Baustelle Partners Group: Aktienkurs erholt sich nicht – trotz laut verkündeter Zukäufe von Firmengründer Fredy GantnerDie Aktie der Beteiligungsgesellschaft hat seit Jahresbeginn ein Drittel an Wert verloren. Analysten senken die Werte der Gewinnprognosen für das Unternehmen. Die Verantwortlichen sind spürbar nervös.14.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenAm Hauptsitz von Partners Group in Baar im Kanton Zug: Die Beteiligungsgesellschaft durchlebt turbulente Zeiten.Getty / BloombergEs waren einmal drei Schweizer, die sich bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs kennenlernten. Sie erkannten das Potenzial professioneller Investitionen in nicht börsenkotierte Unternehmen in Europa. 1996 gründeten sie eine Firma, die institutionellen Anlegern wie Pensionskassen und Versicherungen genau dies anbietet – und legten damit den Grundstein für Partners Group, heute eines der wertvollsten Unternehmen der Schweiz.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«And they all lived happily ever after», würde ein Märchen hier enden. Die Realität ist eine andere, wie die Gründer Alfred «Fredy» Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach derzeit erfahren müssen. Die Zuger Beteiligungsgesellschaft durchlebt die schwierigste Phase ihrer bisherigen Geschichte. Seit Jahresbeginn hat der Konzern rund ein Drittel seines Börsenwerts verloren, fast die Hälfte davon an einem einzigen Handelstag.Vergangenes Wochenende versuchte Fredy Gantner, das bekannteste Gesicht des Unternehmens, die Märkte von einer Unterbewertung der Aktie zu überzeugen. «Ich halte weiterhin ein grosses Aktienpaket und habe in letzter Zeit sogar zusätzliche Aktien gekauft, wie viele unserer Mitarbeitenden», sagte der Mitgründer, Grossaktionär und Verwaltungsrat in einem Interview mit der «Sonntags-Zeitung».Gantner stellte sich demonstrativ hinter sein Lebenswerk. Er und weitere Mitglieder von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung kauften nach dem Kurseinbruch Aktien im Wert von mittlerweile 28 Millionen Franken, wie Daten der Schweizer Börse SIX zeigen. Die Märkte reagierten jedoch nicht. Obwohl der Gründer sein ganzes Prestige in die Waagschale warf, verpuffte die Aktion.Tiefere prognostizierte GewinneEin Grund dafür sind wohl die gesenkten Erwartungen von Finanzanalysten weltweit. Sie reduzierten die Werte der Umsatz- und Gewinnprognosen sowie ihre Kursziele.Die Research-Sparte von Rothschild & Co senkte ihr Kursziel von 1280 auf 1040 Franken, die französisch-deutsche Oddo BHF von 1290 auf 920 Franken, die US-Investmentbank Jefferies gar von 1130 auf 760 Franken. Auch Schweizer Institute passten ihre Erwartungen nach unten an: Julius Bär von 1400 auf 1200 Franken, die Zürcher Kantonalbank von 1300 auf 1200 Franken, die Bank Vontobel von 1200 auf 960 Franken.Die Aktie notiert derzeit bei knapp 700 Franken. Viele Analysten halten sie damit für unterbewertet und den jüngsten Kurseinbruch für übertrieben. Gleichzeitig ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Kursziele weiter dem gegenwärtigen Niveau annähern werden. Das Umfeld für Private Equity verschlechtert sich.Gefährliche ZinserhöhungenDie Europäische Zentralbank erhöhte diese Woche ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent – die erste Anhebung seit 2023. Hintergrund sind unter anderem weiterhin hohe Energiepreise infolge des Iran-Krieges. Das treibt die Inflation, auch in den USA. Im Mai sind die Preise im Jahresvergleich um 4,2 Prozent gestiegen, wie das Arbeitsministerium in Washington diese Woche mitteilte. Kevin Warsh, der neue Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Fed, gerät damit unter Druck, ebenfalls eine Zinserhöhung zu prüfen – auch wenn dies US-Präsident Donald Trump, dem er nahesteht, missfiele.Steigende Zinsen sind Gift für das Geschäft von Private-Equity-Gesellschaften wie Partners Group. Da Firmenkäufe zu einem grossen Teil kreditfinanziert sind, schmälern höhere Zinsen die Gewinne. Das drückt auf die Bewertungen der Unternehmen im Portfolio von Partners Group und erschwert gewinnbringende Verkäufe. Gleichzeitig werden risikoarme Anleihen attraktiver, was die Kapitalaufnahme für Private Equity erschwert.In letzter Zeit zogen Anleger teilweise gar Kapital ab, insbesondere aus sogenannten «Evergreen»-Fonds. Diese Anlagevehikel ohne feste Laufzeit richten sich auch an vermögende Privatanleger. Partners Group bietet mehrere davon an. Einige entwickelten sich schwächer als erwartet. Viele Anleger wollten deshalb ihr Geld zurück. In einem der grössten Fonds wurden im zweiten Quartal 2026 Rücknahmen von fast 10 Prozent des Gesamtkapitals beantragt. Laut dem Fondsprospekt sind maximal 5 Prozent pro Quartal zulässig. Partners Group setzte diese Limite durch – was an der Börse starke Reaktionen auslöste.Das Unternehmen versuchte mehrfach, die Märkte zu beruhigen. Vergangene Woche teilte Partners Group mit, man rechne weiterhin mit substanziellem Neugeld und bestätige für 2026 einen Bruttoneugeldzufluss von 26 bis 32 Milliarden Dollar.Doch die Nervosität bleibt hoch. Am Freitagabend nach Börsenschluss sahen sich die Verantwortlichen aufgrund «unbegründeter Marktgerüchte» dazu veranlasst, in einer Mitteilung erneut zu betonen, dass mit den «Evergreen»-Fonds alles in Ordnung sei. «Partners Group hat nicht die Absicht, die Liquiditätsmechanismen zu ändern und hat keine Pläne, ihre Evergreen-Vehikel einzufrieren.» Die Portfolios seien gesund und verfügten über ausreichende Liquidität.Mangelhafte KommunikationGleichzeitig geht das Unternehmen davon aus, dass das Nettowachstum der verwalteten Vermögen wegen Abflüssen in der zweiten Jahreshälfte um 1 bis 2 Prozent gedämpft wird. Für 2027 wird ein ähnlicher Effekt erwartet. Dadurch entsteht ein Dominoeffekt: Bleiben die Renditen einzelner Fonds hinter den Erwartungen zurück, erhält Partners Group von ihren Kunden tiefere Performancegebühren. Ziehen Kunden Gelder ab, reduzieren sich die Managementgebühren. Niedrigere Einnahmen wiederum führen zu tieferen Gewinnen und geringeren erwarteten Dividenden.Die Entwicklung betrifft den gesamten Markt für Privatanlagen. Besonders Private Credit – Risikokredite an Privatunternehmen – steht unter Druck. Die Ausfallrisiken steigen. Ein Grund dafür sind Kredite an Software- und Technologieunternehmen, deren Geschäftsmodelle aufgrund der KI-Revolution gefährdet sind.Partners Group betonte stets ein begrenztes Exposure im Bereich Private Credit, was die Aktie lange stabilisierte. Nach den erhöhten Rücknahmeanträgen bei den Evergreen-Fonds reagierten die Märkte nun umso heftiger – auch weil es sich um das Kerngeschäft Private Equity handelt. Hinzu kamen ein Angriff des Short-Sellers Grizzly Research sowie eine Kommunikation gegenüber den Investoren, die lange den Eindruck vermittelte, gegenüber den Branchenturbulenzen weitgehend immun zu sein.Fredy Gantner räumte vergangenes Wochenende ein, die Kommunikation sei in den vergangenen Monaten nicht optimal gewesen. Mit seinen Aktienkäufen wollte er das Vertrauen stärken. Bislang ohne Erfolg. Der märchenhafte Aufstieg von Partners Group ist zumindest vorerst Geschichte.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Partners Group: Aktienkurs erholt sich nicht – trotz Kaufmitteilung von Firmengründer Fredy Gantner
Die Aktie der Beteiligungsgesellschaft hat seit Jahresbeginn ein Drittel an Wert verloren. Analysten senken die Werte der Gewinnprognosen für das Unternehmen. Die Verantwortlichen sind spürbar nervös.
Partners Group: –1/3 Börsenwertes (Evergreen-Fonds Abflüsse 10%); Gründer kaufte Aktien 28 Mio. Franken als Gegenbewegung. Tech-Manager: PE-Kontraktion signalisiert Venture-Capital-Straffung und höhere Kreditkosten — Budget/Hiring 2026–2027 unter Druck.






