Es gibt Wörter, die sind harmlos: „und“. „Oder“. „Bitte“. Niemand verliert wegen eines „und“ seinen Job. Aber dann gibt es dieses Wort: „noch“. „Noch“ ist ein kleines, fieses Wort. Grammatikalisch ein Adverb. Psychologisch eine Drohung. „Sie sind noch jung.“ „Das klappt noch.“ „Ich bin noch dein Chef.“ Spätestens jetzt weiß jeder, dass es demnächst ungemütlich wird.Jürgen Klopp hat diese feine Eigenart der deutschen Sprache bei der WM demonstriert, als er sagte: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch.“ War das ein Versprecher? Oder ein Versprechen? Vier Buchstaben. Mehr brauchte es nicht, um eine Trainerdiskussion auszulösen, noch bevor Deutschland überhaupt ausgeschieden war.Klopp entschuldigte sich später. In Deutschland entschuldigt man sich inzwischen schneller für einen Nebensatz als für ein verlorenes Turnier. Dabei war das „noch“ vielleicht die ehrlichste Analyse der gesamten WM. Denn inzwischen wirkt das Ganze fast prophetisch. Julian Nagelsmann erklärte nach dem WM-Aus gegen Paraguay, er wolle Bundestrainer bleiben, sofern der DFB das ebenfalls wolle.Man muss den deutschen Fußball lieben. Wir scheiden aus einem Turnier aus, und als Erstes diskutieren wir darüber, ob der Trainer schuld ist. Das hat etwas Beruhigendes. Ein Trainer lässt sich austauschen. Das ist einfacher, als sich einzugestehen, dass man vielleicht seit zehn Jahren die falschen Fragen stellt. Ich kenne Julian Nagelsmann gut, habe mehrere Jahre mit ihm bei der TSG Hoffenheim zusammengearbeitet. Er ist ein hervorragender Trainer, einer, der Spieler besser machen kann. Aber zaubern kann auch er nicht.
Fußball-WM 2026: Jürgen Klopp oder Nagelsmann, wer rettet Deutschland?
In Deutschland entschuldigt man sich inzwischen schneller für einen Nebensatz als für ein verlorenes Turnier. Vielleicht sollten wir aufhören, über Trainer zu sprechen, und anfangen, über Spieler zu reden.
















