Götterdämmerung am Zugersee: Partners Group und ihr Geschäftsmodell haben an Glanz verlorenPartners Group kauft Firmen, trimmt sie auf Profitabilität – und verkauft sie mit möglichst viel Gewinn. Das Geschäftsmodell machte die Gründer zu Milliardären. Doch in letzter Zeit häuften sich die Negativschlagzeilen.23.05.2026, 21.45 Uhr6 LeseminutenDie Partners Group von Alfred Gantner (links) übernahm Ende 2022 eine Mehrheit an der Uhrenmarke Breitling. CEO des Unternehmens ist Georges Kern (rechts).Dan CermakEin langer, leer geräumter Konferenztisch. An dessen Ende sitzt Steffen Meister, Verwaltungsratspräsident von Partners Group. Der 57-Jährige arbeitet seit einem Vierteljahrhundert für die Zuger Beteiligungsgesellschaft, die rund um den Globus an Hunderten Firmen beteiligt ist. Meister wirkt entspannt, sagt dann aber bestimmt: «Wir lassen uns das nicht gefallen.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Er spricht von dem Ende April veröffentlichten Bericht der amerikanischen Investmentfirma Grizzly Research. Darin heisst es, Partners Group sei «schlimmer als Wirecard» – einer der grössten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte.Die Vorwürfe sind schwerwiegend – und gemäss den Einschätzungen von Finanzanalysten haltlos. Dennoch blieb der Angriff nicht ohne Folgen. Die Aktie verlor am Tag der Publikation 4 Prozent an Wert. Grizzly Research und deren Verbündete, die auf das Short Selling, also auf Leerverkäufe, spezialisiert sind, profitierten. Sie hatten im Vorfeld auf fallende Kurse gesetzt.Zwar stabilisierte sich der Kurs rasch wieder, nachdem der Markt die Haltlosigkeit der Vorwürfe erkannt hatte. Dennoch will Partners Group nicht zur Tagesordnung übergehen: «Wir haben uns entschieden, juristisch gegen die Verantwortlichen von Grizzly Research vorzugehen», sagt Meister im Gespräch mit der «NZZ am Sonntag».Gegenwind für die ErfolgsverwöhntenDie Attacke wird dem Ansehen von Partners Group langfristig kaum schaden. Allerdings sieht sich der Konzern mit zahlreichen anderen Problemen konfrontiert, die durchaus an der Reputation kratzen.Angesichts des Geschäftsmodells ist das wenig überraschend: Partners Group kauft mit dem Geld von grossen Investoren, etwa Pensionskassen und Versicherungen, Unternehmen auf, deren Aktien nicht an der Börse gehandelt werden. Diese sogenannten Private Equitys werden grösser und profitabler gemacht – und dann mit Gewinn weiterverkauft oder an die Börse gebracht. So zumindest der Plan.Solche Transformationen sind oft mit Restrukturierungen verbunden und können deshalb schmerzhaft sein. Umso erstaunlicher ist es, dass Partners Group mit ihren Firmenbeteiligungen lange Zeit kaum für Negativschlagzeilen sorgte. Im Gegenteil: Das Unternehmen zählt zu den grössten Erfolgen der jüngeren Schweizer Wirtschaftsgeschichte. 1996 gegründet, schafften es die Zuger 2020 in den Swiss-Market-Index (SMI) der 20 wertvollsten Unternehmen des Landes.Es ist das Lebenswerk von Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach, die weiterhin im Verwaltungsrat sitzen. Die drei lernten sich bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs kennen und erkannten in der Fremde, dass das Private-Equity-Modell zu Hause in Europa noch grosses Potenzial hat.Die Nachfrage war riesig und machte die Gründer zu Milliardären. Heute sind sie über die Finanzbranche hinaus bekannt. Insbesondere Alfred «Fredy» Gantner zählt zu den prominentesten Wirtschaftsführern der Schweiz. Spätestens seit seinem Auftritt im Herbst 2025 im Oval Office, wo er zusammen mit anderen Unternehmern dem US-Präsidenten Donald Trump teure Geschenke überreichte und so eine Reduktion der Zölle in die Wege leitete, kennt ihn das halbe Land.Finanzprobleme bei Breitling, Schleich und ClimeworksDoch mit der wachsenden Bekanntheit der Gründer rückt auch Partners Group stärker ins Rampenlicht. Heute wird genau verfolgt, in welche Firmen sie investieren und wie sich diese entwickeln. Kürzlich berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass der Uhrenhersteller Breitling mehrere Dutzend Stellen abgebaut hat. Partners Group ist Hauptaktionär des Unternehmens, Alfred Gantner Verwaltungsratspräsident.Auch beim deutschen Spielzeughersteller Schleich, den Partners Group 2019 gekauft hat, gibt es seit längerer Zeit Probleme. Das Unternehmen, bekannt für seine detailgetreuen Tierfiguren, geriet in eine Abwärtsspirale aus Qualitätsmängeln und sinkenden Umsätzen. Zudem sorgte die Aufgabe des Hauptsitzes in Schwäbisch Gmünd – 90 Jahre nach der Gründung – für Kritik.Beim Schweizer Cleantech-Unternehmen Climeworks, das Technologien zur CO₂-Abscheidung entwickelt, läuft es ebenfalls nicht rund. Skeptiker bezweifeln, dass die Technologie einen relevanten Einfluss auf die globalen Emissionen haben kann. Vor einem Jahr baute das ETH-Spin-off 100 von 500 Stellen ab.Steffen Meister, Verwaltungsratspräsident Partners Group.PDSteffen Meister beschönigt die Situation bei den genannten Firmen nicht. «Bei Climeworks war die technologische Entwicklung langsamer als erhofft», sagt er. Andere Investments in diesem Bereich seien hingegen erfolgreich. Die Probleme bei Schleich führt er auf den durch Covid-19 beschleunigten Wechsel zum Onlinehandel zurück: «Harte Einschnitte waren hier unumgänglich, auch wenn es nicht unser Ziel ist, Firmen zu verkleinern.»Breitling wiederum leide unter «der schwächsten Phase der Uhrenindustrie seit 30 Jahren». Meister bleibt dennoch zuversichtlich: «Für uns zählt, wo das Unternehmen in drei bis fünf Jahren steht, und da sind wir sehr optimistisch.»«Investieren vorsichtiger in sozial exponierte Bereiche»Neben finanziellen Schwierigkeiten gab es auch handfeste Skandale. Besonders schwer wog der Fall Hearthside Food Solutions, ein amerikanischer Lebensmittelhersteller, an dem Partners Group beteiligt ist. Die «New York Times» berichtete 2023, dass das Unternehmen im grossen Stil minderjährige Migrantenkinder an gefährlichen Maschinen arbeiten liess. Der Imageschaden war erheblich; 2024 musste Hearthside Food Solutions Insolvenz anmelden.Auch gegen Kinder-Care, einen der grössten Kita-Betreiber in den USA, stehen schwere Vorwürfe im Raum. Aufgrund von Missbrauchsfällen und finanziellen Problemen laufen Untersuchungen. Seit dem Börsengang im Herbst 2024 hat das Unternehmen über 90 Prozent an Wert verloren.«Diese Vorfälle beschäftigen uns», sagt Meister. Bei mehr als 1000 Kitas liessen sich solche Einzelfälle jedoch nie vollständig verhindern, auch wenn Kinder-Care insgesamt gut abschneide. Die Vorwürfe der Kinderarbeit bei Hearthside Food Solutions seien hingegen nie bestätigt worden. Dennoch habe man daraus Konsequenzen gezogen: «In Zukunft investieren wir vorsichtiger in sozial exponierte Bereiche wie Gesundheit oder Kindererziehung.»Die Verantwortlichen betonen jedoch, dass die Fälle nicht repräsentativ seien. Seit der Gründung habe man über 260 Milliarden Dollar investiert, über die letzten Jahre mehr als 150 Unternehmen kontrolliert. Angesichts dessen seien unterschiedliche Entwicklungen unvermeidlich. «In guten Zeiten rechnen wir mit Schwierigkeiten bei 5 bis 10 Prozent der Firmen, in schlechten bei 10 bis 20», sagt Meister. Diese Risiken seien in der Gesamtrendite berücksichtigt. «Da die meisten Investments gut bis sehr gut laufen, konnten wir für unsere Kunden stets hohe Renditen erwirtschaften.»Als Beispiele nennt das Unternehmen die Supermarktkette Vishal Mega Mart, die 2024 mit der grössten Wertsteigerung in der Geschichte des indischen Private-Equity-Geschäfts an die Börse ging, sowie den Pharma-Dienstleister PCI Pharma Services, dessen Transaktion das eingesetzte Kapital für Partners-Group-Kunden verfünffachte. Bei der skandinavischen Rechenzentrumsplattform Atnorth lag der jährliche Kapitalertrag bei über 30 Prozent. Die Investition von 400 Millionen Franken in das Zuger Dermatologieunternehmen Galderma brachte 1,6 Milliarden Franken ein.Pensionskassen wenden sich von Private Equity abIn der Finanzbranche zählt letztlich die Gesamtrendite, und da galt Private Equity lange als nahezu unschlagbar. Doch dieses Bild hat sich gewandelt. «Es fehlt der Beleg, dass Private Equity im Schnitt tatsächlich eine Mehrrendite gegenüber börsenkotierten Unternehmen erzielt – zumal diese zuletzt sehr gut performten», sagt Dominique Gilgen, Head Private Markets bei Publica, der Pensionskasse des Bundes.Publica war gegenüber Private Equity stets zurückhaltend und nahm die Anlageklasse nie ins Portfolio auf. Lange blieb sie damit eine Ausnahme. Inzwischen haben sich aber weitere institutionelle Investoren zurückgezogen, darunter die Personalvorsorge des Kantons Zürich (BVK) und die Migros-Pensionskasse (MPK).Die MPK investierte versuchsweise in Private Equity. 2020 und 2024 prüfte man eine dauerhafte Aufnahme der Anlageklasse. Beide Male erwiesen sich andere Anlagen als attraktiver, weshalb sie ihre Engagements auslaufen lässt. «Ausschlaggebend für diesen Entschluss war unter anderem die Zinswende, insbesondere in den USA», sagt Stephan Bereuter, Leiter Asset Management bei der MPK.Studien zeigen, dass das tiefe Zinsniveau wesentlich zu den hohen Renditen von Private-Equity-Gesellschaften beigetragen hat. Laut Bereuter profitierten sie vom Hebeleffekt durch günstiges Fremdkapital und hohe Verschuldung: «Während die Anbieter betonen, die Profitabilität durch operative Verbesserungen zu steigern, bleiben die Reduktion der Eigenkapitalquote und hohe Verschuldung fast immer Kernbestandteile solcher Transaktionen.»Partners Group erwartet eine KonsolidierungMeister sieht den Rückzug «einzelner Pensionskassen» gelassen. «Manche fokussieren auf Kosten statt auf Nettorenditen, andere machten schlechte Erfahrungen», sagt er. Grundsätzlich liessen sich Investments in nichtkotierte Firmen weiterhin gut vermitteln. Gleichzeitig räumt er ein, dass das Umfeld anspruchsvoller geworden ist: «Hohe Übernahmepreise bei gleichzeitig komplexem Umfeld und den technologischen Herausforderungen machen uns noch vorsichtiger bei den Anlagen.» Zudem habe der Boom an den Börsen Private Equity vergleichsweise weniger attraktiv gemacht.Philipp Weber, Leiter Investment Consulting Schweiz beim Finanzdienstleister Mercer, beobachtet, dass Investoren ihre Engagements neu ausrichten und Konditionen neu verhandeln. Die Branche versuchte, den Markt zu vergrössern, indem sie ihre Fonds auch an Privatanleger zu verkaufen begann. In letzter Zeit zeigte sich jedoch, dass dies auch Risiken birgt. Irritationen entstanden, weil Investoren ihr Kapital nicht jederzeit und wie gewollt abziehen konnten.Meister ist dennoch überzeugt, dass Privatmärkte attraktiv bleiben und Überrenditen auch in Zukunft möglich sind. Gleichzeitig erwartet er eine Konsolidierung: «Am Ende werden 10 bis 20 Akteure – darunter die Partners Group – 70 bis 80 Prozent des Marktes beherrschen.»2021 erreichte Partners Group eine Börsenbewertung von über 40 Milliarden Franken. Inzwischen liegt sie bei unter 24 Milliarden. Meister sieht das gelassen: «Unsere Bewertung war zeitweise durch überzogene Wachstumserwartungen zu euphorisch», sagt er. Derzeit seien die Marktbefürchtungen dagegen übertrieben negativ. Die Wahrheit liege wohl in der Mitte.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel