PfadnavigationHomePolitikDeutschlandVerfassungsschutzRechenzentren geraten zunehmend ins Visier von LinksextremistenStand: 06:18 UhrLesedauer: 3 MinutenLEDs leuchten in einem Serverschrank in einem RechenzentrumQuelle: Sebastian Gollnow/dpa„Unabsehbare Schäden“ für das Zusammenleben – Verfassungsschützer stufen Rechenzentren als bevorzugte Angriffsziele ein. Linksextreme Gruppen rufen offen zum Widerstand gegen KI-Standorte auf.Rechenzentren in Deutschland geraten nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zunehmend in den Fokus von gewaltbereiten Linksextremisten und ausländischen Akteuren. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) warnt gegenüber WELT AM SONNTAG, dass Unternehmen, die Künstliche Intelligenz entwickeln oder die dafür nötige Infrastruktur bereitstellen, grundsätzlich mit entsprechenden Bedrohungen rechnen müssten.Nach Angaben der Behörde wird das Thema Künstliche Intelligenz zunehmend in linksextremistischen Veröffentlichungen aufgegriffen. Dabei richte sich die Kritik sowohl gegen KI-Technologien als auch gegen die dafür benötigten Rechenzentren und den hohen Ressourcenverbrauch. Entsprechende Aufrufe seien bereits auf linksextremen Seiten veröffentlicht worden.Ein aktuelles Beispiel nennt das Landesamt für Verfassungsschutz in Brandenburg. Auf der linksextremistischen Plattform „Indymedia“ veröffentlichte das „Kollektiv Barrio“ Anfang Mai einen Aufruf gegen den Bau eines Amazon-Großrechenzentrums bei Finsterwalde. Darin werden Gruppen aus ganz Deutschland und Europa aufgefordert, sich gegen das Projekt zu organisieren. Das Rechenzentrum werde gebaut, „weil wir es dulden“, heißt es in dem Beitrag. Solche Veröffentlichungen werden oft als Signal an die linksextremistische Szene gesehen, um mit Gewalt gegen solche Großprojekte vorzugehen.Lesen Sie auchNeben der Gefahr durch Extremisten sehen die Verfassungsschützer Rechenzentren auch als potenzielle Ziele ausländischer Nachrichtendienste und staatlicher Sabotage. Angriffe könnten sowohl digital durch Cyberattacken als auch physisch etwa durch Brand- oder Sprengstoffanschläge erfolgen, heißt es auf Nachfrage dieser Redaktion. Häufig gehe solchen Aktionen eine Ausforschung möglicher Ziele voraus. Rechenzentren zählen zur kritischen Infrastruktur. Ein erfolgreicher Angriff könne nach Angaben des BfV „unabsehbare Schäden und weitreichende Folgen für das gesamtgesellschaftliche Zusammenleben“ haben. Entsprechend hoch sei die Wachsamkeit der Sicherheitsbehörden beim Schutz dieser Einrichtungen. „Neben staatlichen Sicherheitskonzepten wird den Unternehmen zudem dringend zu umfassenden eigenen Schutzmaßnahmen geraten“, heißt es von den Verfassungsschützern aus Brandenburg. Lesen Sie auchNach Informationen von WELT AM SONNTAG bereitet Sicherheitsbehörden insbesondere der Schutz kritischer Infrastruktur außerhalb großer Ballungsräume Sorgen. Moderne Rechenzentren entstehen zunehmend in ländlichen Regionen. Dort gäbe es Platz und die dafür nötige Infrastruktur wie zum Beispiel Zugang zu Wasser für die Kühlung und Zugang zu Starkstromleitungen. Die Ressourcen sind in Städten wesentlich knapper verteilt. Solche oft dezentral gelegenen Anlagen lassen sich wiederum deutlich schwieriger schützen als Einrichtungen in urbanen Zentren. Exakt in diese Kerbe schlägt auch der jüngst veröffentlichte Beitrag auf „Indymedia“. Darin heißt es: „Nur 1,5h fahrt von euch (Berlin) entfernt entsteht ein 12 Hektar großes und 7,8 Milliarden euro schweres Koloss eines Bauprojekts für die europaweite Abdeckung von Cloud-Rechenkapazität. Global gedacht ist es quasi direkt vor euer Haustür. Was würdet ihr dann machen?“ (Fehler im Original.) Zwar wird in der Veröffentlichung nicht direkt dazu aufgerufen, Rechenzentren anzugreifen. Allerdings, so heißt es aus Sicherheitskreisen, würden diese Signale genau verstanden. Wir sind das WELT-Investigativteam: Sie haben Hinweise für uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich – per E-Mail oder über den verschlüsselten Messenger Threema (8SNK792J).