Mit Hunden seien die maskierten Polizisten gekommen, Dutzende seien es gewesen, sie hätten Drohnen steigen lassen, Personenkontrollen durchgeführt, Leute weggeschickt und das Camp schließlich verboten. So berichten es die aufgebrachten Aktivistinnen und Aktivisten.

Nun, ein paar Stunden später, drängen sich zwei Dutzend von ihnen etwas ratlos im Schatten ihrer Zelte. Sie reden, rauchen, einer spielt auf seiner Gitarre. Eigentlich hätten sie hier, auf der Wiese eines Gemüsebauern in Benken im Zürcher Weinland, ein Widerstandslager errichten wollen, um gegen den Bau eines riesigen Rechenzentrums im nahe gelegenen Kanton Schaffhausen zu protestieren. Eine Woche lang sollten Vorträge, Diskussionen und Workshops stattfinden mit Titeln wie »KI-Infrastruktur als Teil der globalen Kriegsmaschinerie«, »Technokolonialismus in Libanon, Palästina und darüber hinaus« oder »IT-Sicherheit und Hacking«. Daneben: Filmabende, Konzerte, gemeinsames Baden. Nun müssen die jungen Linksradikalen, die sich »Aufstände der Allmende« nennen, ihre Zelte, die Toiletten und die Freiluftküche wieder abbauen. »Die Schweiz rollt Leuten wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Alex Karp den roten Teppich aus«, sagt Patrizia Baumgartner, Palästinensertuch über der Schulter, FCK-CPS-Kette um den Hals: »Wir wollten einen Begegnungsort schaffen. Aber die Polizei hat die Drecksarbeit für die Techoligarchen erledigt.«