Panikverkäufe bei Partners Group: Das «Saubermann-Image» der Zuger Beteiligungsgesellschaft leidetDie Aktie von Partners Group verlor gestern 16 Prozent an Wert. Die Private-Equity-Gesellschaft wird abgestraft, weil die Verantwortlichen in den vergangenen Monaten zu optimistisch kommuniziert haben.04.06.2026, 12.25 Uhr4 LeseminutenIst bis heute das bekannteste Gesicht von Partners Group geblieben: Alfred Gantner, Mitgründer und Verwaltungsrat der Zuger Beteiligungsgesellschaft.NZZEs war ein Absturz, wie er an der Schweizer Börse selten vorkommt: Die Aktie der Zuger Beteiligungsgesellschaft Partners Group verlor am Mittwoch 16 Prozent an Wert. Am Donnerstagmorgen erholten sich die Titel um einige Prozent. Seit Jahresbeginn bleibt jedoch ein Minus von rund 30 Prozent. Damit ist Partners Group in diesem Jahr bisher die schlechteste Aktie im Swiss Market Index (SMI).Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auslöser des jüngsten Kursrutsches waren Berichte der «Financial Times» und von «Bloomberg». Demnach beschränkt Partners Group die Kapitalrückzüge bei einzelnen Private-Equity-Fonds. Konkret betrifft dies etwa den sogenannten «Evergreen»-Fonds «Global Value SICAV Fund», der sich an vermögende Privatanleger richtet und in nicht börsenkotierte Unternehmen investiert. Aber auch ein US-Fonds soll betroffen sein.Partners Group bietet mehrere solcher Fonds an. Der «Global Value SICAV Fund», der mehr als 8 Milliarden Dollar verwaltet, entwickelte sich in den vergangenen Monaten schwächer als andere Produkte. Viele Anleger wollten ihr Kapital abziehen. Im zweiten Quartal 2026 wurden Rücknahmen von fast 10 Prozent des Gesamtkapitals beantragt. Gemäss Fondsprospekt sind jedoch maximal fünf Prozent pro Quartal zulässig. Partners Group setzte diese Limite nun durch – was publik wurde und an der Börse heftige Reaktionen auslöste.Partners Group wurde von Kurssturz überraschtAm Hauptsitz von Partners Group in Baar im Kanton Zug hatte man den Kurssturz gemäss Informationen der NZZ nicht kommen sehen. Das Unternehmen, bei dem die drei Gründer Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach weiterhin im Verwaltungsrat sitzen, unterschätzte offenbar die Dynamik der Meldung – und das, obwohl es in der Branche in der Vergangenheit vergleichbare Fälle gab.«Als andere Privatmarkt-Gesellschaften vor einigen Monaten Rückzüge aus Private-Credit-Fonds beschränkten, reagierte die Börse ähnlich heftig», sagt Finanzmarktanalyst Andreas Venditti von der Bank Vontobel. Für Partners Group gehört die Limitierung von Rückzügen zum Geschäftsmodell. Zu Recht, wie Venditti betont: «Wer in Private-Equity-Fonds investiert, muss wissen, dass dieses Geld nicht beliebig abgezogen werden kann.» Fraglich ist jedoch, wie gut Privatanleger über die Funktionsweise solcher Produkte informiert sind. «Diese werden nicht von Partners Group direkt vertrieben, sondern über Vertriebspartner, oft Privatbanken.»Auch intern ist das Thema präsent. Verwaltungsratspräsident Steffen Meister sagte vor zwei Wochen im Gespräch mit der NZZ zum Thema Evergreen-Fonds: «Es gibt nur limitierte Ausstiegsmöglichkeiten, ähnlich wie bei Immobilienfonds. Mit diesem korrekten Verständnis sind es hervorragende Produkte für Privatanleger.» Manche Investoren behandelten Private-Equity-Fonds jedoch wie ETFs und unterschätzten deren Illiquidität. Zudem seien Renditeerwartungen von 15 bis 20 Prozent überzogen. Realistisch seien nach Gebühren etwa 10 Prozent.«Zu positiv kommuniziert»Kommunikation und Vertrauen sind in der Anlagegeschäft zentral – besonders in schwierigen Phasen. Bei Partners Group verlief diesbezüglich zuletzt nicht alles optimal, wie die Börsenreaktion zeigt. «Die Verantwortlichen von Partners Group müssen sich vorwerfen lassen, in den vergangenen Monaten zu positiv kommuniziert zu haben», sagt Daniel Regli, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank.So betonte das Unternehmen etwa bei Berichten über KI-bedingte Bewertungsrisiken bei Tech-Investments, dass man kaum betroffen sei. Auch als Rücknahmebeschränkungen für Private-Credit-Fonds Schlagzeilen machten – also bei Fonds, in denen Krediten für private, nicht börsenkotierte Unternehmen gebündelt werden – hiess es, dies habe wenig Einfluss auf Partners Group. Regli sagt: «Diese Kommunikation trug meines Erachtens mit dazu bei, dass die Märkte nun umso heftiger reagierten. Das Saubermann-Image hat gelitten.»Regli sieht zudem einen negativen Einfluss durch die internationale Berichterstattung. Vor allem angelsächsische Medien hätten Private Equity und Private Credit zuletzt sehr kritisch dargestellt. «In der Financial Times wird teils fast der Eindruck erweckt, die Branche sei ein riesiges Schneeballsystem mit überhöhten Bewertungen und Risiken.» Das sei seines Erachtens Quatsch und realitätsfern. «Durch die ständige Wiederholung bleibt jedoch etwas hängen, sodass Anleger nervös auf Negativschlagzeilen reagieren.»Auch Venditti von der Bank Vontobel hält die Kommunikation für mitentscheidend. Der Markt habe missverstanden, dass sich beschwichtigende Aussagen von Partners Group nur auf Private Credit bezogen hätten, nicht auf das gesamte Geschäft. «Die starke Kursreaktion weist darauf hin, dass viele Investoren die Kommunikation anders interpretiert haben.»Partners Group bestätigt Jahresziele – und bleibt striktEntscheidend ist nun die Frage, ob weitere Fonds Rückzüge beschränken müssen. Venditti sagt: «Die Rücknahmeanträge beim betroffenen Fonds wurden auch wegen dessen Underperformance eingereicht. Im Idealfall fliesst dieses Kapital also in andere Produkte.»Partners Group betont, weiterhin viel Neugeld zu anzuziehen. Am Donnerstagmorgen veröffentlichte das Unternehmen als Reaktion auf den Kurssturz einen aktualisierten Geschäftsausblick. Das Management rechnet unverändert mit einem Bruttoneugeldzufluss von 26 bis 32 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Gleichzeitig dürfte das Nettowachstum der verwalteten Vermögen wegen Abflüssen in der zweiten Jahreshälfte um 1 bis 2 Prozent gedämpft werden. Für 2027 wird ein ähnlicher Effekt erwartet.Zudem teilte das Unternehmen unmissverständlich mit, die in den Fondsbedingungen festgelegte Rücknahmebegrenzung von fünf Prozent pro Quartal auch bei anderen Fonds konsequent anwenden zu wollen. Ziel sei es, die Interessen langfristiger Anleger zu schützen.An der Börse wurde die Bestätigung der Jahresziele positiv aufgenommen. Bis Mittag stieg die Aktie um rund drei Prozent. Die Verluste des Vortages sind damit jedoch bei weitem nicht aufgeholt. Regli hält die Reaktion für übertrieben: Die Bewertung der Aktie sei um 16 Prozent gesunken, obwohl die zusätzlichen Abflüsse lediglich rund ein Prozent der verwalteten Vermögen ausmachten. Das sei seines Erachtens irrational und zeige, dass viele Anleger sich unnötig von negativen Medienberichten erschrecken liessen.Passend zum Artikel