Wie ein erfolgreicher Nationaltrainer aussieht? Der Deutsche Fußball-Bund, der sich mit dem dritten Mann das dritte Mal in Serie einen Klopper geleistet hat und vor dem Achtelfinale der Weltmeisterschaft ausgeschieden ist, glaubt es zu wissen: groß, gebräunt, grauer Bart, weiße Zähne. Doch wenn die Deutschen vor den Verhandlungen mit ihrem einzigen Kandidaten in New York City wissen wollen, was einen erfolgreichen Nationaltrainer ausmacht, sollten sie noch mal nach Foxborough schauen.Dort hat Didier Deschamps, der seit Sommer 2012 die französische Fußball-Nationalmannschaft anführt, gerade sein 20. WM-Spiel gewonnen. Das hat davor keiner geschafft. In der kommenden Woche könnte er dann das dritte Mal in Serie das WM-Finale erreichen. Auch das hat davor keiner geschafft. 2018 hat er es gewonnen, 2022 hat er es im Elfmeterschießen verloren. Doch das Beeindruckendste an Deschamps ist: Egal, ob er das größte aller Spiele gewonnen oder verloren hat – er hat danach immer das Vertrauen seiner Spieler behalten.In diesem Sommer sind das allein im Angriff Mbappé, Dembélé, Olise, Doué und Barcola. Man muss keine Ahnung haben, um zu sehen, dass sie mit dem Ball am Fuß zu den Besten zählen. Aber nur Ahnungslose können sagen, dass es keine Kunst sei, mit diesen Spielern Weltmeister zu werden. Als Trainer ist es vielleicht sogar die größte Kunst, aus den besten Spielern auch die beste Mannschaft zu machen.An seinen Spielern sieht man, wie Vertrauen in einen Trainer aussiehtIm Interview mit der „Sportbild“ hat Deschamps selbst gerade etwas dazu gesagt. So interessant, dass er an dieser Stelle für sich sprechen soll: „Jeden Tag einem Spieler zu sagen, dass er wichtig ist, doch er kommt dann keine Minute zum Einsatz, das ist nicht einfach. Denn jeder hat ein hohes Anspruchsdenken an sich, glaubt, er sei besser als derjenige, der an seiner Stelle spielt. Deshalb ist es wichtig, die Frustration derjenigen zu managen, die nicht in der Startelf stehen oder sogar nicht zum Einsatz kommen.“ Und weil er das kann, hat Didier Deschamps am Abend seiner schlimmsten Niederlage seinen vielleicht bleibendsten Moment als Trainer gehabt.Als das französische Team im WM-Finale 2022 gegen Argentinien in der 36. Minute 0:2 in Rückstand geraten war, hat er eine radikale Entscheidung getroffen. Er wechselte fünf Minuten später mit Ousmane Dembélé und Olivier Giroud die Stürmer aus Barcelona und Mailand aus. Und mit Randal Kolo Muani und Marcus Thuram die Stürmer aus Frankfurt und Mönchengladbach ein.Mit dem Wechsel rettete Deschamps das Spiel. Es ging später in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen. Wer damals gesehen hat, wie Dembélé nach seiner Auswechselung am Spielfeldrand nicht gefrustet war, sondern seine Mitspieler angefeuert hat, der hat gesehen, wie Vertrauen in einen Trainer aussieht.Wenn diese WM vorbei ist, wird es auch für Didier Deschamps vorbei sein. Er wird den französischen Verband verlassen, sein Nachfolger soll schon feststehen. Und das größte Kompliment, das man ihm machen kann, ist dieses: dass der große Zinédine Zidane dann in Fußstapfen tritt, die selbst für ihn zu groß sein könnten.