Trotz Aktienabsturz: Banken stellen sich hinter Partners Group und Private EquityDie panische Reaktion auf Rückzüge aus Fonds der Zuger Finanzgesellschaft schreckt Grosskunden bis anhin nicht ab. Sie halten an Private Equity und der Beziehung mit Partners Group fest.06.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDie lange makellose Partners Group hat im Herbst 2024 in Baar (ZG) einen neuen Hauptsitz bezogen. Die Zeiten sind jetzt stürmischer.Stefan Kaiser / CH MediaPartners Group ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Doch momentan wird die Private-Equity-Gesellschaft durchgeschüttelt. Am Mittwoch erlebte sie einen Absturz historischen Ausmasses: Ihre Aktie fiel an einem einzigen Handelstag an der Schweizer Börse um 16 Prozent. Besonders für einen SMI-Konzern, der nach dem Einbruch noch immer eine Kapitalisierung von 20 Milliarden Franken hat, ist das ein ausserordentliches Ereignis.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Situation hat sich vorerst beruhigt. Die Aktien haben sich etwas erholt, nachdem Partners Group am Folgetag eine Mitteilung verschickt hatte, in der sie das Jahresziel für neue Kundengelder bestätigte. Doch auf ihrer sogenannten «Evergreen»-Plattform rechnen die Zuger im zweiten Halbjahr mit weiteren Geldrückzügen. Evergreens sind Anlagevehikel ohne fixe Laufzeit, die in private Anlagen investieren. Das heisst, Rückzüge sind unter bestimmten Bedingungen möglich.Überdenken der Distribution von Evergreen-FondsDiese semiliquiden Vehikel sorgen weiterhin für Unsicherheit. Zumal der Grund für den Ausverkauf der Partners-Group-Aktien die Durchsetzung von Rückzugslimiten bei zwei solcher Fonds in Europa und Nordamerika war. Auch bei drei weiteren Fonds mit Volumen von 9,7 Milliarden Dollar für institutionelle Investoren geht Partners Group im zweiten Halbjahr von Rücknahmen bis zur Limite von 5 Prozent aus. Für Unsicherheit unter den Investoren sorgte auch der Angriff des Leerverkäufers Grizzly Research Ende April. Gegen die Vorwürfe will sich Partners Group juristisch zur Wehr setzen.Bei Partners Group kann man den Kurseinbruch bis heute nicht nachvollziehen, zumal bekannt gewesen sei, dass die Rückzugslimiten bei Bedarf durchgesetzt würden. Steffen Meister, der Verwaltungsratspräsident von Partners Group, sagt im Gespräch mit der NZZ: «Die Rückzüge betreffen einzelne Produkte, die für die Vermögensverwaltung von Privatkunden gedacht sind. Oft geht vergessen, dass 80 Prozent unserer Kunden institutionelle Investoren sind.»Partners Group wie auch andere Private-Markets-Anbieter haben in den vergangenen Jahren mit grossem Aufwand vermögende Privatkunden umworben. Diesen strategischen Kurs will Partners Group trotz Marktturbulenzen beibehalten. «Das ändert nichts an unserem Ausbau des kleineren Geschäfts mit wohlhabenden Privatpersonen. Aber wir werden die Distributionskanäle und die Grösse der Evergreen-Fonds überdenken», sagt Meister.Ganzer Sektor steht unter DruckDie Limiten auf Rückzahlungen beschränken sich nicht nur auf Partners Group. Der gesamte Markt für private Anlagen steht schon länger unter Druck. So haben globale Investmentfirmen wie Apollo, Blackrock, KKR und zuletzt Blackstone ihre Rückzugslimiten durchsetzen müssen, damit Investoren nicht mehr Geld abziehen. Deren Aktien hatten schon vor Partners Group deutlich verloren. Anleger befürchten, dass das rapide Aufkommen von KI die Aussichten von Softwarefirmen vermiest. Diese werden stark durch private Investmentfirmen finanziert.Es sind mehrheitlich Privatkunden, die ihre Gelder aus den Fonds abziehen. Anders als institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen können diese mit illiquiden Anlagen oft nicht so gut umgehen. «Das haben die Private-Equity-Anbieter in der momentanen Situation unterschätzt», sagt Andreas Rothacher, der Leiter Investment Research beim Beratungsunternehmen Complementa.Das Risiko für institutionelle Investoren wie Pensionskassen aus diesen Evergreen-Fonds schätzt er jedoch als gering ein. Pensionskassen würden Fonds mit mehrheitlich institutionellen Investoren bevorzugen. Zum einen, weil sie günstiger sind. Zum anderen legen Pensionskassen laut Rothacher auch mit einem längeren Zeithorizont an als Private. Dieser ist meist besser auf die lange Laufzeit von rund 7 Jahren eines Private-Equity-Fonds abgestimmt.Für Banken und Vermögensverwalter sind solche Private-Equity-Fonds doppelt interessant. Sie können dafür von ihren Kunden meist deutlich höhere Gebühren verlangen. Zudem sind sie der Konkurrenz durch günstige ETF-Fonds weniger stark ausgesetzt: Da die unterliegenden Investitionen nicht börsennotiert sind, können sie auch nicht mit einem Index nachgebaut werden.Private Equity immer noch hoch im KursIn Zeiten niedriger Zinsen wurden Private Equity und Credit zu einer unumgänglichen Anlageklasse. Viele Privatbanken und institutionelle Investoren wie Pensionskassen nahmen diese Produkte in ihre Portfolios auf. Dank Evergreen-Produkten wurden diese illiquiden Anlagen handelbar und damit auch Privaten zugänglich gemacht. Heute sind sie aus der professionellen Vermögensverwaltung nicht mehr wegzudenken.Einer der grössten Kunden von Partners Group ist die UBS. Vor gut sechs Jahren hat sie eine Kooperation mit ihr lanciert. 1 bis 3 Milliarden Dollar sollten jährlich von der Grossbank zur Zuger Finanzfirma fliessen. Die Grossbank sieht keine Veranlassung, sich abzuwenden. «Wir arbeiten schon seit ⁠vielen Jahren im Bereich alternative Anlagen mit Partners ‌Group zusammen und schätzen ‌diese Partnerschaft sehr», erklärt eine Sprecherin auf Anfrage. An einer Konferenz am Donnerstag in Zürich sagte Iqbal Khan, der Leiter des globalen Wealth Management der UBS: «Wir sehen mehr Nachfrage für Hedge Funds, auch jene für Private Equity hält an. Private Credit ist weniger gefragt».Auch die Genfer Pictet betreibt seit Jahrzehnten Privatmarkt-Anlagen. Auf Anfrage schreibt die Privatbank: «Private Assets sind eine wichtige Anlageklasse für Kunden, die nicht auf Liquidität angewiesen sind. Deshalb bieten wir Private Assets nur dann an, wenn die kurzfristige Verfügbarkeit des investierten Kapitals für unsere Kunden nicht entscheidend ist». Pictet selbst bietet offenbar keine Evergreen-Produkte an, sondern nur eigene, illiquide Fonds. Zu Partners Group soll die Privatbank keine Berührungspunkte haben.Julius Bär hat ausgewählte Evergreen-Fonds von Partners Group auf ihrer Plattform. Die Privatbank bietet diese aber nur qualifizierten Investoren an. Die liechtensteinische Privatbank LGT vertreibe in Europa keine Private-Markets-Produkte der Partners Group, sondern biete ein breites Spektrum an anderen Lösungen an, schreibt die Bank auf Anfrage. Je nach Bedarf und Eignung in Zusammenarbeit mit dem eigenen Tochterunternehmen LGT Capital Partners. Auch sie bietet Evergreen-Produkte an.Passend zum Artikel