Cicor baut wieder Vertrauen auf. Geschätzte Leserin, geschätzter LeserOptimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Börse ist gegenwärtig brutal: Wer mit dem Thema künstliche Intelligenz (KI) und dem Bau von Rechenzentren in Verbindung steht, wird gesucht und mit einer stetigen Höherbewertung belohnt. An der Schweizer Börse zählen ABB, Accelleron, VAT, Comet, Inficon, Belimo sowie Huber+Suhner zu diesem illustren Kreis. AMS Osram versucht sich ebenfalls im KI-Glanz zu sonnen, aber da bleibe ich, wie hier beschrieben, noch skeptisch.Dann gibt es Unternehmen, die im Verdacht stehen, dass ihr Geschäftsmodell durch KI zerstört wird. An der Schweizer Börse trifft es diesbezüglich Temenos. Egal, wie solid die Zahlen sind, die der Genfer Hersteller von Bankensoftware unter der Führung von CEO Takis Spiliopoulos liefert – sein Aktienkurs steht nahezu ohne Unterbruch unter Druck.Alle anderen Unternehmen – die weder positiv noch negativ mit dem Thema KI in Verbindung stehen – fristen ein Randdasein. Niemand scheint sich für sie zu interessieren. Dazu zählen beispielsweise die Sektoren Konsumgüter und Gesundheit.Nach wie vor einen grandiosen Lauf zeigt Huber+Suhner. Seit Anfang Jahr haben die Titel des Ostschweizer Industrieunternehmens mehr als 70% zugelegt. Die Lichtwellenschalter (optical switches) von H+S helfen, die Datenübertragung in Rechenzentren effizienter, energiesparender und günstiger zu machen. Ich habe mich vor einem Jahr an dieser Stelle über das grosse Potenzial geäussert, das sich H+S mit seinem Tochterunternehmen Polatis in Polen erarbeitet hat. Den Applaus für das weitsichtige Erkennen dieser Entwicklung hat Bernd Laux verdient; der Leiter Research bei der Zürcher Kantonalbank hat die Aktien von Huber+Suhner früh empfohlen.Laux ist weiterhin zuversichtlich. Das Hochfahren der automatisierten Produktion der optischen Switches in Polen sei weitgehend auf Kurs, marginale Verspätungen stellen aus seiner Sicht kein Problem dar. Es zeichne sich ab, dass dieser Markt bis 2030 auf 4 bis 5 Mrd. $ wachsen wird, schreibt Laux in einer Kurzstudie. Die primären Wettbewerber seien H+S und die amerikanische Lumentum – es scheint sich also eine Art Duopol in diesem lukrativen Segment zu bilden.Laux hält an seiner «Übergewichten»-Empfehlung fest. Ich teile seine Meinung. Die Wachstumsstory von H+S ist noch lange nicht zu Ende. Ein nächstes wichtiges Datum: Am 18. September führt H+S den Investorentag durch. Den sollte man nicht verpassen.Inhaltsverzeichnis Wann endlich gelingt Julius Bär der Ausbruch? Lem bringt sich selbst ins Spiel KI fordert Reiseplattformen wie Lastminute Cicor gewinnt wieder Vertrauen Wann endlich gelingt Julius Bär der Ausbruch? Seit mehr als einer Dekade zeigt der Aktienkurs von Julius Bär dasselbe Muster: Auf rasante Kursanstiege auf ein Niveau von jeweils rund 65 Fr. folgen Abstürze.2022 drückte die Zinswende auf den Kurs, ab Mitte 2023 belasteten erst Gerüchte und danach die Gewissheit: Bär hatte dem inzwischen konkursiten österreichischen Immobilienspekulanten René Benko Kredite in Höhe von mehr als 600 Mio. Fr. gewährt – und diese danach vollständig abschreiben müssen.Anfang 2025 war der Kurstaucher ausgebügelt – doch dann präsentierte Bär das Jahresergebnis, das einen erneuten Rückschlag auslöste: Die erwartete Dividendenerhöhung blieb aus, die Hoffnung auf ein substanzielles Aktienrückkaufprogramm löste sich in Luft auf. Die Finanzmarktaufsichtsbehörde Finma führte wegen des Benko-Skandals ein Verfahren, was eine Kapitalrückführung in Form eines Aktienrückkaufs verunmöglichte.Das Verdikt der Finma steht bis heute aus, das Rückkaufprogramm liegen weiterhin auf Eis.All das schafft Verunsicherung – und auch dem Management unter dem seit Anfang 2025 amtierenden CEO Stefan Bollinger ist es noch nicht gelungen, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen: Trotz der Erwartung, dass die Überprüfung aller Kreditbücher ausgestanden sei, die Bär im Nachgang zu Benko eingeleitet hatte, kam im November ein zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf von rund 150 Mio. Fr. zum Vorschein. Die Zahlen zum Geschäftsjahr 2025 waren nicht berauschend.Entsprechend setzt sich das dekadenalte Kursmuster 2026 bislang fort – mit einer kleinen Auffälligkeit: Am vergangenen Donnerstag haben die Titel bei 68.10 Fr. endlich ein Allzeithoch markiert. Doch die Freude währte kurz. Am Tag danach präsentierte die Privatbankengruppe die Zahlen zum Geschäftsgang in den ersten vier Monaten des Jahres. Sie spiegelten erneut unerwartet starke Nachwehen des fast drei Jahre alten Benko-Skandals – und der Kurs knickte abermals ein.«Beeinflusst durch die fortgesetzte Umsetzung des umfassend überarbeiteten Risiko- und Compliance-Rahmens der Gruppe» wurde die Neugeldrate auf 1,7% zurückgebunden, meldete Bär. Das ist die zentrale Kennzahl für das Wachstum und die künftige Ertragsbasis. Will heissen: Die Risikoscheu, die sich Bär nach dem Benko-Skandal auf die Fahne geschrieben hat, führt dazu, dass die Akquise von Neukunden schwieriger wird – oder gar weitere Altlasten bereinigt werden mussten.Das hatte in diesem Ausmass niemand erwartet, dem Vernehmen nach nicht einmal das Management. Die Investoren mussten jedoch erneut lernen: Die Zügelung des Risikoappetits belastet die Geschäftsperspektiven von Bär noch immer.Augenfällig wird die verhaltene Neugeldentwicklung von Bär im Vergleich mit der direkten Konkurrentin EFG International: Während der Neugeldfluss von Julius Bär von zuvor annualisiert mehr als 4% auf ein Rinnsal von 1,7% geschrumpft ist, zeigte EFG eine Ausweitung des Wachstums auf mehr als 6%.EFG ist seit Jahren auf Erfolgskurs, Bär strauchelt immer wieder. Wie bitter dieser Zickzackkurs für die Aktionäre ausfällt, illustriert der Kursvergleich:Über fünf Jahre betrachtet haben die Aktionäre von Bär kaum einen Kursgewinn eingefahren, die EFG-Investoren hingegen sitzen auf mehr als einer Verdoppelung ihres Einsatzes.Der Kursverlauf zeigt aber auch: Nach der Bewertungsexpansion der EFG-Aktien auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 (bezogen auf den vom Bloomberg-Konsens über die nächsten zwölf Monate geschätzten Gewinn), korrigieren die Titel nun. Die Bär-Aktien fahren zwar noch immer einen Zickzackkurs, dieser zeigt in der Tendenz aber nach oben. Die Bewertung zu einem KGV von 11 lässt weiteren Spielraum für Kursgewinne.Substanzielle Neuanstellungen von Kundenberatern wecken zudem die Hoffnung, dass das Neugeld-Wachstum bei Bär künftig wieder anziehen könnte. Auf welchem Niveau sich das Wachstum und die Profitabilität einpendeln wird, nachdem sich Bär einer neuen Risikokultur verschrieben hat, ist zwar offen. Erwartbar ist aber, dass die Risikominderung zumindest mehr Stabilität bringen und die Kadenz von Rückschlägen abnehmen sollte.Wenn sodann auch das Verdikt der Finma zum Benko-Skandal vorliegt – und nicht unerwartet drastisch ausfällt –, könnte Bär endlich die Schleusen für Ausschüttungen öffnen und über Aktienrückkäufe überschüssiges Eigenkapital an die Aktionäre zurückführen.Zwar bieten sowohl EFG als auch Bär steigende Dividenden mit Renditen von jährlich mehr als 4%. Zusätzlich dazu sehen die Analysten von Bank of America bei Julius Bär jedoch Überschusskapital, das sich seit der Sistierung von Aktienrückkäufen auf mittlerweile 1,4 Mrd. Fr. auftürmt. Das entspricht mehr als 10% der Marktkapitalisierung, die nach Abschluss des Finma-Verfahrens zur Ausschüttung gelangen könnten. Wann das sein wird, ist offen, dass eine Ankündigung noch in diesem Jahr erfolgt, jedoch wahrscheinlich.Verteilt man den Pool für Aktienrückkäufe auf zwei Jahre und addiert dazu die Dividendenrendite, versprechen die Titel für die nächsten Jahre damit eine Ausschüttungsrendite von gegen 10%. Auch das zeigt Spielraum für eine Höherbewertung an – hoffentlich nicht unmittelbar gefolgt vom nächsten Rückschlag.Ich halte an meiner Kaufempfehlung für Julius Bär fest. Lem bringt sich selbst ins Spiel Bei Lem war in den vergangenen Monaten einiges los. Das Geschäftsmodell wurde verändert; das Unternehmen bewegt sich weg vom Nischenanbieter hin zu einem Volumenhersteller. Die Aktivitäten in Forschung und Entwicklung wurden von Europa nach Asien verlagert. Dort ist auch ein Grossteil der Kunden zu finden. Das kleine Schweizer Unternehmen (Marktkapitalisierung: rund 370 Mio. Fr.) ist auf Strom- und Spannungssensoren für Anwendungen in E-Mobilität, Industrieautomation, Energieinfrastruktur und Rechenzentren spezialisiert. 37% des Umsatzes erwirtschaftet Lem in China.An der Börse lief es zuletzt weniger rund, im vergangenen Jahr fiel der Aktienkurs von knapp 890 Fr. auf zwischenzeitlich nur noch 260 Fr. Viele Fondsmanager verloren die Geduld; Philipp Murer etwa von Reichmuth verkaufte seine Lem-Position im vergangenen Jahr komplett.Da überrascht es, dass Lem nun offenbar strategisches Interesse mehrerer Parteien geweckt hat, wie das Unternehmen diesen Dienstag mitteilte. Den Aktien gelang daraufhin ein Kurssprung von 26%.Ich kann mir vorstellen, dass das Interesse sowohl von strategischen Käufern als auch von Finanzinvestoren (Private Equity) kommt. Bei den strategischen Interessenten erscheinen weniger Kunden wie Eaton, Honeywell oder ABB wahrscheinlich, sondern eher Mitbewerber wie Melexis, TE Connectivity, Sensata, TDK oder auch der direkte US-Konkurrent Allegro Microsystems, wie ich gehört habe.Für die Aktionäre von Lem ist es jedenfalls eine gute Nachricht, dass der Verwaltungsrat alle strategischen Optionen prüft. Grundsätzlich bleibt Lem ein Unternehmen, das langfristig von strukturellen Wachstumstreibern profitieren sollte, wie etwa die Analysten der Helvetischen Bank schreiben. Operativ jedenfalls erfüllte Lem die Prognosen der Analysten für das Geschäftsjahr 2025/26 am oberen Ende, wie ebenfalls am Dienstag bekannt wurde. Positiv überraschte der Auftragseingang. Dank Kostensenkungsmassnahmen hielt sich die bereinigte Ebit-Marge bei 9,1%, während der freie Cashflow vor Restrukturierungskosten 40 Mio. Fr. erreichte und sich die Nettoverschuldung auf 60 Mio. Fr. reduzierte.Das solide Geschäft und das Käuferinteresse bildeten die Grundlage für zwei positive Analystenkommentare, die heute Mittwoch folgten. So hat das Team von Research Partners die Aktie von «Halten» auf «Kaufen» hochgestuft und ein Kursziel von 515 Fr. festgelegt, während Vontobel-Analyst Arben Hasanaj das positive Momentum von Lem lobte, das «Kaufen»-Rating bestätigte und das Kursziel von 550 auf stolze 600 Fr. anhob.Ich erwarte weiteren Rückenwind für die Titel. KI fordert Reiseplattformen wie Lastminute Künstliche Intelligenz prägt zunehmend auch die Reiseplanung. Gemäss Daten von McKinsey nutzten 2025 bereits 30% der Reisenden grosse Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) wie ChatGPT intensiv für die Reisevorbereitung, nach 13% im Vorjahr. Bei Booking.com stammen bereits rund 40% des Traffics von Suchmaschinen oder LLMs. Geschadet hat dies dem Unternehmen bislang nicht.Dennoch bleibt die Entwicklung für Online-Reiseplattformen wie Lastminute.com relevant, hält die Zürcher Kantonalbank in einer Studie fest. Offen bleibt, ob das Unternehmen seine Marktposition langfristig halten kann, ob neue Akteure in den Markt drängen und wie stark KI das Buchungsverhalten verändert. Gleichzeitig arbeitet Lastminute.com bereits mit LLMs wie ChatGPT und Claude zusammen. Bei Flügen ist das Unternehmen gemäss ZKB schon in das KI-Ökosystem integriert.Bei Anthropic (Claude) läuft dies über ein Connector-Verzeichnis: Wer gelistet ist und die technischen Anforderungen erfüllt, kann bei passenden Suchanfragen erscheinen. Derzeit ist die Aufnahme kostenlos. Langfristig könnten LLMs für prominente Platzierungen jedoch Geld verlangen, ähnlich wie Google. Für Lastminute.com lautet eine zentrale Frage daher: Steigen die Marketingkosten, weil neben Google auch LLMs bezahlt werden müssen? Oder senkt der Wettbewerb zwischen Suchmaschinen und Sprachmodellen die Abhängigkeit von Google und damit langfristig die Marketingaufwendungen?Ich frage mich zudem, wie viel KI letztlich von dem übernehmen kann, wofür Kunden heute Online-Reiseplattformen wie Lastminute.com nutzen: Inspiration, Suche, Vergleich und perspektivisch auch die Buchung selbst. Geht es am Ende um Letzteres, ist klar, was die Stunde geschlagen hat.Ich mache einen Bogen um die Aktien. Cicor gewinnt wieder Vertrauen Im vergangenen Jahr gehörten die Aktien von Cicor zu den Überfliegern, trotz einer deutlichen Korrektur im Dezember nach der gesenkten Guidance für 2025. Vor den Jahreszahlen Anfang März stand daher weniger das abgelaufene Jahr im Fokus als der Ausblick und die Frage, ob das Vertrauen der Börse ins Management unter CEO Alexander Hagemann noch gerechtfertigt ist. Die Antwort fiel ernüchternd aus: Vor allem wegen des vorsichtigen Ausblicks für 2026 brach der Aktienkurs erneut ein.Es dauerte bis Mitte April, bis der Kurs wieder anzog.Für die zuletzt beobachtbare Dynamik gibt es zwei Gründe. «Ich denke, das verlorene oder angeknackste Vertrauen der Investoren nach den Hiobsbotschaften im Dezember und Januar kehrt allmählich zurück», sagt ZKB-Chefanalyst Laux. Zudem meldete Cicor Mitte April für das erste Quartal einen starken Auftragseingang von plus 56% gegenüber Vorjahr. Zudem gab es den Hinweis, dass sich die Dynamik im zweiten Quartal in ähnlicher Form fortsetzt.Auch die Zurückhaltung bei weiteren Übernahmen dürfte positiv gewertet werden. Das Management nimmt sich Zeit, die Akquisitionen des Jahres 2025 vollständig zu integrieren, bevor neue Deals folgen. Das bedeutet 2026 voraussichtlich weniger Akquisitionen als 2025, schafft aber ein solideres Fundament.Laux sieht Cicor auf gutem Weg, an die Erfolge von 2025 anzuknüpfen. Entscheidend wird nun sein, dass das Unternehmen mit den Halbjahreszahlen, dem Neunmonatsbericht im Herbst und dem Gesamtjahr 2026 das versprochene profitable Wachstum liefert.Der Kurspfad zeigt wieder nach oben, wenn auch nicht mehr mit der Steilheit der ersten zehn Monate 2025. Dafür hat Hagemann zu viel Vertrauen verspielt. Nun muss er liefern, denn Enttäuschungen werden weiterhin gnadenlos abgestraft.Freundlich grüssen im Namen von Mr MarketCarla Palm, Ruedi Keller, Manuel Boeck und Mark Dittli