Wie Didier Deschamps das Meisterwerk seiner Ära geschaffen hatDer französische Nationaltrainer lässt sein Team an dieser WM immer wieder anders spielen – und stets erfolgreich.12.07.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenGeteilte Freude: Didier Deschamps machte Kylian Mbappé zum Captain und appellierte damit an seinen Teamgeist.Tullio Puglia / Fifa via GettyOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es läuft für DD, alles, was er bei dieser WM anpackt, wird zu Gold – und alles, wovon er die Finger lässt, zerfällt zu Staub. Didier Deschamps war hart dafür kritisiert worden, dass er den jungen Mittelfeldstrategen Ayyoub Bouaddi trotz einer Karriere in französischen Jugendauswahlen nach Marokko ziehen liess. Aber dann trafen die beiden Teams am Donnerstag im Viertelfinal aufeinander.Bouaddi, 18, war überfordert mit dem französischen Pressing, leistete sich ein paar gefährliche Ballverluste, vermochte das sterile Offensivspiel seiner Mannschaft nicht zu dynamisieren und wirkte insgesamt kaum so, als hätte er schon einen Platz in der Deschamps-Elf beanspruchen können. Sollte er sich dereinst wirklich als Verlust für die Grande Nation herausstellen, wird das ein Problem des designierten künftigen Auswahltrainers Zinedine Zidane sein.Denn Deschamps, 57, geht nach diesem Turnier, seiner vierten WM. Einmal siegte er (2018), einmal erreichte er den Final (2022), einmal den Viertelfinal (2014). Von bisher 25 WM-Spielen gewann er 20, Rekord. Mit dem dritten Halbfinal in Serie egalisiert er am Dienstag gleichzeitig eine Marke von Helmut Schön (1966–1974), und einiges spricht dafür, dass er die Ausbeute des Deutschen (Sieger, Zweiter, Dritter) noch verbessern wird.Denn wie es aussieht, hat Deschamps mit seiner «sélection» von 2026 das Meisterwerk seiner Ära geschaffen. «Polymorph» nennt sie Bixente Lizarazu, einst Teamkollege von Deschamps in Frankreichs erster Weltmeister-Elf 1998. Weil sie mit so verschiedenen Gesichtern auftritt; weil sie alles zu können scheint.Robust, ruhig, aber bisweilen auch, und das ist neu, spielerisch opulent kommen Deschamps Schützlinge in den USA daher. Die Angriffsreihe aus Kylian Mbappé (acht Treffer), dem Weltfussballer Ousmane Dembélé (fünf Treffer), Michael Olise (fünf Torvorlagen) und Désiré Doué (oder Bradley Barcola) gehört zum Spektakulärsten, was man seit Brasilien 1970 bei Weltturnieren gesehen hat. Allein ihre Namen garantieren einen Einschüchterungsfaktor, der jeden Gegner in taktische Zweifel stürzen kann.Man muss solche Weltklassespieler aber auch erfolgreich miteinander verzahnen können. Mbappés Klubtrainer etwa scheitern seit Jahren an dieser Aufgabe. Deschamps hat die Diva auch dadurch gezähmt, dass er sie nach der WM 2022 zum Captain beförderte und so an ihren Teamgeist appellierte. Damit vergraulte er zwar letztlich den langjährigen Anwärter Antoine Griezmann. Aber der Routinier hätte angesichts nachrückender Talente wie Olise und Doué seinen Stammplatz sowieso bald verloren. DD, einst selbst Mittelfeldspieler, ist immer ein kluger Stratege geblieben.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel